Uni Münster Doktorvater soll wegen Plagiatsfällen bestraft werden

Das ist ungewöhnlich: Ein Doktorvater aus Münster muss sich dafür verantworten, dass seine Doktoranden abgeschrieben haben. Eine Kommission empfahl der Uni, den Professor für "schweres wissenschaftliches Fehlverhalten" zu bestrafen.

Westfälische Wilhelms-Universität Münster: Häufung von Verdachtsfällen
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Westfälische Wilhelms-Universität Münster: Häufung von Verdachtsfällen


Nach mehreren Plagiatsfällen bei medizinischen Promotionen will die Universität Münster einen Doktorvater bestrafen. Er habe mindestens zwei Wissenschaftler betreut, deren Titel aberkannt wurden, weil sie abgeschrieben hatten, sagte ein Sprecher der Universität Münster am Mittwoch. Er bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Westfälische Nachrichten".

Wegen der Plagiatsfälle hatte eine Untersuchungskommission die Rolle des Betreuers überprüft. Das Gremium habe der medizinischen Fakultät nun empfohlen, den Professor für schweres wissenschaftliches Fehlverhalten zu sanktionieren, sagte der Sprecher. Vorgeschlagen worden sei, dem Forscher bestimmte Zusatzprivilegien und leistungsorientierte Boni abzuerkennen. Ob die Strafe verhängt wird, entscheidet der Fachbereich in seiner nächsten Sitzung am 20. Oktober.

Im Mai 2014 hatten Plagiatsjäger der Internetplattform VroniPlag Wiki eine auffällige Häufung von Verdachtsfällen an der medizinischen Fakultät in Münster entdeckt. Eine Arbeit schien fast komplett den Wortlaut einer anderen Dissertation bei demselben Betreuer abzubilden, die wiederum bei einer anderen abgeschrieben wurde. Die Universität Münster bildete daraufhin eine aus 14 Fachleuten zusammengesetzte Kommission.

Uni prüft Dissertation von Ursula von der Leyen

Die Experten überprüfen derzeit 23 Fälle, in denen Medizin-Doktoranden getäuscht haben sollen. Insgesamt wurden drei Titel entzogen und vier Rügen wegen wissenschaftlicher Fehler ausgesprochen. In den anderen Fällen dauert die Prüfung laut dem Uni-Sprecher noch an.

Ein anderer, weitaus prominenterer Verdachtsfall hat medizinische Dissertationen in den vergangenen Tagen wieder in den Fokus gerückt: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll in ihrer Dissertation unsauber gearbeitet haben. Die Medizinische Hochschule Hannover, an der sie promovierte, untersucht die Arbeit nun. Ob die Ministerin ihren Doktortitel behalten darf, wird sich noch zeigen.

In den vergangenen Jahren mussten einige Politiker ihren Titel wieder abgeben, weil sie abgeschrieben hatten, darunter Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die frühere Bildungsministerin Annette Schavan und die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin.

Üblicherweise belangen Hochschulen bei Plagiatsfällen jedoch nur die ehemaligen Doktoranden, die die Doktorarbeit verfasst haben: zum Beispiel mit einer Rüge oder mit dem Titelentzug. Es ist ungewöhnlich, dass sich - wie nun in Münster - auch der Doktorvater für Fehlverhalten verantworten muss.

lov/dpa

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