Hochbegabter 17-Jähriger Wunderkind träumt vom Kanzleramt

Nikolaus Hildebrand, 17, hat einen IQ von 148 und ehrgeizige Karrierepläne: Nach dem Abitur und dem Bachelor-Studium peilt das Wunderkind die Elite-Uni Harvard an - oder auch das Bundeskanzleramt. Für eine seiner wenigen Niederlagen will er sich eines Tages revanchieren.

Von Ulrike Schuster

Ulrike Schuster

An seine Niederlagen erinnert sich Nikolaus Hildebrand genau: eine Drei im Kunstunterricht, eine Zwei in Französisch, zehn Punkte im Chemie-Abitur und eine Drei bei der Wirtschaftspolitikprüfung im Studium. Das ärgert ihn noch immer, sagt Nikolaus.

Sonst ist in seiner Turbo-Karriere bisher noch nicht viel schiefgelaufen. Nikolaus kommt aus Pöcking bei München. Als er neun Jahren alt war, wurde bei ihm ein Intelligenzquotient von 148 gemessen. Maximalwert. Mehr geht nicht. Mit 14 Jahren machte er als jüngster Absolvent in Bayern Abitur. Jetzt steckt er mitten im Studium.

Nikolaus ist ein Überflieger, ein hochbegabter junger Mann. Und mit 17 Jahren eigentlich noch ein Teenager. Aber er kleidet sich schon gern wie ein Erwachsener. "Ich will mich abheben - seriöser als mein Alter wirken", sagt er dazu.

Als kleines Kind las und blätterte Nikolaus durch alles, was ihm in die Finger kam: Zeitung, Geschichte, Architektur, Standardwerke der Naturwissenschaften. Erstsemesterliteratur. "Biochemie ist ziemlich einfach. Wenig Mathe, perfekt für Kinder", sagt er. Bei Wikipedia war er Stammleser, mit elf zum ersten Mal Autor.

Er wurde zu einer "einzig laufenden Sondergenehmigung"

An seiner Schulzeit fand Nikolaus exakt eine Sache toll: den ersten Tag. "Alles, was dann kam, war sehr schlimm." Mit den Klassenkameraden konnte er wenig anfangen. Also wurde er mit sechs zum Außenseiter. Und blieb es bis zum Abitur, erzählt er. "Ich habe einfach mein eigenes Ding gemacht", sagt Nikolaus.

Auch die Lehrer wussten nicht, mit ihm umzugehen, waren überfordert, erinnert er sich. "Mir wurden keine Türen geöffnet", sagt Nikolaus. Darum fasste er ein ehrgeiziges Ziel: exzellent sein, nur Top-Leistungen bringen, um möglichst schnell die Schule hinter sich zu lassen. Nikolaus weiß, dass er damit bei vielen als Streber gilt, aber er empfindet das nicht so. Er sei nicht unglücklich. Er mache das, was ihm Vergnügen macht, sagt er.

Schnell wurde er zu einer "einzig laufenden Sondergenehmigung". Er wechselte viermal die Schule, übersprang vier Stufen, rutschte dabei vom G8- ins G9-System. Ergebnis der Mühen: ein Abitur mit der Note 1,1, noch vier Jahre vor der Volljährigkeit.

Gefeiert hat er deswegen nicht. Rauchen, trinken, sich in Clubs schmuggeln, chillen - wie viele andere in seinem Alter? Interessiert Nikolaus alles nicht. Er wolle sich lieber auf seine Stärken und den Spaß an der Wissenschaft konzentrieren.

Studium, Forschung, Start-up

Nach der Schule ging Nikolaus an die LMU München zum Studieren. Hier fühlt er sich wohl. "Endlich werde ich ernst genommen und treffe Gleichgesinnte", sagt er. Ein Semester studierte er Chemie und Physik, dann landete er bei VWL. "Naturwissenschaftliche Methoden auf sozialgesellschaftliche Zusammenhänge anzuwenden - das gefällt mir", sagt Nikolaus.

Im Hörsaal ist Nikolaus nur alle zwei Wochen. "Vorlesungen sind entweder zu schnell oder zu langsam", sagt er. Er lernt lieber zu Hause - aus Büchern und "ein bisschen vom Skript". Das vierte Semester hat er gerade abgeschlossen. Als wissenschaftliche Hilfskraft arbeitet er am Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft.

Dass seine Freunde nun gleichzeitig auch Kollegen und viele Jahre älter sind, stört ihn nicht. Er will sich sowieso am liebsten über Politik, Forschung oder Wirtschaft unterhalten. Daneben mischt er noch an zwei Forschungsprojekten über das europäische Bankensystem mit.

Auch ein digitales Start-up hat er gegründet - mit 15. Zusammen mit seinem Freund Nicolai und seinem Vater, einem Informatiker. Seine kostenlose App, eine Anleitung für das Betriebssystem von Apple, wurde bereits fünfeinhalb Millionen Mal heruntergeladen. "In den USA waren wir einige Wochen unter den Top-200-Applikationen", sagt er. Nikolaus fand es spannend, sich mit diesem Projekt zu beschäftigen, der Erfolg sei ihm dabei aber gar nicht so wichtig gewesen.

Der Traum von Harvard und vom Bundeskanzleramt

Als nächstes will er per "Fast Track" promovieren - ohne Master. Das bedeutet: sieben Semester Bachelor und dann direkt in die Promotion. Nikolaus wäre der erste Volkswirtschaftler an der LMU, der diesen Weg geht.

Zusätzlich hat er sich Mathe- und Statistik-Scheine vorgenommen - empfohlen für das Promotionsprogramm an den Elite-Unis in den USA. "Harvard wäre mein Traum", sagt er. Die Voraussetzungen kennt er genau: Er braucht mindestens 790 von 800 Punkten beim "Graduate Record Examination" - eine Art Intelligenztest, man muss unter den besten zehn Prozent seines Jahrgangs sein und Empfehlungsschreiben von namhaften Professoren einreichen. 2015 soll es losgehen.

Bis er 25 ist, will Nikolaus in der Forschung bleiben. Pläne für die Zeit danach hat er nicht. Vielleicht geht er in die Finanzwirtschaft. Auf das Geld kommt es ihm aber nicht an. "Geld allein ist ohne Wert, ohne Gestaltungsmöglichkeit." Auch gut vorstellbar für ihn: Bundeskanzler werden. "In den Geschichtsbüchern zu landen, ist nicht ohne", sagt Nikolaus.

Trotz des ganzen Erfolgs gibt es eine große Niederlage, über die Nikolaus nicht so gerne spricht: die Ablehnung von der Studienstiftung des deutschen Volkes. "Ich verstehe das bis heute nicht", sagt er.

Wenn er später mal viel Geld hat, will er eine eigene Stiftung gründen - als Konkurrenzveranstaltung zu den etablierten Stipendien. Als kleine Revanche, sagt Nikolaus. Aber das meint er eher im Scherz. Sorgen muss er sich deswegen keine mehr machen. Inzwischen hat Nikolaus ein sogenanntes Deutschlandstipendium erhalten.

Warum es damals nicht geklappt hat? Sein Verdacht: Auf die Frage "Was lesen Sie im Moment?" habe er geantwortet: "Vom Winde verweht". "Wahrscheinlich zu trivial; ich hätte 'auf Englisch' hinzufügen sollen", sagt Nikolaus heute.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 399 Beiträge
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Alfalfa 17.05.2013
1. Ist ja schön für ihn...
...dass er so schlau und erfolgreich ist. Nur: Sich mit 17 damit und mit politischen Ambitionen in die Medien zu begeben, ist doch etwas gewagt. Es schreit geradezu danach, dass sich 15 Jahre später alle Welt über etwaige Misserfolge delektiert. Wenn der kluge Nikolaus neben einem astronomischen IQ über Selbstironie verfügen sollte, dann verrät dieser Artikel davon nichts. Er wird sie womöglich noch gebrauchen können.
stefan.hemmer 17.05.2013
2. Das hat uns gerade noch gefehlt
So ein selbstbezogener, karrieregeiler Superschlauer als Bundeskanzler. Ich kann's gar nicht mehr erwarten.
spargel_tarzan 17.05.2013
3. die worte, die ihm im artikel...
Zitat von sysopUlrike SchusterNikolaus Hildebrand, 17, hat einen IQ von 148 und ehrgeizige Karrierepläne: Nach dem Abitur und dem Bachelor-Studium peilt das Wunderkind die Eliteuni Harvard an - oder auch das Bundeskanzleramt. Für eine seiner wenigen Niederlagen will er sich eines Tages revanchieren. Nikolaus Hildebrand hat einen IQ von 148 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/nikolaus-hildebrand-hat-einen-iq-von-148-a-889764.html)
in den mund gelegt wurden, lassen ihn für mich unangenehm erscheinen. trotz hohem IQ klingt vieles nach unreife aber er ist ja auch erst 17.
coyote38 17.05.2013
4. Vorschlag
Ich würde empfehlen, dass das "Wunderkind" nach dem Bachelor zunächst einmal wenigstens den "Master" macht. Ansonsten braucht sich das Wunderkind nämlich gar nicht erst vorzustellen ...
jcmal 17.05.2013
5. Alles Gute Kleiner
Ich war in Harvard, danach bist du nichts besonderes. Der kampf ist genauso schwer wie sonnst auch. Ich bin jetzt 25 und habe ein wenig Forschung hinter mirundauch meine Firma. Poitik ist kein ambitioniertes Zielmit der Zeit wirst du merken das da nicht die faehigsten sitzen und das man sich da schneller ls in der Wirtschaft durchsetzt. Streng dich an aber glaube nicht du bist etwas besonderes, dann wirt du in der Realtaet schnell verlieren. Weiter hart arbeiten ist der trick.
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