Philippinische Nacktläufer Manilas Studenten ziehen blank

Mit dem Oblation-Lauf, so verlangt es eine sonderbare Tradition, schockieren philippinische Studenten regelmäßig ihre konservativen Landsleute. Für die maskierten Verbindungsbrüder ist das kein purer Klamauk - sie sehen den Nacktsprint durchaus als politisches Happening.


Die Opfergabe (The Oblation) heißt die splitternackte Männerstatue, die mit ausgebreiteten Armen das Portal der Universität der Philippinen in Manila schmückt. Der gute "Oble", wie ihn die Studenten der südostasiatischen Hochschule liebevoll nennen, steht dort seit rund 70 Jahren und ist das Wahrzeichen der Uni in der philippinischen Hauptstadt. Er ist ein pathetisches Symbol der Selbstaufopferung für das Land.

Einmal im Jahr tun es die männlichen Studenten der Verbindung Alpha Phi Omega dem geschätzten Oble gleich, opfern sich mit allem, was sie haben, für eine gute Sache. Dann tragen sie Masken, T-Shirts, Rosen - und sonst nichts.

Dafür werden sie von Studentenhundertschaften ausdauernd bejubelt und fotografiert. Gerade die kichernden Zuschauerinnen an der Strecke sind teils fassungslos, teils entzückt und ganz außer sich.

Freimachen zur Jahrhundertfeier

Weil die Universität gerade ihr 100-jähriges Bestehen feiert, stellten die jungen Männer ihren alljährlichen Nacktlauf diesmal auf Wunsch der Hochschulleitung in den Dienst der Geburtstagsfeierlichkeiten. Auf die einen Kilometer lange Strecke über den Campus starteten am Mittwoch exakt 100 Flitzer, bekleidet nur mit einer goldenen Gesichtsmaske und weißen T-Shirts über den Köpfen.

So viele Nacktläufer waren es noch nie. Seit 1977 nutzen die Hochschüler in Manila ihren Oblation-Lauf auch immer wieder zu politischem Protest. Im Dezember 2006 demonstrierten die Mitglieder von Alpha Phi Omega, der größten Studentenverbindung des Landes, gegen die Verdreifachung ihrer Studiengebühren. In anderen Jahren stellten sie den Nacktsprint in den Dienst der Aids-Prävention oder forderten schon mal den Rücktritt der umstrittenen Präsidentin Gloria Arroyo. Der Protest gegen das Staatsoberhaupt hat beim Demonstrationslauf Tradition: Entstanden ist er aus Protest gegen eine Zensurmaßnahme des ehemaligen philippinischen Diktators Ferdinand Marcos.

"Hort von Destabilisatoren und Nacktläufern"

Die Philippinen sind ein konservatives Land mit satten 83 Prozent Katholiken. Und so stößt die Nackt-Gaudi der angehenden Akademiker nicht immer auf so viel Freude wie im SPIEGEL-TV-Film zum blanken Spektakel. Die freizügigen Sprints, gepaart mit politischem Engagement, veranlassten etwa den philippinischen Justizminister Raul Gonzales schon einmal zu einem harschen Vorwurf: Wer die Universität der Philippinen besuche, sei ein gefährlicher Chaot.

Der philippinischen Tageszeitung "Manila Standard Today" sagte Minister Gonzales: "In jedem Aufruhr, der sich ereignet, stehen die Studenten dieser Universität in der vordersten Reihe." Aus der Hauptstadt-Uni kämen die Untergrundkämpfer, die sich gegen die Regierung wendeten, so Gonzales. Die Hochschule sei ein Hort von "Destabilisatoren und Nacktläufern".

Eine Kommentatorin des Blattes hält den Studenten zugute, sie seien Freigeister und Helden einer wahrhaft freien Erziehung: "Es geht um die Fähigkeit zu erkennen, was ist, und Alternativen aufzuzeigen, die über den Status Quo hinausgehen", schreibt sie in einer Kolumne des "Manila Standard".

Eine Studentin am Rande des Laufes zeigte sich auf jeden Fall begeistert: "Das ist nicht nur eine Körperschau, sie tragen ihre Prinzipien auf selbstgemachten Tafeln vor sich her", sagte die junge Frau namens Bang. Gleich ob nun Helden oder Unruhestifter, mit viel Enthusiasmus sind die zeigefreudigen Verbindungsbrüder allemal bei der Sache.

cht/AP

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