Nachrückverfahren So klappt es doch noch mit dem Studienplatz

Abi-Note nicht gut genug, um den NC zu knacken? Keine Sorge, es gibt auch andere Wege, um an einer Hochschule unterzukommen. Zum Beispiel in der zweiten und dritten Auswahlrunde. Der Überblick.

Studienanfängerin in Berlin (Symbolbild)
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Studienanfängerin in Berlin (Symbolbild)

Von "Karrierebibel"-Autorin Anja Rassek


Kann ich an meinem Wunschort studieren? Vor jedem Semester treibt diese Frage bundesweit junge Menschen um. Besonders jene, die sich für ein zulassungsbeschränktes Studienfach beworben haben. Nicht selten flattert ein Ablehnungsbescheid ins Haus.

Das ist aber noch nicht das Ende: Das Nachrückverfahren ist für viele angehende Studenten eine Chance, doch noch den begehrten Studienplatz zu erhalten.

Wie funktioniert das Hauptverfahren?

Wer sich für einen Massenstudiengang einschreiben will, wird es wahrscheinlich mit Zulassungsbeschränkungen zu tun haben. Bundesweit gilt das für Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin.

Diese Fächer werden über das Portal hochschulstart.de von der Stiftung für Hochschulzulassung vergeben. Bewerbungsfrist ist der 15. Juli für das Wintersemester und der 15. Januar für das Sommersemester.

Das Vergabeverfahren muss demnächst neu geregelt werden, entschied Ende 2017 das Bundesverfassungsgericht. Bisher sind zwei Kriterien gleichermaßen bedeutend: die Abiturnote und die Wartezeit, die sich Bewerber anrechnen lassen können. Zur Wartezeit zählen auch Ausbildung, Wehrdienst und Freiwilliges Soziales Jahr.

Achtung: Nicht als Wartesemester angerechnet (und daher kontraproduktiv fürs Nachrückverfahren) wird es, wenn Sie in der Zwischenzeit ein anderes Fach an einer anderen Uni oder ein Fernstudium absolvieren.

Hochschulen wählen einen Teil der Bewerber auch nach einem eigenen Verfahren aus. Kriterien können hier fachspezifische Studierfähigkeitstests wie beispielsweise der Test für medizinische Studiengänge (TMS) oder Einzelnoten des Zeugnisses sein.

Neben den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen gibt es noch die mit örtlicher Zulassungsbeschränkung. Hier werden die Bewerbungsunterlagen direkt an die Hochschule gesendet. Die Bewerbungsfrist erfahren Sie auf der Seite der jeweiligen Hochschule oder auf der Seite des Hochschulkompass.

Wie rücken Sie auf?

Wenn Sie im Hauptverfahren leer ausgegangen sind, kommt das Nachrückverfahren ins Spiel. Dann werden in einem gesonderten Verfahren die noch unbesetzten Studienplätze an die "rangnächsten" Bewerber verteilt. Teilweise werden mehrere Nachrückverfahren durchgeführt, bis sämtliche Plätze vergeben sind.

Angenommen, Sie und Ihre zwei besten Freunde haben einen Notendurchschnitt von 2,0 und bewerben sich für ein zulassungsbeschränktes Studienfach, das im Hauptverfahren einen NC von 1,8 verlangt. Dann werden alle drei Bewerber einen Ablehnungsbescheid bekommen, in dem auch die Modalitäten zur Bewerbung für das Nachrückverfahren genannt werden.

Wenn ein Freund beispielsweise die genannte Frist zur Teilnahme verpasst, werden nur noch Sie und Ihr anderer Freund am Nachrückverfahren teilnehmen. In einer ersten Runde kann der NC auf 1,9 sinken. Da Sie beide aber mit Ihrer Abschlussnote nach wie vor darüber liegen, werden Sie bei diesem Nachrückverfahren erneut leer ausgehen.

Dann können Sie an einem zweiten Nachrückverfahren teilnehmen. Für eine zweite Runde werden erneut Fristen gesetzt werden, die es einzuhalten gilt. Sinkt im zweiten Nachrückverfahren der NC auf 2,0, stehen die Chancen gut, bei freien Studienplätzen berücksichtigt zu werden.

Welche Fristen müssen Sie einhalten?

Je nach Hochschule müssen Sie sich für das Nachrückverfahren aktiv anmelden oder nehmen automatisch im Falle eines Ablehnungsbescheids dran teil. Wie jeweils die genauen Konditionen lauten, müssen Sie mit Ihrer Hochschule klären.

Falls Sie in der Zwischenzeit einen Auslandsaufenthalt planen oder aus anderen Gründen nicht regelmäßig Ihre Post oder Ihre E-Mails checken können, sollten Sie unbedingt eine Vertrauensperson damit beauftragen. So stellen Sie sicher, dass Sie im Fall eines erfolgreichen Nachrückverfahrens nicht die Anmeldefrist verpassen.

Über die Studienplatzbörse des Hochschulkompass können Sie sich informieren, an welchem Hochschulort es für welche Fächer noch freie Studienplätze gibt. Sie stellt dafür zweimal im Jahr ein Zeitfenster von je drei Monaten zur Verfügung:

  • Für das Sommersemester: Februar, März und April.
  • Für das Wintersemester: August, September und Oktober.

Warum werden Plätze frei?

Für plötzlich frei werdende Plätze und das daraus folgende Prozedere des Nachrückverfahrens gibt es verschiedene Gründe:

  • Geänderte Pläne: Manche Studierenden treten ihren Studienplatz nicht an - etwa weil sie sich einen anderen Studienort erhofft hatten. Andere entscheiden sich kurzfristig anders und planen einen Auslandsaufenthalt nach dem Abitur, beispielsweise Work and Travel.
  • Mehrfachbewerbung: Die Bewerber können sich für bis zu zwölf Studienfächer bewerben, letztlich aber nur für ein Fach (1-Fach-Bachelor) beziehungsweise zwei Fächer (im 2-Fach-Bachelor) einschreiben. Für die anderen zehn bis elf Fächer wird also wieder ein Platz frei.
  • Falsche Erwartungen: Studienabbrecher gibt es auch zu Beginn des Studiums. Wenn jemand zum Beispiel merkt, dass die Inhalte ihn nicht interessieren oder das Fach grundsätzlich anders aufgebaut ist als gedacht.

Wie wählen die Unis Nachrücker aus?

Das genaue Verfahren ist Sache der jeweiligen Universität. Zumeist werden die Bewerber nach Wartesemestern und Abiturnote kategorisiert. Bei gleicher Zahl an Wartesemestern oder identischer Abiturnote entscheidet das Los.

Auch dabei können sich neue Lücken für Studienwillige auftun. Denn auch unter den potenziellen Nachrückern gibt es welche, die sich zwischenzeitlich für etwas anderes entschieden oder die Hochschule gewechselt haben. Das Nachrückverfahren dauert daher so lange, bis alle freien Studienplätze besetzt sind.

Was tun, wenn es nicht klappt?

Zum einen könnten Sie überlegen, ob ein inhaltlich verwandtes Fach ohne Zulassungsbeschränkung eine Alternative bietet. Allerdings sei hier nochmals darauf verwiesen, dass Sie von dort nicht einfach in Ihr ursprüngliches Traumfach wechseln können.

Besonders hoch dürften die Hürden für Studienwillige in beliebten Hochschulorten sein. Wer sich auch mit eher kleinen Universitäten oder einer anderen Stadt anfreunden kann, hat oftmals die besseren Karten. Hier liegen häufig geringere Bewerberquoten und ein niedrigerer NC vor.

Eine andere Alternative, bei der Sie etwas Geld in die Hand nehmen müssen, ist die Studienplatzklage. Dann überprüft ein Anwalt in Ihrem Namen, ob die Berechnungsunterlagen fehlerhaft sind oder ob die von der Hochschule angegebenen Kapazitäten tatsächlich ausgeschöpft wurden.

In diesem Fall könnte es sein, dass Sie doch noch einen Studienplatz erhalten, wenn vorhandene Plätze noch nicht vergeben wurden.



insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
πter 26.07.2018
1. NC sollte kein Problem sein
Hab dieses Jahr mein Abi in Bayern gemacht, Schnitt 1,4. Hab mir dafür kein Bein ausreißen müssen, da ich Mathe studieren werde und das nicht mit einem NC belegt ist. Wer sich ein wenig hinsetzt, schafft heute nen Schnitt mit ner 1 vor dem Komma. So anspruchsvoll ist es schlicht und einfach nicht.
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