Trumps Travel-Ban Privatuni in Pjöngjang verliert US-Dozenten

Weil US-Wissenschaftler nicht mehr in die Diktatur reisen dürfen, fehlen der einzigen Privatuni Nordkoreas die Dozenten. Nun sucht die Kaderschmiede anderswo Ersatz.

Computerarbeitsplätze an der University of Science and Technology in Pjöngjang (Archivbild)
AP/dpa

Computerarbeitsplätze an der University of Science and Technology in Pjöngjang (Archivbild)


Mehr als 500 handverlesene Studenten, unterrichtet an einer Privatuniversität von vielen evangelikalen Amerikanern: Eine solche Hochschule würde man am ehesten in den USA erwarten. Doch die University of Science and Technology steht in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang - als einzige private und extern finanzierte Hochschule in dem stalinistischen Land.

Doch während im Dozentenkollegium normalerweise 60 bis 80 Gastprofessoren, davon die Hälfte aus den USA, aktiv sind, startete das Herbstsemester am Montag mit personellen Schwierigkeiten. Das berichtet die "New York Times". Mehrere Dutzend US-Dozenten waren nicht gekommen.

Denn die Wissenschaftler dürfen nicht mehr nach Nordkorea reisen: Ein im Juli von Donald Trump verhängtes Verbot für US-Bürger trat am vergangenen Freitag in Kraft. Das Reiseverbot war die Reaktion auf den Tod des amerikanischen Studenten Otto Warmbier, der zunächst in Nordkorea verhaftet worden war und Monate später - im Koma liegend - in die USA überführt wurde.

Suche nach freiwilligen Ersatzdozenten

Die Gastdozenten aus den USA hatten keine Ausnahmegenehmigung für den Unterricht in Pjöngjang bekommen, heißt es in dem Bericht. Das Herbstsemester werde "wie geplant" starten, teilte die Hochschule dagegen in einer Erklärung mit: "Die Kurse werden den verfügbaren Ressourcen angepasst."

Die Privatuni suche allerdings derzeit "aktiv nach zusätzlichen Dozenten, die bereit sind, nach Pjöngjang zu kommen", um so die Zahl der angebotenen Seminare zu erhöhen. Für mindestens zwölf naturwissenschaftliche Fächer sind derzeit Professuren vakant, außerdem werden Englischlehrer gesucht - "freiwillig und unbezahlt", wie die Uni betont.

Angesichts des Streits um das Atomprogramm Nordkoreas und der zunehmenden Spannungen in dem Konflikt mit den USA dürfte es allerdings schwer werden, Lehrbeauftragte für den Einsatz in Pjöngjang zu gewinnen. In ihrer Suchanzeige ignoriert die Universität die aktuelle Krise: Bevorzugt würden Kandidaten, "die langfristig denken und bereit sind, einige Jahre zu bleiben".

Kompromisse mit dem Regime

Der evangelikale Christ aus den USA, James Chin-Kyung Kim, der ursprünglich aus Südkorea stammt, hatte die Privatuni vor sieben Jahren gegründet. Sein Ziel: Nordkoreas zukünftiger Elite auf Englisch die Fähigkeiten zu vermitteln, um die Wirtschaft des isolierten Landes zu reformieren.

Die Universität ging Kompromisse mit dem Regime ein, um in dem Land überhaupt eröffnen zu können: Besucher berichten von Propagandabannern auf dem Dach der Hochschule, in den Unterrichtsräumen hängen Bilder der Diktatoren des Landes. Studenten sind angeblich dazu angehalten, kritische Äußerungen ihrer Dozenten zu melden.

Tatsächlich waren im Frühjahr zwei Gastdozenten aus den USA verhaftet worden. Der Vorwurf: staatsfeindliche Betätigung. Das habe aber nichts mit der Lehrtätigkeit zu tun gehabt, betonte die Hochschulleitung damals - eine Aussage, die nicht überprüft werden kann.

him/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.