NS-Vergangenheit Kieler Uni gibt fragwürdiges Erbe zurück

Die Hochschule lehnt ihr Geld ab, das neue Gästehaus soll auch nicht ihren Namen tragen. Die Kieler Universität hat beschlossen, die Erbschaft einer Stifterin wegen ihrer Biografie während der Nazi-Zeit zurückzugeben.


Doch kein Interesse an einer Viertelmillion Euro: Wegen der fragwürdigen Rolle der Stifterin Waltraud Hunke während der NS-Zeit will die Christian-Albrechts-Universität die Erbschaft zurückgeben. Außerdem soll das internationale Gästehaus der Hochschule, das gerade gebaut wird, nicht den Namen der verstorbenen Kieler Universitäts-Buchhändlerin tragen. Dies habe das Rektorat beschlossen, teilte die Uni mit.

Bereits Anfang Dezember sagte die Hochschule das Richtfest des "Hunke-Hauses" kurzfristig ab, weil "Zweifel an der Persönlichkeit der potentiellen Namensgeberin" aufgekommen waren, wie das Rektorat damals mitteilte. Über die Stifterin war die Uni offenbar viele Jahre lang ausgesprochen schlecht informiert.

Zwar liegen nach Angaben der Uni "keinerlei Hinweise darauf vor, dass sie irgendjemandem persönlich geschadet hat". Bekannt sei jedoch, dass sie seit 1937 Mitglied der NSDAP und außerdem ab 1941 als wissenschaftliche Mitarbeiterin der "Forschungsstätte für Germanenkunde" im "Ahnenerbe" tätig war, einer der SS angeschlossenen Institution. Ab 1941 sei Hunke an der Reichsuniversität Straßburg tätig gewesen.

Hunke, die vor wenigen Jahren verstarb, hatte der Uni in ihrem Testament ihr Haus samt Grundstück vermacht. Die Uni hatte die Immobilie für rund 250.000 Euro verkauft.

Nach Angaben der Hochschule soll der Bau des derzeit für rund 2,5 Millionen Euro entstehenden Gästehauses mit 18 Appartements für ausländische Wissenschaftler am Kieler Hindenburgufer trotzdem unverändert weiter gehen. Uni-Rektor Thomas Bauer kündigte an, das Rektorat werde sich zukünftig verstärkt der eigenen NS-Vergangenheit annehmen.

kat/ddp

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