Jurastudent klagt für Penis-Signatur Wie unterschreiben Sie denn, Mr. Hyams?

Führerschein, Studentenausweis, Kreditkarte: Seit fünf Jahren unterschreibt Jared Hyams nicht mehr mit Buchstaben, sondern mit einer Zeichnung - von einem Penis. Zweimal stand der Australier deshalb schon vor Gericht.

Ein Interview von

Jared Hyams' jüngster Erfolg: Seine ungewöhnliche Unterschrift hat es auf den Führerschein geschafft
Jared Hyams

Jared Hyams' jüngster Erfolg: Seine ungewöhnliche Unterschrift hat es auf den Führerschein geschafft


Zur Person
Jared Hyams, 33, studiert Jura an der Deakin University im australischen Melbourne und kämpft seit fünf Jahren für die Anerkennung seiner Penis-Unterschrift. Jetzt hat er es geschafft, dass sie auch auf seinem neuen Führerschein zu sehen ist.
SPIEGEL ONLINE: Herr Hyams, haben Sie heute schon etwas unterschrieben?

Hyams: Nein, heute war ein ruhiger Tag. Aber Unterschriften sind antiquiert, die braucht kein Mensch. Niemand sollte überhaupt etwas unterschreiben müssen.

SPIEGEL ONLINE: Und deshalb haben Sie Ihren Führerschein mit einem Penis unterzeichnet?

Hyams: Mir geht es dabei um zwei Dinge: Zum einen um die grundsätzliche Frage, wozu wir überhaupt noch Unterschriften brauchen. Und zum anderen um die Tatsache, dass es stupide Regeln gibt, an die sich jeder hält, obwohl niemand weiß, warum. Nehmen wir die Kreditkarte: Wenn mir die jemand klaut, kriegt er gleich meine Unterschrift mitgeliefert. Das macht doch keinen Sinn. Ein Pin-Code ist viel sicherer. Auf vielen Online-Formularen gilt das Anklicken irgendeines Kästchens als Unterschrift. Und trotzdem wird dem Gekrakel von Behörden noch so ein Wert beigemessen. Viele Beamte fühlen sich sofort angegriffen, wenn etwas nicht ins Schema passt.

Vier Karten, eine Unterschrift
Jared Hyams

Vier Karten, eine Unterschrift

SPIEGEL ONLINE: Wenn es nur darum geht, könnten Sie doch auch etwas Unverfänglicheres zeichnen, einen Stern zum Beispiel.

Hyams: Das stimmt. Ich weiß auch nicht mehr, warum ich damals ausgerechnet dieses Motiv gewählt habe. Aber ich bin davon ausgegangen, dass es ohnehin niemand kontrolliert. Wenn man in Australien umzieht, muss man das bei der Wahlkommission melden. Ich bin in vier Jahren vier- oder fünfmal umgezogen, und das Ausfüllen des Formulars hat mich genervt. Irgendwann habe ich in das Feld für die Unterschrift einfach nur einen Strich gemacht. Das hat niemand beanstandet. Aus Spaß habe ich dann beim nächsten Mal so unterschrieben. Und auf einmal war die Kacke am Dampfen. Mehrere Beamte haben mich angerufen und mir Briefe geschickt, dass das so nicht ginge.

SPIEGEL ONLINE: Und da haben Sie sich herausgefordert gefühlt?

Hyams: Ja, irgendwie schon. Es kann doch nicht sein, dass mir eine Behörde vorschreibt, wie meine Unterschrift auszusehen hat! Wer weiß, was da als nächstes kommt. Deshalb habe ich mich für Jura eingeschrieben. Ich wollte wissen, ob ich Recht habe.

SPIEGEL ONLINE: Aber haben Sie ja offenbar nicht. Vor Gericht haben Sie zweimal gegen die Verkehrsbehörde verloren.

Hyams: Das stimmt so nicht. Der Fall ist gar nicht richtig verhandelt worden. In Australien wird nicht zwischen Zivil- oder Strafgericht unterschieden, alles landet beim selben Gericht und insofern gab es andere Fälle, die dem Richter dringlicher erschienen als meiner. Er wollte nichts davon hören. Für mich war das eine Niederlage, aber ich hätte auch Berufung einlegen und vor eine höhere Instanz ziehen können. Vielleicht mache ich das noch.

Hyams' Studentenausweis
Jared Hyams

Hyams' Studentenausweis

SPIEGEL ONLINE: Und Sie glauben, da würden die Richter anders entscheiden?

Hyams: Ja, davon bin ich überzeugt. Ich bin mit dem Studium fast fertig, ich kann mich jetzt besser verteidigen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie es denn geschafft, trotz des Urteils die Zeichnung auf den Führerschein zu kriegen?

Hyams: Als ich den Führerschein erneuern musste, hab ich einfach wieder so unterschrieben. Und offenbar ist das jemandem durchgerutscht.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Dokumente mit dieser Unterschrift besitzen Sie mittlerweile?

Hyams: Viele. Ich unterschreibe seit fünf Jahren alles so. Da wären also der Studentenausweis, die Sozialversicherungskarte, der Altersnachweis, die Bankkarte… Viele Sachbearbeiter merken das gar nicht. Von der Steuerbehörde hat mich mal jemand angerufen und gefragt, ob das wirklich meine Unterschrift sei. Als ich ja gesagt habe, war er zufrieden. Mein nächstes Projekt ist jetzt der Reisepass. Ich habe im Moment keinen und will bald einen beantragen. Erst wenn ich den so unterschrieben habe, bin ich zufrieden.

Fotostrecke

12  Bilder
Brave Merkel, kindische Klum: Promi-Unterschriften im Schreibcoach-Check

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
p k 20.01.2016
1. einfach
"geil"
makromizer 20.01.2016
2.
Damit, dass die Unterschrift formell eigentlich ziemlich albern ist, hat der gute Mensch schon recht. Aber wenn ich meinen Pass so unterschreiben würde, würde ich die Einreise in diverse Staaten wohl tunlichst vermeiden.
max.snijder 20.01.2016
3.
Ich unterschreibe seit jeher alles mit einem X. Perso, Pass, EC-Karte, Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz, Verträge.... überall ein X und bisher hat es noch niemanden gestört. Eine kleine Zeichnung ist aber auch nicht schlecht und bestimmt etwas sicherer vor Fälschungen, als mein X.
goaduke42 20.01.2016
4. Warum eigentlich nicht?
Ernsthaft, mach ich ab jetzt auch so. Und bringe so wahrscheinlich das deutsche Beamtensystem zum implodieren.
global player 20.01.2016
5. Mit Phantasie
Mit etwas Phantasie könnte man daraus den Namen Otto lesen oder ein verschnörkeltes H für seinen Nachnamen. Da ihn dieser Einfall letztlich dazu gebracht Jura erfolgreich zu studieren, hatte es doch ein gutes Ende gefunden. Nur eines hätte man ihn noch fragen sollen: warum seine Unterschrift immer so klein ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.