Online-Stipendium Kein Bargeld, aber viel Vitamin B

Ein ungewöhnliches Unternehmen feiert Geburtstag: Seit einem Jahr verkuppelt e-fellows.net große Firmen mit deutschen Top-Studenten. Das Bindeglied ist Europas erstes Online-Stipendium - 5800 Studenten haben es bereits ergattert.

Von Carsten Heckmann


Die Bewerbung selbst ist nicht schwer: Internetseite aufrufen, sich registrieren, online den Lebenslauf eingeben, fertig. Einige Wochen später hat man vielleicht ein Stipendium in der Tasche und darf sich, zunächst für ein Jahr, "e-fellow" nennen. Doch nur wer sehr gute Noten, perfekte Fremdsprachkenntnisse, Auslandserfahrung und außeruniversitäres Engagement vorweisen kann, hat reelle Chancen.

Hohe Hürden - aber anders als bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes und ähnlichen Begabtenförderungswerken winkt bei e-fellows.net nicht einmal Bargeld. "Das Wort Stipendium sollte man wohl in Anführungszeichen setzen", meint Florian Ströbel, der in Mannheim integrierte Mathematik und Informatik studiert.

Der 21-Jährige ist trotzdem froh, seit drei Monaten ein e-fellow zu sein. Die Vorteile: Er kann 24 Stunden täglich gratis im Web surfen, hat freien Zugang zu über 400 sonst kostenpflichtigen Datenbanken. Und obendrein bekommt er exklusive Angebote für Praktika, Events und Jobs. Kürzlich war Ströbel bei Siemens in München, auf persönliche Einladung, im kleinen Kreis, in interessanten Labors. Da stellte sich der wahre Wert des Stipendiums heraus: "Über e-fellows kann man Kontakte knüpfen."

Karrierenetzwerk mit derzeit 13 Unternehmen

Genau das ist der Hauptzweck des Unternehmens. "Wir bilden ein Karrierenetzwerk", sagt Geschäftsführer Michael Hies. Auf der Stipendiaten-Seite sollen sich langfristig die besten zwei Prozent der Studierenden tummeln. Auf Firmenseite stehen ihnen zunächst die drei Gesellschafter von e-fellows gegenüber: die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die Unternehmensberatung McKinsey sowie die Deutsche Telekom. Hinzu kommen Partner von der Deutschen Bank bis zu Siemens. 10 Partner sind es zurzeit, 30 sollen es bis 2004 werden.

"Über e-fellows wollen wir besser und schneller mit den High Potentials zusammenkommen", erklärt Claudia Maassen vom Personalmarketing der Firma Henkel. Das lässt Henkel sich einiges kosten: 400.000 Mark zahlt der Konzern im ersten Jahr als Beitrag an e-fellows; bleibt er dabei, werden es im zweiten Jahr 500.000 Mark. Hinzu kommen Ausgaben für die Aktionen, die eigens für e-fellows-Studenten veranstaltet werden. "Die Investition war schon sehr hoch und hat sich bisher noch nicht in der erwünschten Form rentiert", sagt Maassen, fügt aber eilig hinzu: "Natürlich ist e-fellows noch jung und wir sind guter Hoffnung."

Glaubt man Geschäftsführer Hies, sind die meisten Partner längst hoch zufrieden mit der Ausbeute, ebenso wie vier Fünftel der Stipendiaten. Dass die Firmen investieren müssen, sei logisch. "Aber ohne uns müssten sie noch viel mehr tun." Zudem sei e-fellows eben ein Unternehmen und solle daher langfristig Gewinne abwerfen, auch wenn das nicht das Hauptziel sei.

Exklusiver Zugriff auf Top-Studenten?

Das betont auch René Pankoke, Projektleiter für Klientenprojekte beim Gesellschafter McKinsey: "Es darf kein dauerhaftes Zuschussgeschäft sein." Schon deshalb ist Wachstum angesagt. "Und schließlich ist eine Karriereplattform für die Studenten umso interessanter, je mehr Unternehmen dabei sind", meint Michael Hies.

Gleichwohl machen sich schon einige Firmen Gedanken, ob das Projekt auf Dauer nicht verwässert wird. Dahinter steht das Ziel, möglichst exklusiven Zugriff auf die Top-Studenten zu haben. Indes sollen die künftigen e-fellows-Unternehmen ohnehin so ausgewählt werden, dass die Partner verschiedene Sparten abdecken, sich also nicht um Stipendiaten balgen.

Der Aufwand nährt außerdem den Verdacht, dass das ein oder andere Unternehmen direkten Einfluss auf die Stipendiatenauswahl nehmen möchte. Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker sind schließlich besonders begehrt. Und tatsächlich ist nur jeder zehnte e-fellow ein Geisteswissenschaftler.

Doch das dreiköpfige Auswahlteam sei unbestechlich, versichert Michael Hies. Wirtschaftswissenschaftler seien eben karriereorientierter: "Die finden uns schneller, bewerben sich schneller und legen oft die besseren Bewerbungen vor." In den Geisteswissenschaften seien Frauen zudem stärker vertreten. "Die sind selbstkritischer und bewerben sich oft gar nicht erst", sagt Hies.



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