NC-Check Wo es Studienplätze auch ohne Spitzenabi gibt

Knapp die Hälfte aller Studiengänge in Deutschland ist zulassungsbeschränkt. Kann man auch mit einem schlechten Abi BWL oder Jura studieren? Ja, aber für den Wunschstudiengang müssen künftige Studenten lange suchen.

Studenten in Baden-Württemberg (Symbolbild)
DPA

Studenten in Baden-Württemberg (Symbolbild)


Tausende Schüler haben in diesem Jahr die Abiturprüfungen bestanden und dürfen somit an einer deutschen Hochschule studieren. Ein Studienplatz ist ihnen sicher - allerdings nicht in jedem Fach und nicht unbedingt an ihrer Wunsch-Uni. Knapp die Hälfte der Studiengänge ist zulassungsbeschränkt, zeigt der aktuelle Numerus-Clausus-Check, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wird und dem SPIEGEL vorab vorliegt.

42,4 Prozent der Studiengänge in Deutschland sind mit einem Numerus Clausus (NC) belegt, heißt es in der Studie des CHE Centrums für Hochschulentwicklung. Das bedeutet: Für diese Fächer gibt es an einer Hochschule weniger Studienplätze als Bewerber. Es muss eine Auswahl getroffen werden, und die richtet sich vor allem nach den Abi-Durchschnittsnoten der aktuellen Bewerber.

Absolventen mit den besten Zensuren werden demnach zuerst berücksichtigt, die anderen gehen leer aus - zumindest an dieser Hochschule. Denn ob Studiengänge überhaupt zulassungsbeschränkt sind, wie viele und welche betroffen sind, ist von Bundesland zu Bundesland und Stadt zu Stadt völlig verschieden, zeigt der NC-Check.

Die Ergebnisse nach Bundesländern:

Die höchsten Hürden gibt es im bundesweiten Vergleich in Hamburg. Hier ist der Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge mit 75,5 Prozent im Wintersemester 2017/18 am größten. Im Saarland sowie in Bremen und Berlin ist die Quote mit rund 60 Prozent ebenfalls vergleichsweise hoch.

Wer dagegen in Mecklenburg-Vorpommern studieren will, hat auch mit schlechten Abi-Noten fast die freie Auswahl, was das Studienfach betrifft: Hier kommt es nur in rund 20 Prozent der Studiengänge auf Zensuren an. Für alle übrigen Fächer können sich Bewerber direkt einschreiben. Sie sind zulassungsfrei. Auch in Rheinland-Pfalz und Thüringen sind die NC-Quoten vergleichsweise niedrig.



Allerdings unterscheiden sich die NC-Quoten auch innerhalb eines Bundeslandes zum Teil erheblich. Beispiel Nordrhein-Westfalen: In Köln sind rund zwei Drittel der Studiengänge zulassungsbeschränkt, in Dortmund ist es nur rund ein Viertel.

Und während die Quote der zulassungsbeschränkten Studiengänge bundesweit in den vergangenen Jahren recht konstant geblieben ist, gibt es bei einzelnen Städten deutliche Schwankungen. In Berlin beispielsweise stieg der Anteil der NC-Fächer von 55,3 Prozent im Wintersemester 2015/16 auf jetzt 62,4 Prozent.

NC-Quote für ausgewählte Hochschulorte zum WS 2017/18 (in%)

Ort Studierenden-Anzahl NC-Quote Bachelor Master
Berlin 176.326 58,5 53,3 62,1
München 117.971 49,3 40,2 61,8
Köln 98.504 65,7 69,1 61,9
Hamburg 91.194 68,7 69,3 67,5
Frankfurt/M. 63.747 53,9 49,2 43,7
Bochum 56.908 53,9 60,5 46,9
Münster 56.719 45,0 52,7 39,4
Stuttgart 55.599 33,7 37,0 31,7
Aachen 54.589 33,6 54,1 15,2
Dortmund 51.037 25,4 39,2 12,2
Düsseldorf 48.982 31,7 39,7 20,6
Darmstadt 46.823 28,6 51,3 9,2
Hannover 45.243 75,5 59,4 91,5
Karlsruhe 44.828 60,9 67,5 46,7
Dresden 44.162 38,8 44,0 36,3
Gießen 37.855 21,9 16,1 6,5
Mainz 37.821 31,5 36,7 26,0
Heidelberg 37.600 37,2 41,9 37,6
Leipzig 37.257 43,3 40,7 38,5
Bonn 37.119 46,9 59,3 35,1
Bielefeld 37.043 29,4 35,7 21,9
Würzburg 34.687 26,7 20,6 29,4
Göttingen 34.573 47,0 43,7 49,2
Kiel 33.411 28,2 49,1 9,4
Bremen 33.103 60,2 59,9 59,7
Freiburg i.Br. 32.943 42,6 50,9 30,7
Mannheim 32.684 59,1 62,8 53,8
Regensburg 31.411 26,1 37,1 12,0
Saarbrücken 30.838 60,6 48,7 58,7

Quelle: Centrum für Hochschulentwicklung, Stand: Juli 2017 (Anmerkung: Die Ergebnisse sind für die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen nicht ganz deckungsgleich mit den übrigen Tabellen, u.a. weil Nebenfach-Studiengänge anders berücksichtigt werden.)

Es kommt auch auf das Studienfach an:

Wie groß die Chancen auf einen Studienplatz sind, hängt nicht nur vom Ort ab, sondern auch stark vom Fach. Hier gibt es gewaltige Unterschiede.

  • Wer sich für Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften interessiert, ist statistisch betrachtet dringender auf gute Abi-Zensuren angewiesen, als andere. Denn hier sind 53 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt.
  • In Sprach- und Kulturwissenschaften dagegen ist es deutlich leichter, an einen Studienplatz zu kommen. Hier liegt die NC-Quote bei rund 30 Prozent.

Auch dies sind jedoch nur Durchschnittswerte, die letztlich wenig über konkrete Chancen an bestimmten Standorten aussagen. Von Bundesland zu Bundesland und Stadt zu Stadt gibt es riesige Unterschiede.

  • Beispiel Sprach- und Kulturwissenschaften: In Hamburg sind rund 90 Prozent dieser Studiengänge mit einem NC belegt. In Rheinland-Pfalz dagegen liegt die Quote nur bei rund 15 Prozent.
  • Oder Ingenieurwissenschaften: An den Fachhochschulen in Saarbrücken sind diese Studiengänge allesamt zulassungsbeschränkt - in Mecklenburg-Vorpommern dagegen kein einziger.

Auch abhängig vom angestrebten Abschluss sind die Unterschiede bei den NC-Quoten. Bei Bachelorstudiengängen liegt sie im Schnitt höher als bei Masterstudiengängen. Aber auch das ist von Bundesland zu Bundesland wieder verschieden.





Studiengänge ohne NC - Suchen und Finden

Angesichts der starken Unterschiede bei den Zulassungsbeschränkungen rät Cort-Dennis Hachmeister, der Autor der CHE-Studie, allen, die sich für ein Studium interessieren: "Wer in seinem Wunsch-Studiengang an seiner Wunsch-Hochschule an Zulassungsbeschränkungen zu scheitern droht, soll auch andere Bundesländer oder Städte oder fachlich verwandte Studiengänge in Betracht ziehen." Auch andere Hochschultypen könnten Alternativen bieten.

Außer den wenigen bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie und Psychologie gebe es eigentlich immer auch Studiengänge ohne NC, sagt Hachmeister. "Man muss sie nur suchen und finden." Immerhin ist mehr als die Hälfte der Studiengänge in Deutschland zulassungsfrei.

fok



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
napoleonwilson 06.07.2017
1. Nc
Ob es wirklich Sinn macht, Jura mit einem mittelmässigen Abi zu studieren ? MIttelmässige Juristen braucht niemand. Richterlaufbahn ist nicht, Wirtschaft ist nicht , Kanzleianstellung ist auch nicht.... Da bleibt nur eine eigene Kanzlei ohne Mandanten.
elvezia 06.07.2017
2. Allein der Titel ist so köstlich und passt so
perfekt in unsere Zeit. Wo gibt es was ohne viel Leistung . Eine Anleitung. "7 Tipps wie ich mich durch die Aufnahmeprüfung schummle" "10 richtige Antworten auf kritische Fragen" In Insiderkreisen ist es sturzbekannt (zu deutsch: es pfeifen es die Spatzen von den Dächern) dass die Staatsexamen in Humanmedizin in Palermo weltweit die "softesten" sind. Italien ist uns eben etwas voraus. Aber die Deutschen versuchen aufzuholen: "7 Unis wo es auch Studienplätze auch für Versager gibt." Danach ein halbes Erasmus-Jahr in Palermo und 3000 Euro richtig disponiert und du darfst in Europa als Kardiologe oder in Plastischer- und Wiederherstellender Chirurgie wirken. Wobei die "plastische " anzustreben ist (Kim Kardashians Arschimplantate gegen eine Hasenscharte? Der Unterschied sind mehrere Hunderttausende Euros ) , weil die anderen harte Nerven braucht. p.s. Palermo: Es werden auch Nullen die die erste Prüfung versemmeln erneut zugelassen.(der zu disponierende Betrag erhöht sich auf 5000) modern times ... .
elvezia 06.07.2017
3. Beweise nachliefern
Sorry da habe ich doch eben vergessen unterlassen Beweise zu liefern. Hier zum nachlesen für alle die italienisch können und das sind ja ziemlich alle hier. Gelle ihr Erasmus -Auslandsstudentenjahrabsolvierer hier seis nachgeliefert: http://roma.repubblica.it/cronaca/2011/02/17/news/medicina_la_mussolini_bocciata_all_esame_di_abilitazione-12583031/?refresh_ce
erst nachdenken 06.07.2017
4.
Ein NC kann auch bei 3,7 liegen - dann ist der Studiengang zulassungsbeschränkt. Was soll diese Statistik jetzt aussagen?
citizen2011 06.07.2017
5. Leistung, von der Wiege bis zur Bahre
12- 13 Jahre Schule, für zig Prüfungen pauken, sich durch den Bachelor und Master- Wust quälen, zig Bewerbungen schreiben, meist und oft lange prekäre bis maximal mäßig bezahlten Tätigkeiten ausfüllen, von schnellem sozialen Abstieg bedroht sein, wenig Erfüllung und Freude im Beruf, immer unter Druck. DAS ist die Realität und Perspektive für die meisten Abiturienten. Und nicht nur die. Der ganze Aufwand und Kraftakt lohnt sich für die Wenigsten. Und das geht schon seit Jahrzehnten so. Habe selbst studiert, finanziell wenig davon, aber wenigstens noch zu einer Zeit die Uni erlebt, wo das Studium noch nicht jede Minute durchorganisiert hat (zumindest in meinem Fall). Heute sehe ich zu, bescheiden zu leben, so wenig wie möglich zu arbeiten. Ganz einfach weil es sich nicht lohnt (und nie wirklich sich gelohnt hat). Heute würde ich stark dazu tendieren zuerst eine Ausbildung zu machen. Und davor - in Praktika- lange ausprobieren WO und WAS Befriedigung verschaffen kann. Aber ich gebe zu: als junger Mensch hat man nach fast anderthalb Jahrzehnten Schule oft keine Lust sich in die Ausbildungskonzept einer dualen Berufsausbildung zu pressen. Man glaubt die Uni/Fachhochschule biete mehr Verwirklichungsmöglichkeiten und Freiheiten. Davon ist aber kaum etwas übrig geblieben. Selig sind die, die in den 70ern studiert haben und danach noch einen guten Job bekommen haben (freilich, da hat sich für so machen auch einiges zum Schlechten gewandelt) . Zu einem großen Teil ist "Lebensglück" eben davon abhängig, in welcher Zeit man geboren ist. Und natürlich auch wo.
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