Tipps für Studenten Ohne Angst in die Prüfung

Die Hände schweißnass, der Mund trocken, das Herz rast: Mündliche Prüfungen lösen bei vielen Studenten Angst aus. Wie man trotzdem Erfolg hat, verrät Lerntrainerin Sabine Grotehusmann - mit sechs Tipps.

Mirko Röper/UNI SPIEGEL


  • 1. Prüfungssituation simulieren

Es ist wichtig, für eine mündliche Prüfung so zu lernen wie für eine Klausur, aber zusätzlich muss man das Sprechen üben. Um den Lehrstoff richtig vortragen zu können, hilft es, ihn Freunden oder Verwandten aufzusagen, die von dem Thema keine Ahnung haben. So kann man trainieren, Dinge leicht verständlich zu erklären. Außerdem lohnt es sich, eine Prüfungssituation mit Kommilitonen oder Mentoren zu simulieren. Dabei erkennt man oft am besten, wo es noch hakt, was fehlt oder was man missverstanden hat.

  • 2. Gelassen bleiben

Auch wenn Prüfer mit versteinerter Miene vor dem Prüfling sitzen, ist das kein Grund, sich verunsichern zu lassen. Prüfer dürfen keine Regungen zeigen, sonst würden sie falsche Erwartungen wecken. Wer den Umgang mit grimmig blickenden Menschen üben möchte, kann sich aus der Zeitung böse Gesichter oder Augenpaare ausschneiden, an die Wand hängen und vor diesen den Prüfungsstoff aufsagen. Alternativ können Mitbewohner diesen Part übernehmen und in einer simulierten Prüfungssituation möglichst gemein sein.

  • 3. Wissen verkaufen

Häufig beginnen Prüfungen mit offenen Fragen. Hier ist es wichtig, sie so strukturiert wie möglich zu beantworten. Das heißt: erst einmal einen Überblick geben, dann detaillierter auf einzelne Punkte eingehen und Fachbegriffe einstreuen. Hat der Prüfling anschließend noch Zeit, kann er auf Teilaspekte zu sprechen kommen. Achtung: bloß nicht gleich am Anfang in Details verlieren.

  • 4. Angemessen antworten

Selbstbewusstsein ist gut, aber bitte nicht zu viel davon: Prüflinge sollten nicht großspurig auftreten und so tun, als wüssten sie mehr als der Professor. Vor allem sollten sie nicht mit ihm streiten, wenn sie sich im Recht sehen. Im Normalfall ist er der Kompetentere. Schüchterne Menschen sollten immer daran denken, dass sie sich in der Prüfung nicht selbst darstellen, sondern ihr Wissen präsentieren müssen. Sie sollten sich auf die Fragen konzentrieren und keine Angst davor haben, zu viel zu reden.

  • 5. Um Bedenkzeit bitten

Wer eine Frage nicht auf der Stelle beantworten kann, darf sich Zeit verschaffen und etwas Wasser trinken oder zugeben, dass er über die Frage erst einmal nachdenken muss. Meist bringt es nichts, den Prüfer darum zu bitten, die Frage zu wiederholen - da schlechte Prüfer sie dann wortgleich noch einmal stellen. Lieber fragen: "Könnten Sie die Frage bitte anders formulieren?" Die Prüflinge, die ungefähr wissen, worum es geht, können einfach nachhaken mit Sätzen wie: "Meinen Sie...?" oder "Habe ich Sie richtig verstanden, dass...?"

  • 6. Pluspunkte sammeln

Nach einem langen Tag sind auch Prüfer oft müde. Gut ist es daher, Begeisterung und Interesse für Themen auszustrahlen. Wer die Prüfer unterhält, Energie und interessante Beispiele mitbringt, hebt sich von anderen Prüflingen ab und beweist, wie sicher er auf einem Gebiet ist. Kompetent zu wirken lässt sich auch trainieren, zum Beispiel indem man Talkshows guckt. Bei den Gästen kann man sich abschauen, wie man möglichst klug rüberkommt.

Prüfungsangst: Acht Tipps gegen Blackout
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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
m82arcel 19.07.2016
1.
Zusätzlicher Tipp von mir: auch mal lächeln, bzw. freundlich gucken. Macht die Situation und insbesondere einen selbst entspannter (und mindert bei mir deutlich den Drang zu "flüchten").
lindenbast 19.07.2016
2.
Einfach auch mal an die Prüfer denken - nichts ist schrecklicher, als wenn sie einem Prüfling alles einzeln aus der Nase ziehen oder in zunehmender Verzweiflung nach kleinen Inseln im Meer des Unwissens stochern müssen... Übrigens sehe ich nicht, wieso eine steinerne Miene sein muss. Ich sehe nichts Unprofessionelles daran, durch beispielsweise aufmunterndes Nicken dem Prüfling zu signalisieren, dass er hier in der Beantwortung der Frage in die richtige Richtung steuert.
albert schulz 19.07.2016
3. auf keinen Fall verunsichern lassen
Man sollte den Prüfern vor allem signalisieren, daß man sie nicht für Unmenschen hält, sondern für arme Säue, die sich den ganzen Tag mit inkompetenten Ignoranten herumschlagen müssen. Man macht sie also etwas locker, damit sie nicht so verkrampfen und sich in sich zurückziehen, womöglich sogar verzweifeln. Ein paar Geschichten aus dem prallen Leben oder ein paar gute Witze können Erstaunliches bewirken. Prüfen lassen kann man sich immer noch, wenn noch Zeit erübrigt werden kann. Hier ist es vor allem wichtig, dem Professor energisch zu widersprechen, völlig egal, was er zum besten gibt. Er soll ein wenig selbstkritisch werden, seine Aussagen und Fragen überdenken, vor allem seine eigene Einstellung kontrollieren und korrigieren lernen, und dabei kann der Prüfling wertvolle Hilfestellungen geben. Dabei ist es wichtig, immer freundlich zu bleiben, also keine Fundamentalkritik zu äußern oder gar böse dreinzuschauen. Wobei ältere Professoren ohnehin kein Problem darstellen. Sie wollen nur, daß die armen Jungs endlich weiterkommen in ihrem mühseligen Hamsterrad. Die jungen energischen hingegen sind zuweilen lästig. Sie wollen tatsächlich, daß man ihnen Fragen beantwortet, die sie selbst kaum beantworten könnten. Die Lösung für solche Korinthenkacker ist recht einfach: man läßt sie einfach ausführlich erklären, was sie gemeint haben wollen, und welche tiefere Bedeutung die Lösung des Problems hat. Sie werden sofort ihren Sermon herunterrasseln, ganz ähnlich wie der Pawlowsche Hund. Sie werden sich wohlfühlen, und das reicht immer für eine bestanden Prüfung. Die laienhaften Ratschläge aus dem Artikel mögen für Prüfungen an der Grundschule reichen. So sind sie halt, die Psychologen. Natürlich ist es immer sinnvoll, den Stoff irgendwelchen Laien zu erklären. Das gilt aber für jede Prüfung, vor allem für die zahlreichen Besprechungen im Beruf. Da muß man aber die zehn Prozent glatter Lügen sehr schön verpacken. In Prüfungen strukturiert und systematisch antworten ist ein Grundfehler. Wie schnell kann es passieren, daß der Prüfer versteht, was man sagen will und dann ist der Ofen aus. Absolut überflüssige Mühewaltung. Und um Gottes Willen nie um Bedenkzeit bitten. Das zeigt Schwäche, Unvermögen, Unkenntnis. Sofort drauflos schwadronieren ist die einzig richtige Taktik. Dabei ist es völlig schnuppe, ob man sich auch nur entfernt mit der Fragestellung beschäftigt. Man muß den Prüfer interessieren, und dazu muß man nur seine Lieblingsthemen kennen. Der Bursche redet wie ein Buch, wenn man ihn verständnisvoll animiert. Der freut sich, wenn seine Kompetenz gefragt ist.
harryholdenwagen 19.07.2016
4.
So viele mündliche Prüfungen gibt es im Studium nicht. Ich hatte bis auf die Verteidigungen keine.
Martin Steffen 19.07.2016
5. Satire eventuell? ???
Zitat von albert schulzMan sollte den Prüfern vor allem signalisieren, daß man sie nicht für Unmenschen hält, sondern für arme Säue, die sich den ganzen Tag mit inkompetenten Ignoranten herumschlagen müssen. Man macht sie also etwas locker, damit sie nicht so verkrampfen und sich in sich zurückziehen, womöglich sogar verzweifeln. Ein paar Geschichten aus dem prallen Leben oder ein paar gute Witze können Erstaunliches bewirken. Prüfen lassen kann man sich immer noch, wenn noch Zeit erübrigt werden kann. Hier ist es vor allem wichtig, dem Professor energisch zu widersprechen, völlig egal, was er zum besten gibt. Er soll ein wenig selbstkritisch werden, seine Aussagen und Fragen überdenken, vor allem seine eigene Einstellung kontrollieren und korrigieren lernen, und dabei kann der Prüfling wertvolle Hilfestellungen geben. Dabei ist es wichtig, immer freundlich zu bleiben, also keine Fundamentalkritik zu äußern oder gar böse dreinzuschauen. Wobei ältere Professoren ohnehin kein Problem darstellen. Sie wollen nur, daß die armen Jungs endlich weiterkommen in ihrem mühseligen Hamsterrad. Die jungen energischen hingegen sind zuweilen lästig. Sie wollen tatsächlich, daß man ihnen Fragen beantwortet, die sie selbst kaum beantworten könnten. Die Lösung für solche Korinthenkacker ist recht einfach: man läßt sie einfach ausführlich erklären, was sie gemeint haben wollen, und welche tiefere Bedeutung die Lösung des Problems hat. Sie werden sofort ihren Sermon herunterrasseln, ganz ähnlich wie der Pawlowsche Hund. Sie werden sich wohlfühlen, und das reicht immer für eine bestanden Prüfung. Die laienhaften Ratschläge aus dem Artikel mögen für Prüfungen an der Grundschule reichen. So sind sie halt, die Psychologen. Natürlich ist es immer sinnvoll, den Stoff irgendwelchen Laien zu erklären. Das gilt aber für jede Prüfung, vor allem für die zahlreichen Besprechungen im Beruf. Da muß man aber die zehn Prozent glatter Lügen sehr schön verpacken. In Prüfungen strukturiert und systematisch antworten ist ein Grundfehler. Wie schnell kann es passieren, daß der Prüfer versteht, was man sagen will und dann ist der Ofen aus. Absolut überflüssige Mühewaltung. Und um Gottes Willen nie um Bedenkzeit bitten. Das zeigt Schwäche, Unvermögen, Unkenntnis. Sofort drauflos schwadronieren ist die einzig richtige Taktik. Dabei ist es völlig schnuppe, ob man sich auch nur entfernt mit der Fragestellung beschäftigt. Man muß den Prüfer interessieren, und dazu muß man nur seine Lieblingsthemen kennen. Der Bursche redet wie ein Buch, wenn man ihn verständnisvoll animiert. Der freut sich, wenn seine Kompetenz gefragt ist.
Das meiste aus den Ratschlaegen ist so krass dass es eventuell satirisch gemeint ist (anderes deutet darauf hin dass es ernst gemeint ist), Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen das der Schreiber mit diesem Verhaltensmuster auch nur eine Pruefung mitgemacht hat, oder sagen wir, eine Pruefung bestanden hat, jedenfalls keine die ihren Namen verdient. Eventuell gibt es Studienfaecher mit der man die Pruefung am besten angeht indem man einen dramatischen Auftritt aus echter oder geschauspielter Herablassung, Blendertum und allgemeiner Verpeiltheit zum Besten gibt, wie angeraten. Aber _so_bloed ist sogut wie kein Pruefer. Man darf auch nicht vergessern: Der Pruefer hat alles, aber wirklich alles bereits gesehen, wenn er nicht der allerblutigste Anfaenger ist (erst als Beisitzer fuer ein paar Jahre, und dann als Pruefer ueber verschiedene Faecher). Ja, und es gibt die versuchten Blender (allerdings sehr selten), aber oefters die Hypernervoesen, die Wasserfallredner, die Zauderer, diejenigen die Versuchen, eine Frage nach A zu beantworten in dem sie B (vielleicht korrekt) beantworten und hoffen man merkt es erstens nicht und zweitens, man kommt auf die Frage A dann nicht zurueck. Kann ja auch passieren. So krass wie in diesem Ratschlag habe ich allerdings noch nie eine Pruefung erlebt (ich selbst habe viele Pruefungen mitgemacht, hunderte). Ein einziger hat einen der "Ratschlaege" versucht, und hat die Pruefung vor der ersten Frage damit begonnen die Vorlesung als sinnlos kritisieren. Nicht die Vorlesung als Veranstaltung wie ``mieses Tafelbild'' (er ist nicht einmal zur Vorlesung gekommen), sondern das Thema der Vorlesung sei ueberfluessig, Was man natuerlich natuerlich machen kann (auch wenn komischerweise die Vorlesung keine Pflichtvorlesung war), nur halt die Uhr der Pruefung tickt. Insofern muss man halt den Kanditaten freundlich drauf hinweisen, das Systemkritik als solche seinen Platz hat , nur halt nicht jetzt.
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