Festnahmen am Flughafen Neuseeland jagt Studiengebührenschuldner

Mehr als 110.000 neuseeländische Uni-Absolventen haben ihre Studienkredite nicht zurückgezahlt. Nun fängt die Regierung die Schuldner am Flughafen ab.

Auckland International Airport
AFP

Auckland International Airport


Ngatokotoru Puna fährt im Januar zum Auckland Airport. Er hat an einer Weiterbildung in Australien teilgenommen und will nun zurück auf die Cook-Inseln fliegen, wo er als Mathelehrer arbeitet. Doch am Flughafen nehmen Polizisten den 40-Jährigen fest.

Puna denkt zunächst, das sei ein Missverständnis: Er hat sich doch nichts vorzuwerfen. Oder doch? Der Neuseeländer ist einer von Zehntausenden Uni-Absolventen, die ihre Studiengebühren noch nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt haben. Punas Schulden sollen durch die Zinsen inzwischen auf 130.000 Dollar angewachsen sein, berichtet die neuseeländische Webseite "Stuff".

An dem Mathelehrer will die neuseeländische Regierung ein Exempel statuieren: Er ist der erste Uni-Absolvent, der wegen ausstehender Studiengebühren festgenommen wird. Seine Festnahme soll andere abschrecken und dazu bewegen, endlich ihre Schulden zu begleichen. Puna darf erst auf die Cookinseln zurückkehren, als er 5000 Dollar zahlt und verspricht, den Rest seiner Schulden zu begleichen.

Am vergangenen Dienstag wurde eine zweite Frau am Auckland Airport festgenommen, als sie nach Australien fliegen wollte. Auch sie muss noch Studiengebühren zurückzahlen.

Rund 112.000 neuseeländische Studienkreditschuldner leben inzwischen im Ausland, 70 Prozent von ihnen sind mit der Begleichung ihrer Kredite in Verzug, wie verschiedene neuseeländische Medien berichten, etwa der Radiosender Radio NZ. "Rund 20 Personen stehen unter besonderer Beobachtung des Finanzamts. Sie können festgenommen werden, wenn sie nach Neuseeland zurückkehren", sagte Bildungs- und Entwicklungsminister Steven Joyce dem Sender.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dem "New Zealand Herald": "Die Festnahmen sind unser absolut letztes Mittel. Vorher versuchen wir, die Schuldner auf allen möglichen Wegen zu erreichen, um mit ihnen zu klären, wie sie ihre Schulden zurückzahlen können." Das Finanzamt hat sogar eine eigene Webseite eingerichtet, auf der erklärt wird, wie man seine Schulden am besten begleichen kann.

Weil viele Schuldner in Australien leben, verhandelt Neuseeland mit dem Nachbarland über eine neue Vereinbarung, um leichter an die Adressen der betreffenden Personen heranzukommen und ihnen Mahnungen schicken zu können.

Studentenverbindungen kritisieren die harten Methoden der Regierung: Sie würden die Schuldner zu Studienkreditflüchtlingen machen, die aus Angst, festgenommen zu werden, sich nicht mehr zu Hochzeiten oder Beerdigungen in der Heimat trauten.

Auch die Grünen-Politikerin Julie Anne Genter sagte, solche Methoden seien zu hart. "Warum bemühen wir uns so sehr darum, Studenten zu jagen, nur weil sie sich hier haben ausbilden lassen? Warum verfolgen wir nicht lieber multinationale Unternehmen, die im Land keine Steuern zahlen?"

Doch offenbar zeigt das Vorgehen der Regierung Wirkung: Nach Ngatokotoru Punas Verhaftung sind die Rückzahlungen von Studienkrediten um rund 30 Prozent angestiegen, sieben Millionen Dollar wurden so mehr als im Vorjahreszeitraum zurückgezahlt.

  • Silja Götz
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kha

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Sibylle1969 03.06.2016
1. Kostenlose Bildung ist gut!
Was bin ich froh, dass ich in Deutschland kostenlos studieren konnte. Ich erhielt Bafög, welches zur Hälfte als zinsloses Darlehen gezahlt wurde. Am Ende hatte ich lediglich ca. 15.000 DM Schulden. Da ich einige Jahre nach Ende meines Studiums den Betrag auf einen Schlag zurückgezahlt habe, wurde mir noch etwas erlassen, so dass ich insgesamt nur ca. 10.000 DM zurückzahlen musste. Alles kein Problem, da die Summe überschaubar war, noch dazu zinslos. Hätte ich nach dem Studium mit 6-stelligen Schulden rechnen müssen, dann hätte ich wahrscheinlich auf ein Studium verzichtet.
lotharbongartz 03.06.2016
2. Normalerweise
wird der Studienkredit über die Steuer abgezahlt. Dadurch muss schneller abzahlen, wer mehr verdient. An sich eine faire Regelung. Sie wurde aber von vielen Studenten dadurch umgangen, dass sie einfach das Land verließen, um hier in Neuseeland keine Steuern und damit keine Kredittilgung zahlen zu müssen. Natürlich ist das keine gute Lösung für Neuseeland.
sowasnettes 03.06.2016
3.
In der Antike sind Bürger als unwillige Schuldzahlungsverweigerer ja auch gerne mal eingesperrt oder versklavt worden. Versklavt sind wir ja nach Meinung so mancher Marxisten sowieso mehr oder weniger. Vielleicht sollte man also Schuldner und Arme tatsächlich töten. Meine Güte, dieser Sozialdarwinimus ist kaum auszuhalten. Und dass die Menschheit seit der Antike in Sachen Schulden nichts gelernt hat... Ich glaube kaum, dass die Schuldner vorsätzlich nichts zurückzahlen. Reden wir doch mal darüber, ob sich ein Studium lohnt - wenn man eben nur der 1000.001ste BWLer wird. Nein, es lohnt, rechnet und zahlt sich nicht aus. Wie wäre es mit einer Debatte über die Lügen der Meritokratie?
kinngrimm 03.06.2016
4. an Slowenien ne Scheibe abschneiden?
@Sibylle1969 falls '69 dein Jahrgang ist dann solltest du dich nochmals erkundigen was kostenlose Bildnug hier in Deutschland angeht. Ich schlepp mein Bafög seit Jahren mit mir rum weil kein Job in Sicht. Zudem hatte ich erst spät mit dem Studium angefangen und mitten drinn ist mir mein Bafög entzogen worden, was zu einer Mehrbelastungen geführt hatte und ich letzt endlich nicht mein Studium hab beenden können. Was soll einer wie ich da über die Studies denken die mitm goldenen Löffel im Arsch in Ihren BMWs vorfahren? Dabei möchte ich auch klarstellen das ich diejenigen die sich durch das Studium durchbeissen, egal welche Hindernisse Ihnen begegnen, nichts neide, diese achte und nicht gegen diese spreche. Währenddessen empfängt Slowenien ausländische Studierende wie inländische mit Kusshand ohne einen Gegenwert zu erwarten. Das führte nun dazu das sich viele gebildete und hochqualifizierte Leute in Slowenien auch dauerhaft niederlassen. Soviel zu nachhaltiger und langfristig kluger Politik.
Marellon 03.06.2016
5. Sehr gut
Sehr gut. Wer sich mit Schulden einfach verdrückt, ohne etwas zu sagen und ohne auf Fragen zu reagieren, soll eben am Wickel gepackt werden. Sehr blöde ist die Aussage der Politikerin, die daherblabbert, man solle "multinationale Unternehmen verfolgen". Tut man ja auch. Und die, die sich mit Studiengebührschulden verdrücken, sind dann eben die, die irgenwann mal Unternehmen (mit)leiten. Schulden sind zu bezahlen. Irgendwann hat man einen Wisch unterschrieben und bestätigt, sie zu begleichen. Daran soll man sich so halten, wie man von anderen verlangt, dass sie sich an Vereinbarungen halten.
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