Berufswahl nach dem Studium Noch kein Plan? Kein Problem

Hochzeitsplaner? Koch? Oder doch Anwalt? Wer im achten Semester noch keine Ahnung hat, welcher Beruf der richtige ist, sollte nicht panisch werden. Mit der richtige Strategie kann man immer noch einen Volltreffer landen, sagt Psychologin Madeleine Leitner. Im Interview verrät sie, wie.

Küchenkraft: Kein Berufswunsch? Wie wär's mit Koch?
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Küchenkraft: Kein Berufswunsch? Wie wär's mit Koch?


UniSPIEGEL: Einige Studenten wissen kurz vorm Abschluss immer noch nicht, welchen Beruf sie eigentlich ergreifen sollen. Gefährlich, oder?

Leitner: Es ist natürlich besser, wenn man schon mit einem klaren Berufsbild ins Studium geht. Aber auch die, die lange unentschlossen sind, haben noch Chancen, ihren Traumjob zu finden. Wichtig ist, dass sie herausfinden, welche besonderen Fähigkeiten und Talente sie haben.

UniSPIEGEL: Ein Mensch, der Mitte 20 ist, sollte doch eigentlich wissen, was er gut kann und was nicht.

Leitner: Das meinen Sie! Die meisten sind total blind für ihre eigentlichen Talente. Die sind für sie so selbstverständlich, dass ihnen nicht einmal auffällt, dass sie sie überhaupt besitzen. Manche Menschen sind zum Beispiel wahre Verkaufsgenies und ahnen nichts davon!

UniSPIEGEL: Wie lassen sich diese Talente denn sichtbar machen?

Leitner: Es gibt da verschiedene Strategien. Ich frage meine Klienten nach Ereignissen aus der Vergangenheit, bei denen sie etwas taten, was ihnen so großen Spaß bereitete, dass sie darüber Zeit und Raum vergaßen. Oft höre ich dann Geschichten, die eigentlich nichts mit einem Job zu tun haben. Da geht es dann beispielsweise um die Organisation einer Hochzeit oder das Kochen für eine größere Gruppe.

UniSPIEGEL: Soll das heißen, dass ein Jurastudent, der kein Anwalt werden will, aber gern kocht, am besten Koch wird?

Leitner: Nein, natürlich nicht. Aber je häufiger sich dieselben Talente in den unterschiedlichen Geschichten wiederholen, desto schneller werden meine Klienten sehend: Es sind schließlich ihre Geschichten, es sind ihre Fähigkeiten, die da, für einige völlig überraschend, zum Vorschein kommen - und die lassen sich auf den späteren Arbeitsbereich übertragen.

UniSPIEGEL: Okay. Aber was nützt es mir, wenn ich weiß, dass ich gut organisieren oder strukturiert arbeiten kann? Das führt mich ja nicht direkt zu irgendeinem Beruf.

Leitner: Ich empfehle dann, Freunde um Hilfe zu bitten. Man sollte sie fragen, für welche Berufe man die herausgefundenen Fähigkeiten gut gebrauchen kann. Aus diesen Ideen sucht man sich anschließend drei bis fünf aus, die einem am besten gefallen. Dann beginnt man mit einer systematischen Recherche.

UniSPIEGEL: Und wie soll die aussehen?

Leitner: Am besten führt man Gespräche mit Leuten, die genau das machen, was einen interessiert. Erfahrungsgemäß sind die meisten Menschen gern dazu bereit, wenn man sie höflich um zwanzig Minuten ihrer Zeit bittet. Oft nennen sie dann sogar weitere Ansprechpartner.

UniSPIEGEL: Wenn ich Pech habe, treffe ich dabei auf jemanden, der total frustriert ist in seinem Job als Staatsanwalt, Produktmanager oder Therapeut.

Leitner: Oder ich treffe auf jemanden, der ganz euphorisch ist. Deshalb ist es wichtig, mit mindestens drei, besser noch mit fünf Personen pro Idee zu sprechen, dadurch relativiert sich das eine oder andere. Durch die Gespräche erfährt man aber auch, wie üblicherweise der Einstieg in den jeweiligen Beruf verläuft und welche Zusatzqualifikationen möglicherweise nötig sind. Und das Beste ist: Viele der toll klingenden Ideen entpuppen sich als doch nicht so toll, und die Sammlung schrumpft sich gesund. Spätestens jetzt sollte man sich übrigens auch Gedanken machen, wie viel Geld man mal verdienen möchte und welche Arbeitsbedingungen einem wichtig sind.

UniSPIEGEL: Auch wenn ich das nun als angehende Betriebswirtin oder zukünftiger Ethnologe alles weiß: Ein potentieller Arbeitgeber ist deshalb noch nicht in Sicht.

Leitner: Nein, aber je klarer meine eigenen Vorstellungen sind, desto besser kann ich auf dem verdeckten Stellenmarkt aktiv werden, indem ich auf Leute oder Unternehmen zugehe und Kontakte knüpfe. Außerdem: Erst wenn ich weiß, was ich suche, bekomme ich Dinge mit, die ich vorher nicht wahrgenommen hätte. So etwas nennt man selektive Wahrnehmung.

UniSPIEGEL: Wie aber finde ich nun eine passende Stelle? Per Stichwortsuche auf Portalen wie monster.de oder stepstone.de?

Leitner: Dort bekommt man auf jeden Fall einen Überblick, welche Stellen offen ausgeschrieben sind - was für Ethnologen ziemlich frustrierend sein dürfte. Ansonsten halte ich es für die schlechteste Methode, dort nach einem Job zu gucken, wo alle gucken. Dann landet man nur in einem großen Stapel und hat entsprechend geringe Chancen, die Stelle zu bekommen.

UniSPIEGEL: Und wie schafft man es, wahrgenommen zu werden?

Leitner: Am besten hat man den Kontakt bereits, bevor eine Position überhaupt ausgeschrieben wird und es den berüchtigten Stapel gibt. Vor allem dann, wenn man den zur eigenen Person passenden Arbeitsplatz haben möchte, den Ort, an dem man gedeiht und aufblüht, an dem man seine Fähigkeiten und Vorlieben einbringen kann. Denn nur dort ist man auch wirklich gut.

UniSPIEGEL: Heißt das, dass man das Auswahlverfahren umdreht? Dass nicht der Arbeitgeber den Bewerber aussucht, sondern der Bewerber entscheidet, für wen er arbeiten möchte?

Leitner: Genau. Damit das gelingt, versucht man so viel wie möglich im Vorfeld über potentiell interessante Unternehmen herauszufinden. Im Idealfall weiß man dann, welche Probleme die haben: Gibt es Engpässe bei den Lieferzeiten? Ist der Service schlecht? Häufen sich die Kundenbeschwerden? So vorbereitet hat man nämlich Lösungen zu bieten und wird interessant für potentielle Arbeitgeber. Und die Bewerbungsmappe ist nur noch eine Pro-forma-Angelegenheit.

Interview: Gunthild Kupitz

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
vatermitkind 10.05.2013
1. Danke für diese Tipps
Diesen Artikel werde ich gleich an das iPad meines Sohnes Christian teilen, damit er sich das durchliest. Er ist auch schon Mitte 20 und weiß leider nicht wohin mit ihm und Sie geben hier so wahnsinnig geistreich Tipps Frau Leitner. Vielen Dank! Kein Wunder, dass Sie ein so tolles Amt innehalten.
BettyB. 10.05.2013
2. Claro
Ich weiß zwar nicht. Was Ich machen will, knüpfe aber schon mal die entsprechenden Kontakte... Wie wäre es mit berufsberatendem Psychologen?
Schleswig 10.05.2013
3.
Zitat von sysopCorbisHochzeitsplaner? Koch? Oder doch Anwalt? Wer im achten Semester noch keine Ahnung hat, welcher Beruf der richtige ist, sollte nicht panisch werden. Mit der richtige Strategie kann man immer noch einen Volltreffer landen, sagt Psychologin Madeleine Leitner. Im Interview verrät sie, wie. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/mit-der-richtigen-strategie-ist-jobsuche-kein-gluecksspiel-a-895839.html
Oder lieber doch Psychologe?
gustavsche 10.05.2013
4. Und ich dachte, das Studium wäre schon die Berufswahl
Wie konnte ich mich all die Jahre nur so irren?
gruenertee 10.05.2013
5.
Der Informationsgehalt in diesem Interview tendiert gegen null. Das was die Frau Leitner da von sich lässt, sind 08/15 Leitfäden, die man an jeder Ecke hört. Vollkommen realitätsfern und nicht anwendbar bzw.erfolglos bei der Anwendung.
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