Hochschulseminare NRW will Anwesenheitspflicht wieder zulassen

Soll die Uni kontrollieren, ob Studenten an Seminaren teilnehmen oder nicht? In NRW gab es drei Jahre lang keine Präsenzpflicht - nun will die Wissenschaftsministerin das "starre Verbot von Anwesenheitspflichten" abschaffen.

Uni Köln
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Die Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), kündigte knapp drei Monate nach ihrem Amtsantritt an, das Hochschulgesetz ihres Landes zu erneuern. Sie wolle den Wissenschaftsstandort NRW weiterentwickeln - "nicht aber gegen die Hochschulen oder über die Hochschulen hinweg".

Pfeiffer-Poensgen will etwa "das starre Verbot von Anwesenheitspflichten im klassischen Seminar abschaffen", wie sie in einer Rede am Mittwoch betonte. Hochschulen könnten "auch ohne solche Bevormundungen verantwortlich mit ihrer Freiheit umgehen" und könnten vor Ort selbst am besten entscheiden, was förderlich für sie sei. Damit sollen Unis wieder verlangen können, dass Studenten ihre Anwesenheit nachweisen, etwa in Unterschriftenlisten.

Die rot-grüne Landesregierung hatte das Hochschulgesetz vor drei Jahren geändert, seitdem durften Dozenten nur noch bei Exkursionen, Sprachkursen oder praktischen Übungen darauf bestehen, dass die Studenten erscheinen. Damals lieferten sich Professoren bereits einen Kampf um die Anwesenheitspflicht, denn der Schritt zu mehr Freiheit gefiel nicht allen.

Asta kritisiert Pläne

Die Wissenschaftler sahen durch die Regelung vor allem ihre Arbeit entwertet. Einige wollten daher an der Anwesenheitspflicht festhalten. Das Vorhaben der Wissenschaftsministerin der schwarz-gelben Landesregierung dürfte ihnen nun also entgegenkommen.

Unter Studierendenvertretungen kommt der Vorstoß hingegen nicht gut an. Sie hätten stets für eine Abschaffung der Anwesenheitspflicht plädiert, teilte der Asta der Universität Duisburg-Essen mit. Der Vorsitzende Marcus Lamprecht forderte ein "freies und selbstbestimmtes Studium für alle Studierenden". Die verpflichtende Präsenz sei besonders für Studierende schwierig, die Kinder hätten, arbeiten müssten oder sich politisch und sozial engagierten.

Die Präsenzpflicht ist an deutschen Hochschulen unterschiedlich geregelt. Einige Bundesländer, wie etwa Schleswig-Holstein, haben sie größtenteils abgeschafft. Andere, wie Baden-Württemberg und Berlin, überlassen es den Hochschulen, ob sie die Anwesenheit kontrollieren.

In Thüringen gab es Anfang des Jahres an der Uni Erfurt Streitigkeiten über die Präsenzpflicht. Zwei Jahre lang lief der Unibetrieb dort ohne Anwesenheitspflicht. Dann entschied sich die Uni dafür, eine Präsenzpflicht für Exkursionen, Praktika, künstlerischen Einzel- und Gruppenunterricht sowie praktische Übungen einzuführen.

kha/sun

insgesamt 34 Beiträge
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Angelheart 28.09.2017
1. Alles wie gehabt :
Sobald Schwarz-Gelb loslegt befindet man sich ruck-zuck in längst überwunden geglaubter Adenauer-Piefigkeit! Man kann gespannt sein, was denen noch einfällt!
alternativloser_user 28.09.2017
2.
Zitat von AngelheartSobald Schwarz-Gelb loslegt befindet man sich ruck-zuck in längst überwunden geglaubter Adenauer-Piefigkeit! Man kann gespannt sein, was denen noch einfällt!
Ich wüsste da was ! Studiengebühren um den ganzen Faulenzern so richtig Druck zu machen, damit die ihr Studium ja möglichst schnell abschließen ! Zusammen mit dem Professor der überprüft ob man auch wirklich anwesend war ist das das Mittel der Wahl um die ganzen Bummelstudenten loszuwerden, die nebenbei arbeiten müssen. Denn wie alle Konservativen wissen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser !
isi-dor 28.09.2017
3.
Ich bin generell für Präsenzpflicht. Wer studiert, erhält vom Steuerzahler eine Ausbildung hat die entsprechend zu absolvieren. Er kann sonst auch eine Lehre machen. Ich bin übrigens auch für eine strenge Präsenzpflicht von Abgeordneten bei Plenarsitzungen und die Abschaffung von Sitzungsgeld. Man kann zusätzlich zum Gehalt nicht noch verlangen, dass man für die ordentliche Ausführung seines Berufs auch noch extra Geld bekommt.
jjcamera 28.09.2017
4. Folge des kostenlosen Studiums
Zitat von AngelheartSobald Schwarz-Gelb loslegt befindet man sich ruck-zuck in längst überwunden geglaubter Adenauer-Piefigkeit! Man kann gespannt sein, was denen noch einfällt!
Für Schein-Studenten, die anderen den Platz wegnehmen und nicht am Unterricht teilnehmen, brechen schwere Zeiten an.
Rolly 28.09.2017
5. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht...
... in der guten alten Zeit (TM) gab es in meinem Mathestudium: - Vorlesungen: Da fand Stoffvermittlung statt. Wie und wo man sich den Stoff aneignet liegt in Verantwortung des Studierenden, das gehört nun mal zur akademischen Freiheit. - Übungen: dort wurde der Stoff anhand von Beispielen vertieft. Anwesenheit ähnlich wie bei Vorlesungen. Allerdings mussten zur Erlangung eines Semesterscheins im Vordiplom eine hinreichende Anzahl von Übungsblättern richtig bearbeitet warden. Ohne Übungsschein keine Zulassung zur Prüfung. - (Pro-) Seminare. Zur eigenständigen Erarbeitung und Präsentation eines Themas. Man mußte nicht nur zum eigenen Vortrag anwesend sein, sondern auch zu denen der anderen Kommolitonen. Meine persönliche Meinung: Das gehört sich auch so und es entstanden auch meist rege Diskussionen. - Das bei Exkursionen und Praktia Anwesenheitspflicht herrscht ist doch wohl selbstverständlich, das sind schließlich bereits akademische Leistungen genau wie Prüfungen.
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