Nähe zum NSU Bayreuth schließt Burschenschaft vom Volkstrauertag aus

Trauer um Kriegsopfer an der Seite von ultrarechten Studenten? Nicht in Bayreuth. Die Stadt lädt die Burschenschaft Thessalia nicht zu ihrer Gedenkfeier zum Volkstrauertag ein.

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Andreas Harbach

Die Stadt Bayreuth will die rechte Burschenschaft Thessalia nicht bei ihrer Gedenkfeier zum Volkstrauertag dabei haben. Die Stadt will zu der Zeremonie bestimmte Organisationen einladen, Kränze an einem Kriegerdenkmal niederzulegen, darunter auch einige gemäßigte Studentenverbindungen. Aber die Thessalia eben nicht.

Die Grünen im Stadtrat hatten einen direkten Ausschluss der Thessalen bei der Zeremonie gefordert. "Die Beteiligung einer Vereinigung, die Rassismus nicht entschieden bekämpft, widerspricht dem Geist der Veranstaltung und beleidigt die Opfer", schrieb ihr stellvertretender Fraktionsvorsitzende Stefan Schlags in seinem Antrag. In den vergangenen Jahren hatte es keine Einladungen gegeben, die Thessalia hatte an der Zeremonie deswegen teilnehmen können.

Die Thessalia zu Prag in Bayreuth geriet zuletzt in die Schlagzeilen, weil ein enger Verbündeter des rechtsterroristischen NSU jahrelang im Haus der Verbindung wohnte.Zur gleichen Zeit war Mario B. Führungsmitglied des rechtsextremen Thüringer Heimatschutzes und soll auf einer Reise nach Südafrika mit einem Gesinnungsgenossen nach dessen Angaben einen Unterschlupf für das NSU-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gesucht haben.

Unerwünscht ist die Thessalia häufiger

Mit der jetzigen Lösung für den Ausschluss ist Schlags aber zufrieden: "Die Verwaltung hat uns zugesagt, den Beschluss auch durchzusetzen." Um das Denkmal werde eine Kordel gelegt, ein Trupp von Kappenträgern mit Fahne solle gar nicht erst durchkommen.

Ob die Burschen der Veranstaltung am 16. November tatsächlich fernbleiben, ist aber nicht sicher. Bei einem Informationsabend vergangene Woche, bei dem sich studentische Gruppen zum Semesterstart vorstellen konnten, bauten auch die Thessalen ihren Stand auf - obwohl das Studierendenparlament vorher versucht hatte, ihre Teilnahme zu verhindern.

Dass so etwas auf der städtischen Gedenkfeier auch passieren könnte, fürchtet Grünen-Politiker Schlags aber nicht: "Die Sicherheitskräfte müssen vorher vielleicht noch ein bisschen Farbenlehre üben."

ade

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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joey55 21.10.2014
1.
Jetzt haftet ein Vermieter schon für die Gesinnung seiner Mieter?
hotgorn 21.10.2014
2. &joey55
#1 Der Vermieter hat aber die gleiche Gesinnung wie der mieter
osnase92 22.10.2014
3.
Die vermaledeiten Burschenschaften machen den Ruf jeder anderen Verbindungsart kaputt! Da können Corps und co noch soviel Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Btw: Sendung ansehen: 7 Tage in der Studentenverbindung!
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