Oxford Studenten müssen Kurs in nichteuropäischer Geschichte belegen

Der Nahe Osten, die Karibik oder Asien: Wer in Oxford Geschichte studiert, muss sich künftig auch mit Ländern außerhalb Europas befassen. Studenten hatten der Uni zuletzt verstärkt vorgeworfen, ein koloniales Weltbild zu pflegen.

Statue von Cecil Rhodes am Oriel College in Oxford
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Statue von Cecil Rhodes am Oriel College in Oxford


Die Oxford University will ihren Geschichtsstudenten künftig auch Themen verpflichtend näherbringen, die nicht in Großbritannien oder Europa spielen. Ab Herbst müssen Bachelor-Studenten an der renommierten Hochschule mindestens einen Kurs zu nicht-europäischer Geschichte belegen. Das berichteten mehrere britische Medien.

Die Hochschule sah sich in den vergangenen Monaten wieder verstärkt mit dem Vorwurf konfrontiert, auf einer einseitig kolonialen und westlichen Weltsicht zu beharren. Studenten hatten zum einen gegen eine Statue des weißen Kolonialisten Cecil Rhodes protestiert, die am Oriel College in Oxford steht.

Die Kampagne #RhodesMustFall war in Südafrika gestartet, wo die Universität Kapstadt eine Statue von Rhodes vor zwei Jahren entfernt hatte. Gegner sahen darin ein Symbol der Unterdrückung der schwarzen Mehrheit.

Das Oriel College hingegen weigert sich, die Büste abzunehmen. Man wolle sie stattdessen in ihren "historischen Kontext" einbetten, teilte das College mit. Die Statue sei "eine wichtige Erinnerung an die Komplexität der Vergangenheit". Der 1853 geborene Geschäftsmann Cecil John Rhodes war führend an der Ausbeutung afrikanischer Bodenschätze beteiligt.

Mit einer zweiten Kampagne unter dem Motto "Why Is My Curriculum White?" hatten Studenten an zahlreichen britischen Unis dagegen protestiert, dass Kursinhalte und Literaturlisten weiterhin von weißen Forschern und Autoren dominiert würden.

Die neuen Vorgaben für Geschichtsstudenten in Oxford wirken vor diesem Hintergrund wie ein Zugeständnis. Die Universität wehrt sich jedoch gegen eine solche Deutung. "Dies war keine Reaktion auf irgendeine Art von Kampagne oder Druck", sagte ein Sprecher gegenüber der Studentenzeitung "OxStu".

"Nach mehreren Jahren der Diskussion und Beratung untereinander und mit Studenten haben wir beschlossen, mehrere Änderungen am Lehrplan vorzunehmen", heißt es in einer Mitteilung des History Department, aus der die Zeitung "Independent" zitiert.

Dazu gehöre die Erfordernis, dass Studenten künftig einen Kurs in nichteuropäischer Geschichte belegen, neben zwei Kursen in britischer und zwei Kursen in europäischer Geschichte. Damit werde lediglich formalisiert, was viele Studenten ohnehin schon praktizierten.

lov



insgesamt 26 Beiträge
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Tiananmen 29.05.2017
1. Wunderbar
Das kann dem Geschichtsstudium nur gut tun. Und es verbreitert vielleicht die beruflichen Aussichten der Absolventen. Vielleicht wäre je nach Spezialisierung ein Praxiskurs in z.b. Bautechnis, Metallurgie, Landwirtschaft keine schlechte Idee. Historiker klassischer Ausprägung neigen sehr oft zum Episodischen.
pelayo1 29.05.2017
2.
Seit wann bestimmen die Studenten den Lehrplan der Uni? Wozu studieren sie eigentlich, wenn sie eh schon alles besser wissen als die Dozenten?
Europa! 29.05.2017
3. Immer dieselben Feindbilder
Das Studium der Geisteswissenschaften beschäftigt sich auf allen Ebenen mit Machtfragen und bereitet prinzipiell auf die unendlichen, sinnlosen Machtkämpfe in der Politik, der Presse und im Kulturbetrieb vor. Mit der zwangsweisen Beschäftigung mit der außereuropäischen Geschichte, soll den Studenten die eigene, britisch-europäische Perspektive genommen werden. Zum Erkenntnisgewinn trägt das wenig bei, zur Zerstörung der Selbstwahrnehmung sehr viel. Der Begriff der "Mehrheit" hat an der Universität schlechterdings nichts zu suchen. Die Wahrheit lässt sich nun mal durch Abstimmungen nicht ermitteln. Aber so lange sich die Studenten mit chinesischer Geschichte - der ältesten wie der neuesten Zeit - beschäftigen, kann es vielleicht gar nicht schaden. Vielleicht begreifen ja einige intelligente junge Menschen, was so eine "Kulturrevolution" anrichten kann.
markrenton 29.05.2017
4. Prinzipiell eine interessante Idee...
.... aber die Ursache ist äußerst bedenklich. Wie schon an vielen Universitäten in der USA findet man nun auch vermehrt an europäischen und auch an deutschen Universitäten den von SJWs getriebenen Unsinn der Geschichtsverleugnung statt. Das Rhodes eine zweifelhafte Personalie (So wurde er auch schon zu Lebzeiten kritisiert) war steht außer Frage, aber der geschichtliche Kontext muss gewahrt werden. Wenn die Person zum Erbe der Uni gehört - dann sollte er bleiben, aber die Geschichte, um ihn herum aufgearbeitet werden. Es hilft nichts - im Gegenteil es schadet viel mehr, wenn man alles Entfernt, was einen stört oder eventuell die Gefühle von irgendjemanden verletzten könnte. So kann man auch einer verqueren Märtyrer_Mythos auch entgegenwirken (Denn wir bald in der Bundeswehr haben werden, dank des wahnsinnigen Bildersturmes den von der Leyen losgetreten hat). Ich finde es cool, dass außereuropäische Geschichte angeboten wird (bin da selber besonders Interessiert, was vor allem in Asien und Lateinamerika abging, aber es darf nicht aufgezwungen werden aufgrund von politischen Agenden) Wenn man sich für ein rein-europäisches Studium entsscheidet (Was eh schwierig ist, da es kaum eine europäische Epoche gibt, in der es nicht zur Interaktion mit anderen Regionen in der Welt - Handel, Krieg und Kolonisation gekommen ist) sollte man dies auch machen dürfen. Ich traue auch den britischen Professoren durchaus zu, dass bereits nicht mehr ein überkommendes nationalistisches "Rule Britannia" Geschichtsbild lehren. Der andere Vorwurf, dass der Studenplan zu weiß ist, erscheint einfach nur lächerlich, wenn man sich vor Augen führt, wo die meisten Forschnungseinrichtungen, Universitäten und Lehrstellen gibt: Im überwiegend reichen weißen Westen. Die Wissenschaften werden diverser, weil immer mehr Länder Zugang zu guter Bildung bekommen bzw. Menschen von dort sich die Ausbildung hier erlauben können. Das ist gut. Aber einen echten Wissenschaftler interessieren belastbare Fakten, saubere Analysen und schlüssige Argumentationen und nicht die Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder sexuellen Vorlieben des Verfassers. Es geht um den Wert der Erkenntnis. Dieses Prinzip dürfen wir nicht verlieren. P.S.: Ich bin dafür das wir neben der Umbenennung von Hindenburg-Straßen und Plätzen auch die Umbenennung von Orten die damnachweislichen Antisemiten und Rassisten Karl Marx vorantreiben.
mcpoel 29.05.2017
5. Weißer Lehrplan
Die Kritik, daß eon Curriculum "weiß" sein kann, teile ich nicht. Allerdings ist die Erweiterung auf nicht-europäische Themen nur sinnvoll, logisch und das Studium aufwertend. Ein erweiterter Horizont ist niemals verkehrt.
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