Missionare auf dem Campus Dein Prof komme

Den Kirchen laufen die Mitglieder davon, darum trommeln sie an Hochschulen. Gerade bei gestressten Bachelor-Studenten wittern sie ihre missionarische Chance. Es geht nicht nur um Nachwuchs und Mitarbeiter - bisweilen bestimmen Bischöfe sogar mit, wer Professor wird.

Von Carola Sonnet


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Mission Hochschule: Wie die Kirchen um Einfluss ringen
Ein großes Kreuz schimmert über dem kleinen Altar, die Kapelle ist abgedunkelt, eine junge Frau sitzt auf der Bank und liest in der Bibel. Über ihr hängt ein Gemälde, angestrahlt von einer Leuchte unter dem Bilderrahmen - Josmaría Escrivá. Er hat Opus Dei gegründet, die Laienorganisation der katholischen Kirche, die seit den Bestsellerromanen von Dan Brown um ihren Ruf zu kämpfen hat. Und die den Campus Müngersdorf, ein Studentenwohnheim im Kölner Westen, betreibt, in dem diese Kapelle für die Studenten steht. Die Bewohner sind nicht alle katholische Gläubige, einige sind auch gar nicht in der Kirche. "Aber die Kapelle bietet einen Rückzugsraum, den jeder nutzt", erklärt die Wohnheimleiterin Hilde Müller.

Hier zeigt sich, warum die Kirchen an so vielen Hochschulen aktiv sind: Sie wollen die Studenten wieder für sich gewinnen. Mit Studentenwohnheimen, Podiumsdiskussionen, Uni-Gottesdiensten und vor allem mit Seelsorge für die gestressten Bachelor-Studenten. Denn die Mitgliederzahlen sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche sinken seit Jahren: Die Austritte im Jahr 2008 stiegen auf 160.000, wie die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) kürzlich bekanntgab, 30.000 mehr als im Jahr zuvor.

Den Katholiken ging es ähnlich, über 120.000 kehrten der Kirche im vergangenen Jahr den Rücken. Die Finanzkrise könnte die Situation noch verschlimmern, denn viele nennen die Kirchensteuer als Grund für den Austritt, und die Verantwortlichen kalkulieren schon mit einem Steuerausfall.

"Missionarische Chance" in der Orientierungsphase Studium

Das Studium sehen die Kirchenvertreter als eine günstige Zeit, um Einfluss auf die jungen Menschen zu nehmen. "Das Thema Religion ist wieder präsent", meint Dekan Jan Christian Gertz, Professor für Alttestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg. Er begründet das mit dem öffentlichen Diskurs um Religion, der sich entwickelt habe, seit das Verhältnis zum Islam als Konfliktthema ausgiebig diskutiert würde. Des Weiteren zeichne sich ein steigender Personalbedarf der Kirchen als Arbeitgeber ab. Nach Angaben der Katholischen Bischofskonferenz haben fünf Prozent aller Studenten ein hohes Interesse, kirchliche Angebote zu nutzen. Rund ein Fünftel registriert die Angebote zwar, nimmt sie aber nur sporadisch in Anspruch. Und genau da setzen die Organisationen der Kirchen an.

Von der "missionarischen Chance" spricht Lukas Rölli, Geschäftsführer des Forums Hochschule und Kirche, einer katholischen Fachorganisation für Studenten: "Wir haben die Möglichkeit, die jungen Menschen in dieser besonderen Lebensphase für uns zu gewinnen." Denn es sei die Phase, in der Standpunkte gesucht würden, in der Berührungspunkte mit der Religion geschaffen, in der "Pflöcke gesetzt und Anker gelegt" werden könnten.

Grundvoraussetzung dafür sei das Selbstverständnis der Studierenden, auf das die Kirchen sich einstellen müssen. "Studenten gucken heute mehr als früher,was zu ihren eigenen Bedürfnissen passt." Sie seien weniger bereit, sich für das ganze Studium einer Sache zu verpflichten. Gerade deshalb müssten Angebote geschaffen werden, die der neuen Anspruchshaltung entsprächen.

Opus Dei trennt die Wohnheime von Frauen und Männern

Die katholische Organisation sieht hier auch die Chance, junge Menschen wieder für theologische Berufe zu interessieren. Denn dort wird der Nachwuchs ebenso händeringend gesucht: Zwar stieg die Zahl der Studierenden mit Katholischer Theologie als Haupt- oder Nebenfach seit dem Wintersemester 2001/02 um knapp 20 Prozent auf 22.269 zu Beginn 2008. Die Deutsche Bischofskonferenz differenziert ihre Angaben jedoch, und es fällt auf, dass Theologie als Nebenfach seit der Einführung des Bachelors wieder mehr Interessenten hat. Auf ein vollständiges Religionsstudium hingegen lassen sich immer weniger Studenten ein.

"Ich stelle gesteigertes Interesse an religiösen Fragen fest", sagt Hilde Müller vom Campus Müngersdorf. Opus Dei hat sich zum Ziel gesetzt, den jungen Menschen in ihrem Alltag zu einer "lebendigen Gottesbeziehung zu verhelfen". Im Studentenwohnheim legen sie großen Wert auf disziplinierte Bewohner und ein konzentriertes Lernumfeld. Dafür ist die Reinigung der Zimmer auch in der Miete inbegriffen - so bleibt mehr Zeit zum Lernen.

Und es dürfen ausschließlich Frauen in Müngersdorf wohnen. Für die Männer gibt es ein anderes Studentenwohnheim. Alles, damit unnötige Ablenkungen vermieden werden.

In einem der Studienräume mit W-Lan-Anschluss sitzen zwei Studentinnen und lernen. Draußen rauscht der Lärm der vierspurigen Aachener Straße vorbei. Weil sie sich für einen Platz in diesem Wohnheim entschieden haben, müssen sie zweimal im Jahr an sogenannten Allgemeinbildungskursen teilnehmen, die eine Art Studium generale nach dem Vorbild britischer und US-amerikanischer Colleges ersetzen sollen. Hier wird vor allem geschichtliches Wissen vermittelt.

insgesamt 45 Beiträge
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Zyklotron, 21.12.2009
1. Finsterstes Mittelalter.
Zitat von sysopDen Kirchen laufen die Mitglieder davon, darum trommeln sie an Hochschulen. Gerade bei gestressten Bachelor-Studenten wittern sie ihre missionarische Chance. Es geht nicht nur um Nachwuchs und Mitarbeiter - bisweilen bestimmen Bischöfe sogar mit, wer Professor wird. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,667953,00.html
Finsterstes Mittelalter. Es ist ein Schandfleck in der Menschheitsgeschichte, dass diese ganzen religiösen Schmarotzer überhaupt noch etwas in der Gesellschaft zu sagen haben.
Herg 21.12.2009
2. Interessant
Toll, dass das Thema Kirche an Hochschulen mal aufgegriffen wird! Die im Text erwähnte Hochschulgruppe Laizisten findet man übrigens unter www.laizisten.de
eikfier 21.12.2009
3. leidige Imponderabilien...
Zitat von ZyklotronFinsterstes Mittelalter. Es ist ein Schandfleck in der Menschheitsgeschichte, dass diese ganzen religiösen Schmarotzer überhaupt noch etwas in der Gesellschaft zu sagen haben.
Einerseits haben Sie schon recht, wenn Sie vermutlich darauf hinweisen wollen, daß auch bei uns noch keineswegs überall die vorgeschriebene Trennung von Staat und Kirch/Religion in der Praxis selbstverständlich ist. Andererseits muß der Staat wegen der enormen und schlicht staatserhaltenen Sozialleistungen durch die Kirchen auch Kompromisse machen, z.B. das Inkasso der Kirchensteuern durch die staatlichen Finanzämter (war ja bekanntlich eine bittere Boykottmaßnahme der eingegangenen DDR gegenüber den Kirchen!) , wodurch die Kirchen ihrerseits einen ganz schön kostspieligen Inkassobetrieb einsparen...
Klo, 21.12.2009
4. Anachronismus
Zitat von sysopDen Kirchen laufen die Mitglieder davon, darum trommeln sie an Hochschulen. Gerade bei gestressten Bachelor-Studenten wittern sie ihre missionarische Chance. Es geht nicht nur um Nachwuchs und Mitarbeiter - bisweilen bestimmen Bischöfe sogar mit, wer Professor wird. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,667953,00.html
Das Konkordat ist ein Anachronismus und gehört komplett und ersatzlos abgeschafft. Es ist diskriminierend und daher grundgesetz- und menschenrechtswidrig, wenn Dozenten und Studenten an staatlichen Hochschulen aufgrund des Bekenntnisses ausgewählt werden.
lo77 21.12.2009
5. einmal bashing bitte.
Worum geht es dem Autor eigentlich? Kritik am diakonischen, uni-nahen Engagement der Kirchen in Form von Studentenwohnheimen und weiteren sozialen Angeboten? Oder Kritk an der, vor allem in Bayern jahrundertelang gewachsenen, Zusammenarbeit von Hochschule und Kirchen? Oder doch lieber noch ein Absatz über die Mormonen? Jedes dieser Themen hätte sicherlich seinen ausführlichen Artikel verdient. In der vorliegenden Form allerdings undifferenziert (bestehende Zusammenarbeit notorisch als Einflussnahme zu deklarieren...), an der Oberfläche kratzend (siehe oben - einmal den thematischen Rundumschlag bitte) und inhaltlich schwach (was bitte sind "weltliche Kirchen"?) Für tendenziöse Stimmungsmache reichts - für eine differenzierte Diskussionsgrundlage leider nicht.
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