Universität Missouri Medien-Professorin nach Ausraster gegen Kameramann gefeuert

Die US-Professorin Melissa Click ist Expertin für Medien. Doch sie selbst zeigte sich einem Reporter gegenüber wenig professionell: Mit Gewalt wollte sie ihn vom Campus schmeißen lassen. Nun wurde sie gefeuert.

Von

Mit Furor gegen den Kameramann: Professorin Melissa Click bei ihrer Auseinandersetzung mit einem Videojournalisten
AP/dpa

Mit Furor gegen den Kameramann: Professorin Melissa Click bei ihrer Auseinandersetzung mit einem Videojournalisten


Melissa Click ist aufgebracht, das sieht man auf den ersten Blick. Auf dem Campus der "Mizzou", wie die Universität von Missouri in Kurzform genannt wird, haben protestierende Studenten eine kleine Zeltstadt aufgebaut. Ihre Demonstration richtet sich gegen rassistische Alltagserfahrungen an ihrer Uni, und Medien-Professorin Melissa Click gehört zu den Unterstützerinnen der Studenten.

Mark Schierbecker studiert ebenfalls an der Uni, arbeitet aber auch als Kameramann für einen lokalen Sender. Er sei Medienvertreter und suche Gesprächspartner, sagt Schierbecker in Richtung der Demonstranten - und sorgt bei Melissa Click für eine harsche Reaktion. "Sie müssen hier verschwinden", faucht sie ihn ein paar Mal vor laufender Kamera an. Und als Schierbecker sich weigert zu gehen, schlägt die Dozentin gegen die Kamera und ruft dann: "Hey, wer hilft mir, diesen Reporter hier wegzubekommen? Ich brauche hier ein paar Muskeln!"

"I need some muscle over here"

Dieser Vorfall - und weil sie bereits bei einer früheren Demonstration in Auseinandersetzungen mit Polizisten verwickelt war - kostet die Medien-Professorin jetzt ihren Job. Die Uni hat sie gefeuert.

Der Zwischenfall selbst hatte sich bereits im November ereignet. Das Kuratorium der Uni hatte anschließend eine Untersuchung eingeleitet und im Ergebnis nun beschlossen, die streitbare Professorin zu entlassen.

"Das Kuratorium hält das Verhalten von Dr. Click für unvereinbar mit dem Grundanliegen der Universität, es entspricht nicht den Erwartungen an ein Fakultätsmitglied", erklärte Pam Hendrickson, Vorsitzende des Gremiums, in einer Stellungnahme der Hochschule. Studenten und Medienvertreter hätten im öffentlichen Raum ihre Rechte ausgeübt. Die Tatsache, dass die Dozentin dagegen vorgegangen und auch noch zur Einschüchterung eines Studenten aufgerufen habe, "erfordert eine entschiedene Reaktion", heißt es in der Erklärung weiter.

Das Video von dem Zwischenfall kursiert mittlerweile im Netz, der Ausraster ist ab Minute 6:30 zu sehen. Schon vorher zeigt der Film, wie protestierende Studenten immer wieder Fotografen und Reporter bei deren Arbeit behindern und wegstoßen, obwohl sie sich auf öffentlichem Gelände befinden.

Entschuldigung reicht nicht

Melissa Click selbst hatte sich einem Bericht der "New York Times" zufolge in der vergangenen Woche zu dem Vorfall geäußert. "Wenn ich das sehe, bin ich beschämt und es tut mir leid", sagte sie demnach. Der Film zeige nur einen kleinen Moment ihrer Laufbahn: "Das repräsentiert nicht gerade mein bestes Ich." Schon im November hatte sie sich für ihre Ausfälle gegenüber den Medienvertretern entschuldigt - was sie jetzt jedoch nicht vor der Entlassung schützte.

Der Vorfall überlagert heftige Diskussionen und Auseinandersetzungen, die es bereits seit Monaten an der Universität von Missouri gibt. Immer wieder hatten Studenten über rassistische Beleidigungen und Vorfälle geklagt und der Hochschulleitung vorgeworfen, zu wenig dagegen zu tun. Zwischenzeitlich hatte sogar das Campus-Football-Team mit einem Boykott seiner Spiele gedroht, wenn der Präsident nicht zurücktrete - Timothy M. Wolfe beugte sich diesem Ultimatum, wie auch ein weiterer hochrangiger Uni-Manager.

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Korken 26.02.2016
1. Freedom of the press
Was für ein peinliches Verhalten von Studenten und Professoren, das Recht der freien Presse nicht zugestehen zu wollen. Die Entlassung ist berechtigt. Sie hat ja richtig angestachelt.
alangasi 26.02.2016
2. So ein Nichts
führt zur Entlassung? Auch eine Art von Diktatur........
twocent 26.02.2016
3.
Normalerweise sind Demonstranten an Öffentlichkeit interessiert, um ihr Anliegen zu kommunizieren. Warum sogar mehrfach Medien bei ihrer Arbeit angefeindet und behindert wurden, wäre interessant zu erfahren.
Rosmarinus 26.02.2016
4.
Zitat von alangasiführt zur Entlassung? Auch eine Art von Diktatur........
Da hindert eine, wohlgemerkt, Medienprofessorin einen Medienvertreter auf öffentlichem Grund mit den Androhung von Gewalt daran, seine Arbeit zu tun, und das für sie ein "nichts"? Und sie deshalb für ungeeingent zu sehen, den Studenten ein Vorbild zu sein, ihr Fach und ihre Uni zu repräsentieren und sie daraufhin zu feuern, ist dikatorisch? Man möchte heutzutage immer weniger ein Vertreter der Medien sein...
kaltwasser 26.02.2016
5. Vorbild?
Eine Professorin mit dem Verhalten eines politischen Kommissars. Eine Professorin, die Fanatismus über ihren Lehrauftrag stellt, hat sich selbst disqualifiziert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.