MINT-Absolventen Unis und Unternehmen wollen ausländische Studenten ködern

Werbung für Deutschland: Absolventen aus technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen werden dringend gesucht - jetzt will eine Initiative gezielt Studenten aus dem Ausland anlocken.

Technik-Studenten in Aachen (Archivbild): "Der Wohlstand steht auf dem Spiel"
DPA

Technik-Studenten in Aachen (Archivbild): "Der Wohlstand steht auf dem Spiel"


Auf der Suche nach Fachkräften in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen wollen Hochschulen und Arbeitgeber nun systematisch Studenten aus dem Ausland anwerben. So wird das Nationale MINT-Forum von Wirtschaft und Wissenschaft am Donnerstag bei einem Kongress in Berlin Bund und Länder auffordern, die Werbung um ausländische Studenten zu unterstützen.

Deutschen Unternehmen fehlen aktuell rund 110.600 Arbeitskräfte im sogenannten MINT-Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - davon 50.400 mit akademischem und 60.200 mit beruflichem Abschluss, sagt Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Im Jahr 2005 seien diese Zahlen noch "deutlich niedriger" gewesen - gleichzeitig sei die Arbeitslosigkeit insgesamt seither gesunken.

In den Forderungen heißt es, die Strategien zur Internationalisierung im MINT-Bereich "fokussieren sich aktuell stark auf den Hochschulbereich". Konkret fordert das Forum unter anderem: Ein neues Stipendium, das ähnlich wie das Bafög bedürftigen MINT-Studenten aus dem Ausland hilft.

Außerdem sollten "aufwendige und langwierige Aufnahmeverfahren" für ausländische Studenten "durch zügige Testverfahren ersetzt werden". Zudem fordert das Forum, zum Beispiel durch "International Study Center" die "Willkommenskultur" zu stärken. Denn: Je früher, stärker und besser junge Menschen an ein neues Land gebunden werden, desto höher die Chance, dass sie auch nach dem Studium bleiben.

"Der Wohlstand des ganzen Landes steht auf dem Spiel", sagte Ellen Walther-Klaus, Koordinatorin des MINT-Forums, der "Süddeutschen Zeitung". Das Forum empfehle deshalb eine "schlagkräftige Kampagne" unter der Führung des Bundes.

Der Bund soll zahlen

All dies kostet Geld, doch auch da hat das Forum schon eine Idee: Da die Gewinnung von internationalem wissenschaftlichen Nachwuchs im nationalen Interesse sei, solle der Bund eine größere Rolle bei der Koordinierung "und deren Finanzierung durch verlässliche Grundmittel für alle Hochschulen in Deutschland übernehmen", heißt es in dem Papier. Das Bildungsministerium will die Forderungen zunächst nicht kommentieren. "Wir müssen die Empfehlungen erst prüfen", teilt ein Sprecher mit.

Im MINT-Forum sind unter anderem die Hochschulrektorenkonferenz, Arbeitgeberverbände und Industrie- und Handelskammern zusammengeschlossen; es wird von Bund und Ländern unterstützt. Seit Jahren trommeln Unternehmen und Politik um mehr Nachwuchs, laut "SZ" gibt es bereits rund 10.000 einzelne regionale MINT-Initiativen in Deutschland - teilweise sogar mit Erfolg: "Die Studienanfängerzahlen in den MINT-Fächern, deutsche und internationale Studierende, sind zwischen 2006 und 2012 von rund 125.000 auf ca. 190.900 gestiegen", schreibt das Forum in seinem Bericht. Auch sei der MINT-Anteil an allen Studienanfängern von 36 auf 39 Prozent gestiegen.

Aber: Die Abbrecherquoten in den MINT-Fächern sind extrem hoch. So schmeißen acht von zehn Mathestudenten ihr Studium hin. Laut dem MINT-Forum verlassen auch Studenten der Naturwissenschaften die Uni häufig ohne Abschluss. Bei den Ingenieurswissenschaften schafften demnach 73 Prozent ihren Abschluss.

Und auch die ausländischen Studenten suchen häufig wieder das Weite: Laut "SZ" würden etwa 80 Prozent der Masterstudenten aus dem Ausland gern nach dem Studium hier bleiben und arbeiten - doch nur ein Viertel setzt diesen Wunsch tatsächlich um. Deshalb sollen, so der Wunsch des Forums, deutsche Unternehmen in Zukunft "frühzeitig Kontakt mit internationalen Studierenden aufnehmen und ihnen unterstützende Angebote in Form von Stipendien, Praktika und ideeller Förderung unterbreiten".

So schaffen Mathe-Studenten das Studium
  • DPA
    Sie sind in Unternehmen heiß begehrt, ihre Berufsaussichten sind ausgezeichnet - und trotzdem schmeißen vier von fünf Mathematikstudenten hin. Am höchsten ist die Abbrecherquote im ersten Semester. Fünf Tipps für Studienanfänger.

lgr/AFP

insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
herrwestphal 06.05.2014
1. was ...
... ist eine ideele Förderung? Einimpfen von deutschen Werten?! Ansonsten, Teil 372 vom real existierendem Fachkräftemangel. Bleibt lieber zuhause und lasst euch nicht auf deutsche "Werte" ein!
kfp 06.05.2014
2.
Zitat von sysopDPAWerbung für Deutschland: Absolventen aus technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen werden dringend gesucht - jetzt will eine Initiative gezielt Studenten aus dem Ausland anlocken. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/mint-faecher-deutschland-will-auslaendische-studenten-anlocken-a-967772.html
Vielleicht fragen Sie einfach mal nach, wie viele deutsche MINT-Absolventen ebenso ins Ausland fliehen, weil dt. Firmen keinen Bedarf an ihren Fähigkeiten zeigen bzw. wenn dann höchstens über Zwischenhändler wie Ferchau und Co...
Berufskritiker 06.05.2014
3. Das ist doch schon wieder gelogen!
Wenn die Industrie etwas will, soll sie mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen und zwar ohne Subventionen aus der Steuerkasse! Die Anwerbung von Studenten aus dem Ausland klappt auch nicht. Denn es kommen in der Mehrzahl Vollpfosten. Die Guten kommen nachdem sie die Uni abgeschlossen haben. Dadurch wirken wir aber unseren mit viel Steuergeld finanzierten Projekten der Entwicklungspolitik entgegen. Den Herkunftsländerne fehlen diese "Hochqualifizierten" dann auf ihrem Arbeitsmarkt! Einfach sinnfrei diese Aussagen!
Vex 06.05.2014
4. wers glaubt ....
Zitat von sysopDPAWerbung für Deutschland: Absolventen aus technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen werden dringend gesucht - jetzt will eine Initiative gezielt Studenten aus dem Ausland anlocken. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/mint-faecher-deutschland-will-auslaendische-studenten-anlocken-a-967772.html
Blödsinn ... Fakt ist das man in Deutschland als Akademiker in diesen Bereichen weniger verdient als zB USA, Kanada, Frankreich, Schweiz, Japan und praktisch allen anderen Industrienationen. Wenn der Mangel so groß wäre dann würden die Gehälter drastisch steigen was sie aber nicht tun .... das Ganze ist ein Märchen der Industrie damit noch mehr sich in dem Bereich ausbilden lassen und die Löhne vergleichsweise schön niedrig bleiben.
gog-magog 06.05.2014
5.
Zitat von sysopDPAWerbung für Deutschland: Absolventen aus technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen werden dringend gesucht - jetzt will eine Initiative gezielt Studenten aus dem Ausland anlocken. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/mint-faecher-deutschland-will-auslaendische-studenten-anlocken-a-967772.html
Der Bund soll zahlen, damit die Unternehmen ausländische Billigkräfte bekommen, weil die sich selbst nicht an der Ausbildung ihres Nachwuchses beteiligen wollen? Also, unverholener kann man den Steuerzahler für die eigenen Belangen nicht mehr schröpfen wollen. Ich bleibe dabei: Wer keine entsprechenden Fachkräfte hat, ist selbst schuld. Es ist keine Aufgabe des Steuerzahlers, auf Deubel komm raus allen Unternehmen ihre Billigkräfte zu beschaffen. Investiert in Schulen, kleinere Klassen, besser Hochschulausstattung und es wird genügend Kräfte für alle geben in diesem Land. Die Unternehmen sind gefordert, oder sollten den Markt frei machen.
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