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30. Juli 2013, 17:59 Uhr

Drohender Verlust des Doktortitels

NRW-Politiker Eumann attackiert Uni Dortmund

NRW-Staatssekretär Marc Jan Eumann kämpft um seinen Doktortitel. Der SPD-Politiker wirft der Uni Dortmund vor, vertrauliche Informationen aus der Prüfung seiner Arbeit zu streuen - und kündigt eine Klage gegen seine ehemalige Hochschule an.

Düsseldorf - Im Streit über die mögliche Aberkennung seines Doktortitels kritisiert NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) seine ehemalige Hochschule, die Technische Universität (TU) Dortmund, scharf. "Vertraulichkeitsregelungen wurden ganz offensichtlich missachtet, da immer wieder Interna über das laufende Verfahren in die Öffentlichkeit getragen wurden", schrieb Eumann am Dienstag in einer Pressemitteilung. Eumann schließt mit der Androhung rechtlicher Schritte gegen die TU Dortmund: "Sollte sich das Verfahren in der bisherigen Art und Weise fortsetzen, wird im Zweifelsfall ein unabhängiges Gericht die Angelegenheit klären müssen, um die Hintergründe angemessen aufzuklären."

Mitte Juli hatte das Rektorat dem Politiker "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vorgeworfen, ohne jedoch weitere Details anzugeben. Eumanns 2010 eingereichte Doktorarbeit "Der Deutsche Presse-Dienst" soll in weiten Teilen mit seiner 1991 verfassten Magisterarbeit identisch sein. Laut "FAZ" beruft sich die Universität in ihrem Urteil auf ihre interne Prüfkommission und ein Gutachten des Bonner Rechtswissenschaftlers Wolfgang Löwer. Laut Nachrichtenmagazin "Focus" steht in dem Gutachten, Eumann habe seinen Doktorväter bewusst getäuscht. Gutachter Löwer versicherte SPIEGEL ONLINE, er habe sich weder öffentlich über die Eumann-Untersuchung geäußert, noch das Gutachten weitergegeben. Als wahrscheinlichste Quelle erscheint damit jemand aus der TU Dortmund oder aus deren Umfeld.

Bei Eumanns Kritik geht es um mehr als um eine Stilfrage: Leistet sich die Universität Dortmund in dem Prüfverfahren Formfehler, wie einen Verstoß gegen die Vertraulichkeitsregeln, könnte Eumann mit dieser Begründung gegen einen möglichen Titelentzug klagen - und das unabhängig davon, ob er tatsächlich wissenschaftliche Standards missachtet hat. Auf diesem Weg versucht auch die zurückgetretene Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), den endgültigen Verlust ihres Doktortitels zu verhindern.

Die Chance, auf diesem Weg einen verlorenen Titel zurückzubekommen, ist denkbar klein. Wohl auch deshalb verteidigt Eumann seine Arbeit und sein Vorgehen bei der Dissertation vehement. Der SPD-Politiker erklärt, er habe dem Promotionsausschuss den Titel seiner Magisterarbeit und die Entstehungsgeschichte seiner Doktorarbeit "ausdrücklich erläutert". Dem widerspricht allerdings sein Doktorvater, der mittlerweile emeritierte Journalistikprofessor Horst Pöttker. Pöttker erklärte in der "FAZ", er habe den Titel von Eumanns Magisterarbeit nicht gekannt. Der SPD-Politiker habe den Titel sogar im obligatorischen Lebenslauf verschwiegen.

ade/lgr

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