Plagiatsaffäre Googles Werk und Guttis Beitrag

Die Universität Bayreuth hat Karl-Theodor zu Guttenberg entdoktort, kneift aber vor der Frage, ob der CSU-Mann absichtlich getäuscht hat. Der Minister weist den Plagiatsvorwurf weit von sich. Vier Experten geben ihm Nachhilfe - und kommen zu einem eindeutigen Votum.

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AP


In der Not machen sich die Freunde davon? Nicht bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Hinter dem Verteidigungsminister liegt eine harte Woche; bedauern muss man ihn eher nicht. Seine zusammengeleimte Dissertation hat allein Guttenberg zu verantworten, ebenso sein missratenes Krisenmanagement und sein Auftreten im Bundestag, bei dem er sich frech noch zum Vorbild fönte. Auf treue Freunde kann er dennoch bauen - in der Union wie in der "Bild"-Redaktion, zudem an der Universität Bayreuth. Ihre Rolle ist höchst umstritten.

Die Hochschule machte manchen Hofknicks vor dem "Herrn Freiherrn zu Guttenberg", wie sie ihren prominentesten Absolventen bezeichnet. Erst winkte die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät seine Doktorarbeit mit der Bestnote "summa cum laude" durch, ohne jede Kontrolle auf Texträuberei. Dann folgte die Promotionskommission seinem Wunsch, ihm den Titel abzuerkennen. Die Entscheidung liege auf der Linie dessen, "was der Verteidigungsminister vorgegeben hat", kommentierte Kanzlerin Merkel doppelbödig.

Als wäre es mit dem Freiherrn abgesprochen, wählte die Universität dafür den Mittwoch. So überdeckte Guttenbergs härteste Prüfung im Bundestag die heikle akademische Causa. Als wäre auch dies abgesprochen, nahm die Uni den für sie bequemsten und für Guttenberg schonendsten Weg und erklärte die Arbeit der Promotionskommission kurzerhand für erledigt. Das gelang, indem die Hochschule anstelle der eigenen Promotionsordnung das Verwaltungsverfahrensgesetz heranzog - ein fragwürdiger, aber juristisch schwer anfechtbarer Kunstgriff, so mehrere Wissenschaftsrechtler zu SPIEGEL ONLINE.

Es wirkte wie ein tiefer Bückling. Per Schnellverfahren kniff die Universität vor der Kernfrage: Hat er oder hat er nicht? Täuschte Guttenberg die Fakultät mit voller Absicht und systematisch - oder kann er sich weiter an die Alles-nur-Pannen-Version klammern?

Feigheit vor dem Freund

Ein Selbstkontroll-Gremium prüft jetzt erneut und ringt mit der Versuchung, den Fall geräuschlos abzuräumen: Die Uni könnte erklären, Guttenberg sei die Täuschungsabsicht nicht zweifelsfrei nachzuweisen, und lediglich Empfehlungen zum Umgang mit künftigem wissenschaftlichem Fehlverhalten entwickeln.

Aber zu viel Feigheit vor dem "Freund der Universität" (so Uni-Präsident Rüdiger Bormann noch am Dienstag über den Minister) könnte Bayreuths akademischen Ruf ruinieren. Eine Woche lang hatten führende Repräsentanten der Wissenschaft stillgehalten. Denn nach dem Regelwerk in ihrem Kosmos ist zunächst die Institution am Zug, die den strittigen Titel verlieh - erst dann alle anderen.

Die Zurückhaltung ist passé. So zahlreich wie zornig melden sich nun Hochschullehrer und Wissenschaftsmanager zu Wort, etwa Ernst-Ludwig Winnacker im SPIEGEL: "Wir Forscher können niemanden einsperren, das kann nur ein Richter. Aber die Strafe der Wissenschaft ist, dass man für immer am Pranger steht", sagte der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Nach einem Fehlverhalten wie bei Guttenberg käme niemand mehr an "verantwortliche Positionen in der Wissenschaft, eine Karriere wäre ausgeschlossen". Versagt habe aber auch die Bayreuther Promotionskommission.

Im Sinne ihrer Reputation und des wissenschaftlichen Reinheitsgebots wäre es für die Universität klüger, die Täuschungs-Frage gründlich zu klären. Guttenberg nämlich änderte zwar mehrfach seine Krisentaktik, blieb sich aber in einem Punkt treu: Ein Plagiat sei die Dissertation keinesfalls. Die Argumente dafür spielen auf drei Ebenen - für SPIEGEL ONLINE haben Plagiatsexperten und Wissenschaftsrechtler sie geprüft.

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insgesamt 329 Beiträge
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buutzemann 27.02.2011
1. Guttenberg ist politisch und moralisch eine lebende Leiche.
Wie bei Störtebeker schauen alle angewidert und dennoch fasziniert darauf, wie viele Schritte er ohne Kopf und Rückgrat noch zu laufen vermag. Dass er fallen wird, ist unausweichlich. Kommende Fragen sind schon jetzt: Was wird nötig sein, um ihn aus dem Bundestag zu entfernen? Was wird nötig sein, um ihn vor Gericht zu bringen? Welche Konsequenzen ergeben sich für Merkel und die Union? Und: Was stimmt an den Vorwürfen seines verfälschten Dienstgrades? Ist er Uffz oder StUffz? Wenn er hier auch gelogen hat, ist er bei der Truppe vollends unten durch - bei den Offizieren ist er es seit der Gorch Fock-Affäre ohnehin schon.
regierungs4tel 27.02.2011
2. Der Skandal hinter dem Skandal
Obwohl die Professoren Häberle und sein Nachfolger Lepsius mit Parteikontakten nichts im Sinn haben dürften, stellt sich doch die Frage, wer dafür die verantwortung trägt, dass an der Uni Bayreuth ein abgehalfterter und wegen Steuerhinterziehung vorbestrafter CSU-Generalsekretär (und zu Guttenbergs Vorgänger im Wahlkreis und im GS-Parteiamt) als Leiter des "Career Service" fungiert: http://berlin2011.wordpress.com/2011/02/26/uni-bayreuth-beschaftigt-csu-lobbyisten/
Antje Technau, 27.02.2011
3. Titel zurückgenommen
Dass die Universität "den Vorgaben des Verteidigungsministers folgte", und seinen Doktortitel per Verwaltungsakt "zurücknahm", anstatt ihm den Doktortitel wegen Täuschung, die mit Täuschungsabsicht erfolgte, abzuerkennen, beschädigt den Ruf der Universität Bayreuth schwer. Denn die Universität Bayreuth muss sich jetzt nicht nur vorwerfen lassen, eine Textcollage eines Adelssproßes als mit "summa cum laude" bewertete Doktorarbeit durchgewunken zu haben, sondern auch dass sie einem zu Guttenberg noch bei der Aberkennung des Titels eine Vorzugsbehandlung angedeihen ließ. Zu Guttenberg kann jetzt nämlich behaupten, der Doktortitel sei ihm nie *aberkannt* worden, sondern er habe ihn "zurückgegeben". Das ist ein echter Skandal. Schon deshalb, weil mit jedem anderen Doktoranden, der sich so einen Betrug leistet, anders verfahren wird.
simple.mind 27.02.2011
4. Pfui Deibel
Zitat von sysopDie Universität Bayreuth hat Karl-Theodor zu Guttenberg entdoktort, kneift aber vor der Frage, ob der CSU-Mann absichtlich getäuscht hat. Der Minister weist den Plagiatsvorwurf weit von sich. Vier Experten geben ihm Nachhilfe - und kommen zu einem eindeutigen Votum. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747956,00.html
Hm? Wie bitteschön soll denn die Universität beurteilen, ob zu Guttenberg ABSICHTLICH getäuscht hat? Unabhängig davon: Die sadistische Freude, mit der DER SPIEGEL ein halbtotes Opfer mit täglich neuen Aktionen weiter traktiert, ist bemerkenswert. zG muss zurücktreten, das ist doch klar. Aber Spiegel und die vielen emsigen Zuarbeiter - oder soll ich sagen Kollaborateure - handeln unmoralisch. Pfui Deibel!
gluecypher 27.02.2011
5. Nein, einen Titel schreib' ich nicht
Da hat der gute Ex-Doktor gezeigt, dass er doch hin und wieder andere Wissenschaftliche Arbeiten liest (lesen lässt?) Siehe hier: http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2011/02/opferrolle-bewahrt-vor-schuld.php und hier: http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Gray%20and%20Wegner%20%282011%29%20To%20escape%20blame%2C%20don%27t%20be%20a%20hero--Be%20a%20victim.pdf Management-Zusammenfassung: Wenn Du Bockmist gebaut hast, stelle Dich als Opfer dar, denn das bringt Sympathien und lässt schnell vergessen.
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