Leidenschaft "My little Pony" Ein bisschen bitchy, dieses Pferd

Erwachsene, die knallbunte Zeichentrickpferdchen mit Piepsstimmen lieben? Crazy oder was? Kann sein. Allerdings teilen Millionen Menschen in aller Welt die Begeisterung für die "My Little Pony"-Charaktere.

Cira Moro

Von


Bei Rarity gerät Markus Machat ins Schwärmen. Großzügig sei sie. Künstlerisch begabt. Ein bisschen "bitchy". Außerdem hat die Kleine auch noch tolle Haare, schöne Augen und lange Wimpern. Eine echte Augenweide.

Markus Machat, Tübinger Lehramtsstudent mit den Fächern Deutsch und Englisch, scheint verliebt zu sein. Allerdings ist Rarity keine Frau. Sie ist ein Pony. Eines mit lila-lockiger Mähne und großen Manga-Augen. Ein Zeichentrick-Pony.

Rein optisch würde Machat gut auf ein Metal-Konzert passen. Man kann sich den 24-Jährigen beim Headbangen und Pogen vorstellen, aber nicht so richtig als Fan eines bunten Pferdchens aus der TV-Kinderserie "My Little Pony - Friendship Is Magic". Rarity und fünf andere Ponys bewirtschaften darin einen Garten mit Apfelbäumen, fahren in rosafarbenen Heißluftballons durch die Gegend und müssen sich mit fiesen Fledermaus-Vampiren herumärgern, die ihnen ihr Glück missgönnen. Gut, dass die Pferdchen magische Kräfte haben und ihre Gegner mit piepsigen Stimmen um den Verstand singen können.

"Es geht um Freundschaft und Toleranz"

91 Folgen von "My Little Pony" gibt es mittlerweile, verteilt auf vier Staffeln, und Markus Machat wünscht sich ganz doll, dass noch ganz viele weitere veröffentlicht werden. Er hat sie halt so gern, seine Rarity.

Ein erwachsener Mann, der sich eine Serie mit singenden Ponys reinzieht? Der keine Folge verpasst und ganz fröhlich wird, wenn die Pferdchen mit ihren bonbonbunten Mähnen und Schweifen durchs Bild galoppieren? Stimmt da was nicht?

"Ich weiß ja", sagt Machat, "das hört sich ziemlich merkwürdig an." Er sei beim Stöbern in einem Internetforum auf die Serie gestoßen, und am Anfang dachte er auch: "Was für ein Scheiß." Dann aber habe es ihn "irgendwie gecatcht". Es mache einfach gute Laune, sich eine Pony-Folge anzuschauen, sagt Machat. "Es geht um Freundschaft und Toleranz. Das finde ich gut."

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Machat ist mit seiner Begeisterung bei Weitem nicht allein. Ausgehend von den USA hat sich um die Serie eine riesige und stetig wachsende Fangemeinde entwickelt. Kurioserweise aber nicht bei Mädchen im Grundschulalter, für die die Serie ursprünglich mal konzipiert wurde, sondern vor allem unter Studenten und anderen jungen Erwachsenen, darunter genauso viele Männer wie Frauen. Sie nennen sich "Bronies", zusammengesetzt aus "Bro" (Kumpel) und "Pony".

Machat ist einer der führenden Köpfe der deutschen Brony-Szene, seitdem er vor drei Jahren gemeinsam mit einem Freund das Internetforum bronies.de gründete. Mittlerweile sind 10.000 Fans angemeldet, die Seite hat schon fast fünfeinhalb Millionen Visits erreicht. Mitglieder und Besucher diskutieren dort Fragen wie "Wer hat den besten Mähnenstyle?" oder "Ist Pinkie Pie schneller als Rainbow Dash?". Sie sagen "everypony", wenn sie "alle" meinen, und "nopony" steht für "keiner".

Fast jede Woche findet ein Brony-Treffen statt

Die Brony-Welt ist aber nicht nur virtuell: Fast jede Woche findet irgendwo in Deutschland ein Treffen statt. Die Pony-Freunde treffen sich zum Fachsimpeln, tauschen Figuren oder Sammelkarten. Manche verkleiden sich sogar: An ihren Köpfen stecken dann plüschige Pony-Öhrchen, manche stülpen lockige Mähnenperücken über. "Mein Ding ist das aber nicht so", sagt Machat. Er sammelt lieber Merchandising-Artikel. "Das hier ist Twilight", sagt er und kramt aus seiner Pony-Kiste ein lilafarbenes Plastikpferdchen hervor. "Und da ist Pinkie Pie, sogar mit Echthaarmähne. Die muss ich mal wieder bürsten."

Bei aller Toleranz: Wird man da nicht komisch angeguckt? "Manchmal ja", sagt Machat. Einige seiner Brony-Freunde würden regelmäßig als Weicheier beschimpft. Auch Machat, eigentlich ein offener und unkomplizierter Typ, hielt sich anfangs seinen Kommilitonen gegenüber zurück. Doch dann traute er sich - und sprach einfach über seine bis dahin heimliche Leidenschaft, die sich in Wahrheit ja auch nicht sonderlich vom Kult um andere Trickfilm-Fantasy-Serien unterscheidet. Die neue Offenheit hatte Erfolg. Jetzt schaut Machat nicht mehr allein, wenn "My Little Pony" läuft, sondern gemeinsam mit einer Freundin.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
hahtse 22.08.2014
1. Hach da sind sie wieder...
...die unreflektierten Vorurteile. Statt sich auf die durchweg positive Botschaft der Serie, den hochwertigen Animationsstil (mit zahlreichen popkulturellen Anspielungen) oder den immer wieder hintersinnigen und damit auch sehr erwachsenentauglichen Humor zu beziehen, konzentriert man sich auf "die piepsenden Stimmen" und auf die Zielgruppe "kleine Mädchen". Obwohl die schon seit den frühen Tagen der Serie nicht mehr die alleinige Zielgruppe sind, denn das Produktionsteam und Hasbro haben sich früh und positiv mit dem Bronie-Trend auseinandergesetzt. ...aber wenn man unbedingt einen Kopfschüttelartikel drüber schreiben will...
smersh 22.08.2014
2.
Zitat von hahtse...die unreflektierten Vorurteile. Statt sich auf die durchweg positive Botschaft der Serie, den hochwertigen Animationsstil (mit zahlreichen popkulturellen Anspielungen) oder den immer wieder hintersinnigen und damit auch sehr erwachsenentauglichen Humor zu beziehen, konzentriert man sich auf "die piepsenden Stimmen" und auf die Zielgruppe "kleine Mädchen". Obwohl die schon seit den frühen Tagen der Serie nicht mehr die alleinige Zielgruppe sind, denn das Produktionsteam und Hasbro haben sich früh und positiv mit dem Bronie-Trend auseinandergesetzt. ...aber wenn man unbedingt einen Kopfschüttelartikel drüber schreiben will...
Also ich finde es in der Tat zum Kopfschütteln, wenn sich ein erwachsener Mann für dieses Rarity-Pony begeistern kann. Es ist doch offensichtlich, dass Rainbow Dash das bessere Pony ist, und schneller als Pinie Pie ist sie auch.
MrBuddyCasino 22.08.2014
3.
Ja warum nur, bring doch einfach deine kleine Tochter auf eine MLP Show mit, die paar erwachsenen Männer, die dort als Ponies und kleine Mädchen verkleidet rumspringen, sind fast gar nicht creepy. Wirklich creepy sind aber die sexualisierten Bilder von MLP, Google is your friend. Ich versteh ja fast alles, aber MLP? Bunt, unschuldig und - extrem weird.
Frau_von_heute 22.08.2014
4.
Zitat von smershAlso ich finde es in der Tat zum Kopfschütteln, wenn sich ein erwachsener Mann für dieses Rarity-Pony begeistern kann. Es ist doch offensichtlich, dass Rainbow Dash das bessere Pony ist, und schneller als Pinie Pie ist sie auch.
Vor allem,weil die rosa Figur Pinkie Pie IST, Rarity ist weiß-blau :-) Mein Sohn, 17, meine Töchter, 9 und ich warten alle gespannt auf die Fortsetzungen! Hervorragend gemacht, mit tiefgründigem Humor für die Großen und Slapstick für Große und Kleine, viel Phantasie, Zauber und Brimborium, und viele gute Botschaften zu Freundschaft und anderen Tugenden...was will ich als Frau und Mutter mehr?
Muddern 22.08.2014
5. Sauberer Konter. :)
Zitat von smershAlso ich finde es in der Tat zum Kopfschütteln, wenn sich ein erwachsener Mann für dieses Rarity-Pony begeistern kann. Es ist doch offensichtlich, dass Rainbow Dash das bessere Pony ist, und schneller als Pinie Pie ist sie auch.
Also da muss ich nun wieder kopfschütteln. Die besten zwei sind Applejack und Fluttershy! Bei uns jedenfalls mag die komplette Familie My Little Pony, auch wenn der Herr Gemahl es nicht zugibt. (In Wahrheit freut er sich jedes Mal wie ein Schnitzel, wenn Big Macintosh auftaucht und "Eeeyup" oder "Nope" sagt.) Ich verstehe eine gewisse Skepsis gegenüber den alten MLP-Zeichentricks aus den 80ern, die ziemlich unlustig und unerträglich "saccharine" waren; doch mit der aktuellen Serie hat Hasbro durchaus etwas Sehenswertes geschaffen, das nicht nur kleine Mädchen ertragen können. Diese Serie ist zwar, oberflächlich gesehen, immer noch "niedlich" und "Mädchenkram", doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich neben viel Fantasie eine kräftige Portion gar nicht mal so oberflächlichen Humors mit zahlreichen Referenzen, die nur wir "Großen" erfassen. MLP ist einfach nette, harmlose Unterhaltung mit hübsch gezeichneten, sympathischen Charakteren und positiven Botschaften. Allerdings... so manchem Brony stehe ich dann doch etwas kritischer gegenüber. Ich wünschte, MLP wäre mal eine klitzekleine Ausnahme der Regel vierunddreißig gewesen...
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