Neugier in Mexiko Uni zwingt Studentinnen zu Intim-Auskunft

Ihre Forschungsinteressen hat die Freie Universität Zacatecas besonders weit ausgedehnt: Die mexikanische Hochschule erkundet das Intimleben ihrer Studentinnen. Wer sich bewirbt, muss über Zyklus, Abtreibungen und Sex-Partner Auskunft geben.


Es geht ums erste Mal und um intimste medizinische Details. Frauen, die sich an der Universität im mexikanischen Zacatecas um einen Studienplatz bewerben, müssen einen ganzen Fragenkatalog beantworten, mit dem ihr Intimleben ziemlich umfassend ausgeforscht wird: In welchem Alter hatte die Bewerberin ihre ersten sexuellen Kontakte? Wie viele Partner hatte sie bereits? Wann hat sie ihre Menstruation? Ist sie schwanger, hat sie abgetrieben, leidet sie unter Ausfluss? All das müssen sie angeben.

Allerdings habe die Wissbegierde der Hochschule rein medizinische Gründe, sagt der Leiter der Universitätsklinik, Juan Carlos Olivas Chávez. In Mexiko sei die Gefahr, sich an einer Geschlechtskrankheit anzustecken, sehr hoch. Die Informationen dienten dem Krankenhaus als Grundlage bei der medizinischen Versorgung der Studentinnen.

Keine der Fragen werde als Entscheidungskriterium im Auswahlverfahren herangezogen, versicherte er. Die Leiterin des Studentinnendienstes der Uni, Leticia Torres, kritisierte dagegen das Vorgehen. Es sei eine Frage der "Selbstachtung", derartige Fragen abzulehnen, sagte sie.

Zacatecas ist eine traditionelle Auswanderregion rund 600 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt. Der Staat und die gleichnamige Hauptstadt hängen stark von dem Geld ab, das mexikanische Auswanderer aus den USA in ihre alte Heimat schicken.

otr/AFP



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