Studenten nachts in in St. Gallen Sehr viele, sehr attraktive Frauen

Getragen werden gern hellblaue Anzüge und kurze Kleidchen, getrunken wird auch mal aus dem Cocktailshaker. Wenn Studenten in der Schweizer Finanzstadt St. Gallen ausgehen, müssen sie vorher erst mal zum Geldautomaten.

Christian Nilson / 13 Photo / UNI SPIEGEL

Von Manuel Heckel


18.45 Uhr: Der Abend beginnt, und eigentlich machen wir alles falsch. Das erklärt mir zumindest Stefano, der gerade in den letzten Zügen seines Bachelors an der Hochschule St. Gallen steckt und mit mir durch die Samstagnacht ziehen will.

Erstens: Studentische Partys finden hier meistens unter der Woche statt. Zweitens: Im Frühsommer ist Lernphase, da schließen sich viele der etwa 8000 Studenten in ihrem Zimmer oder in der Bibliothek ein. Drittens: Wer schon feiern will, sollte zu Hause vortrinken, denn auf die deutschen Preise kann man getrost ein Drittel draufschlagen. Also erst mal zum Geldautomaten.

19.55 Uhr: St. Gallen ist der Sitz etlicher Finanzinstitute, hat aber nur etwa 80.000 Einwohner, darunter viele wohlhabende. Weil die Stadt so klein ist, muss man nie lange laufen, um die nächste Kneipe zu erreichen. Wobei "Kneipe" in den meisten Fällen das falsche Wort ist. Es handelt sich bei den Läden, die die heimischen Studenten besuchen, oft um stylische Etablissements, die sich zum Beispiel im Erdgeschoss prächtiger Stadtvillen befinden.

Unser erster Stopp ist das "Øya", Norwegisch für "Insel". "Der Laden ist im Kommen", sagt Stefano, nachdem wir uns an den letzten freien Tisch gesetzt haben. Das könnte an dem edlen Skandinavien-Style mit weiß lackierten Holzbänken und dunklen Tischen liegen - oder daran, dass hier sehr viele, sehr attraktive Frauen zu Gast sind. An der wirtschaftslastigen Hochschule dominieren die Männer, gerade mal ein Drittel der Studierenden ist weiblich.

21.10 Uhr: Wir ziehen weiter ins "Bermuda Dreieck", ein hübsches Ausgehviertel, in das es auch viele Studenten zieht, zumindest werktags. Links eine Kneipe fürs alternative Publikum, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient, gegenüber eine Sportsbar, daneben ein traditionelles Gasthaus.

Wir fühlen uns gerade irgendwie edler und steuern das "Lunaris" an. Auf engen 20 Quadratmetern wurde hier eine Bar in ein winziges Fachwerkhäuschen gezimmert. Wer eine steile Stiege nach oben klettert, kann auf schweren Ledersesseln Platz nehmen und eine Zigarre rauchen. Wir studieren die ausufernde Cocktailkarte und bestellen Gin.

22.20 Uhr: Wieder nur ein paar Meter Fußmarsch, wir wechseln ins "News". Der Laden sieht nach Großstadt aus, mit viel Beton und Neon, die Gäste halten mit sehr kurzen Kleidchen oder hellblauen Anzügen mit. Hinter der Bar scheint das Lächeln an diesem Abend verboten zu sein, doch die Getränke kommen fix, und wir sind genauso schnell wieder auf dem Sprung: "Es sind noch Freunde von mir unterwegs", meldet Stefano erleichtert nach einem Blick auf das Handy. Er ist also doch nicht der Einzige, der an diesem Abend die Bücher beiseitegelegt hat.

Viel Beton, viel Neon: Großstadtflair im "News"
Christian Nilson / 13 Photo / UNI SPIEGEL

Viel Beton, viel Neon: Großstadtflair im "News"

23.00 Uhr: In der "Galleria" läuft an diesem Abend eine "Getränkebörse". Die Preise steigen und fallen im Minutentakt - die Logik dahinter erschließt sich aber selbst den Masterstudenten in Finance nicht. Wir schlagen zu, als der Preis für Corona bankenskandalartig in die Tiefe stürzt. Der Laden ist gut gefüllt, links von uns wird direkt aus dem Cocktailshaker getrunken. Stefanos Freunde sind fröhlich, blicken aber wegen der anstehenden Prüfungen schon bald auf die Uhr. Nur Kommilitone Rolf zieht mit uns weiter. "Montag geht's dann richtig los mit Lernen", überzeugt er sich selbst.

0.55 Uhr: Zwischenstopp im "US-Mex", unten irgendwie amerikanisches Restaurant, oben irgendwie Bar, beides am Wochenende bis tief in die Nacht geöffnet. "Die meisten Läden in St. Gallen machen um ein Uhr zu, aber hier kann man länger bleiben", sagt Rolf. Die Spezialität des Hauses: ein Long Island Ice Tea, der in einem Weizenbierglas serviert wird und so viel Power haben soll, dass man anschließend das ganze Wochenende breit ist. Wir bleiben daher bei Bier und Nachos, am Nachbartisch werden aus Wein- und Cocktailgläsern Pyramiden gebaut, ähnlich wacklig wie der Gang einiger Gäste. Die Stimmung ist gut, die Fluktuation hoch. Die Bar dient als solider Durchlauferhitzer für das letzte Drittel der Partynacht.

1.15 Uhr: So langsam wäre es an der Zeit für einen der wenigen Klubs, in denen man auch tanzen kann. "Trischli" heißt der eine, "Elephant" ein anderer. Vor dem einen drängen sich in unserer Nacht Männer und Frauen, ganz in Weiß gekleidet, vor dem anderen kauern um die Uhrzeit schon verblüffend viele Menschen zusammengesunken auf den Stufen. Obendrein wollen beide Etablissements studentenunfreundliche 25 Franken Eintritt von uns. Da verzichten wir lieber.

Die "Galleria"
Christian Nilson / 13 Photo / UNI SPIEGEL

Die "Galleria"

1.50 Uhr: Etwas früher als geplant ist also schon Endstation im "Kränzlin", einer Mischung aus Dönerbude und Bar - genau die richtige Institution also, um den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen. Neben uns sinkt der erste Kopf auf den Tisch, kurz danach springt der Nachtschwärmer mit aufgeblähten Backen auf und wird von seinen Kollegen noch gerade rechtzeitig in Richtung Toilette geführt.

In der Ecke steht ein Automat, um Handys für die weiteren Etappen der Nacht aufzuladen. Unsere Akkus sind leer, der Geldbeutel auch. "Uf wiederluage", verabschiedet uns der Kellner auf Schwyzerdütsch. "Gerne doch", sagen wir. Beim nächsten Mal kommen wir allerdings an einem Werktag und bringen mehr Geld mit.

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insgesamt 43 Beiträge
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remcap 16.09.2016
1. Schickimicki Ort....
Ausschließlich reiche Kids können sich in St. Gallen überhaupt ein Studium leisten. Seit der Abkoppelung vom Euro sind die Preise nochmals astronomisch in die Höhe gestiegen. Mieten, Krankenkasse, Essen und das obligatorische Feiern wollen bezahlt werden....Zusätzlich befinden sich noch einige Institute einiger Großkonzerne vor Ort, wo die jungen Toptalente aus der ganzen Welt ausgebildet werden... Ich bezweifle das Partys und Schampus die Leistungen verbessert...
haltetdendieb 16.09.2016
2. Die fünf Fotos machen Lust auf mehr
Selten so nichtssagende Fotos gesehen. Wenn die ganze Szene so ist, dann Gute Nacht und sogar lieber nach Berlin! Oder am besten Lüneburg, denn hier tobt das Leben, auch und besonders mit kurzen Röcken, wunderhübschen Frauen und ebensolchen Männern. St. Gallen scheint eher der Abturneer zu sein, oder was will uns der Bericht sagen?
asleep_moak 16.09.2016
3. Sinn des Artikels
erschließt sich mir so gar nicht.
dernameistprogramm 16.09.2016
4. 18:45 Der Abend beginnt? Wohl etwas falsch gemacht!
Mein Tipp: Wecker stellen, vorschlafen, 02:00 duschen, 03:00 mit einer Flasche Sekt durch die Straßen ziehen und - frei nach Brel - einfach abwarten, was das Leben einem so (nicht selten die im Artikel beschriebenen Mädels) vor die Flinte wirft.
lightcycler 16.09.2016
5. Sagenhaft uninteressant
Viel geschrieben, nix gesagt. Was soll mir der Artikel sagen? So eine Tour kann man in jeder Stadt machen, ka warum das einen Beitrag bei SPON verdient.
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