Noch'n Ranking Nur eine deutsche Uni in den Top 50

Weltweite Uni-Rankings sind ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Nun hat die britische "Times" nachgeladen. Surprise, surprise: Britische Hochschulen schlagen sich wacker, Oxbridge ist super, die US-Rivalen sind noch brillanter. Shocking: Die beste deutsche Hochschule - "ein Juwel" - schaffte nur Platz 47.

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Gewinner der Verlierer: Ein Hurra auf Heidelberg
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Gewinner der Verlierer: Ein Hurra auf Heidelberg

In einer Untersuchung von "The Times Higher Education Supplement" hat Deutschland schlecht abgeschnitten. Unter den 50 besten Hochschulen der Welt ist demnach nur eine einzige deutsche: die Universität Heidelberg auf dem 47. Rang - ein "Juwel der deutschen Bildung" und "die älteste und wichtigste im Land von Luther und Einstein", wie die Zeitung schrieb.

Unter die ersten hundert Unis schafften es außerdem die TU Berlin, Göttingen sowie die beiden Münchner Universitäten. Dass Deutschland so weit hinten liegt, hält die "Times" für "eines der verblüffendsten Ergebnisse". Frankreich geht es aber auch nicht viel besser: In den Top 50 landeten lediglich die Ecole Polytechnique auf Platz 27 und die Ecole Normale Supérieure knapp dahinter auf Platz 30. Geradezu beschämend fiel die Untersuchung für die südeuropäischen Universitäten aus. Ob Spanien, Italien oder Griechenland, für die ersten 150 meldete die "Times" glatte Fehlanzeige.

Sieger sehen anders aus - zum Beispiel englisch oder amerikanisch. So konnte Großbritannien immerhin acht Plätze unter den Top 50 verbuchen, aber ganz klar dominierten die USA: Sieben von den ersten zehn Hochschulen und Harvard mit riesigem Vorsprung als Spitzenreiter, gefolgt von Berkeley und dem MIT. Die ewigen Rivalen Oxford und Cambridge platzierte die "Times" direkt hintereinander auf Platz fünf und sechs - mit einem hauchdünnen Vorsprung für Oxford.

Deutschland im Medaillenspiegel abgeschlagen

Gäbe es einen Medaillenspiegel wie bei Olympia, würde eine ganze Reihe anderer Staaten deutlich vor Deutschland landen: darunter die Schweiz (so kam die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich auf den zehnten Platz), aber auch Australien, Kanada, China, Singapur, Malaysia, Indien, Japan und Taiwan. Immerhin steht Deutschland - mit 17 Eintragungen - etwas besser da, wenn man die Liste der besten 200 Universitäten als Maßstab nimmt.

Diesmal vor dem ewigen Nebenbuhler Cambridge: Uni Oxford
DPA

Diesmal vor dem ewigen Nebenbuhler Cambridge: Uni Oxford

In ihrem Leitartikel zum Ranking räumt die "Times" selbst ein: "Der Vorwurf der Voreingenommenheit zugunsten der englischsprachige Welt ist unausweichlich", ebenso wie Kritik an der wichtigen Rolle der Zahl ausländischer Studenten und Dozenten. Das nämlich waren bei der Untersuchung gleich zwei der fünf Kriterien. Hinzu kamen die Betreuungsrelationen zwischen Hochschullehrern und Studenten sowie Daten darüber, wie häufig Veröffentlichungen von Forschern in der Fachliteratur zitiert wurden. Der wichtigste Faktor war aber eine Umfrage unter 1300 Wissenschaftlern aus 88 Ländern - sie sollten die weltweit besten Einrichtungen in ihrem Fachgebiet nennen, über die sich ein Urteil zutrauten.

Die Zahl der nationalen wie internationalen Uni-Rankings ist längst Legion; diese Woche erschien beispielsweise bereits ein Vergleich der deutschen Bundesländer, bei dem Baden-Württemberg die Goldmedaille abräumte. Im besten Fall nehmen die Verlierer solcher Ranglisten ihre Niederlage sportlich, quittieren sie aber viel häufiger mit lautstarkem Gezeter über die vermeintlich krummen Kriterien und die grundfalsche Methodik.

Die üblichen Verdächtigen stets vorn

Manchmal haben die Loser sogar recht, und auch das "Times"-Ranking ist sicher nicht über jeden Zweifel erhaben. Aber ein Bild zur Reputation international bekannter Universitäten liefert es - und zeigt zugleich, wie weit deutsche Hochschulen noch von der "Champions League" entfernt sind, in die sie das Elite-Programm der Bundesregierung katapultieren soll.

Top-Unis laut "Times"

Hochschule Punktzahl
1. Harvard 1000
2. Berkeley 880,2
3. MIT 788,9
4. Caltech 738,9
5. Oxford 731,8
6. Cambridge 725,4
7. Stanford 688,0
8. Yale 582,8
9. Princeton 557,5
10. ETH Zürich 553,7
(...)
47. Heidelberg 228,3
60. Berlin (TU) 191,1
85. Göttingen 168,5
95. München (TU) 160,7
99. München (LMU) 159,7
124. Stuttgart 141,7
125. Berlin (HU) 141,3
135. Bonn 135,0
147. Hamburg 127,3
149. Kiel 127,0
152. Karlsruhe 126,0
157. Frankfurt/Main 124,1
169. Würzburg 118,8
172. Darmstadt 116,9
178. Freiburg 113,0
184. Aachen 110,5
197. Bremen 104,4
Bei den größeren Rankings tummeln sich bestimmte Universitäten immer in der Spitzengruppe. So sieht nicht nur die "Times", sondern auch das Magazin "U.S. News & World Report" Harvard auf Platz eins seiner (nationalen) Rangliste. Als seriös und transparent gilt in der weltweiten Wissenschaftsgemeinde die Wertung der Universität Shanghai. Der Klassenprimus auch hier: Harvard.

Zu den üblichen Verdächtigen zählen in allen drei Rankings stets, mit leicht wechselnden Platzierungen, beispielsweise die amerikanischen Universitäten von Stanford, Berkeley, Yale, Princeton, die Caltech und das MIT. Und bei den europäischen Konkurrenten genießen Oxford und Cambridge einen Ruf wie Donnerhall.

Dass Heidelbööörg als deutsche Top-Uni gilt, bestätigte das Shanghai-Ranking ebenfalls - allerdings nur auf Rang 64 und damit geschlagen von der TU München (45.) und der LMU München (51.). Die erste Hundertschaft erreichten zudem Göttingen, Freiburg, die Berliner Humboldt-Universität und Bonn.



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