Plagiatsaffäre Merkel verlangt von Guttenberg Aufklärung

Karl-Theodor zu Guttenberg bringt erneut Wissenschaftler gegen sich auf: Sein Versuch, die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu seiner Doktorarbeit zu verhindern, wird harsch kritisiert. Selbst Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich nun mit einer Botschaft an ihren Ex-Minister ein.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Zunehmend isoliert
dapd

Karl-Theodor zu Guttenberg: Zunehmend isoliert


Karl-Theodor zu Guttenberg stößt mit seinem juristischen Angriff auf seine ehemalige Universität Bayreuth auf massive Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt auf Aufklärung durch den ehemaligen Verteidigungsminister. Dieser habe volle Unterstützung zugesagt, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Die Bundeskanzlerin erwartet, dass das gilt." Merkel gehe davon aus, dass "Aufklärung stattfindet" - in welcher Form, das sei Sache der Universität Bayreuth.

Guttenberg will verhindern, dass der Untersuchungsbericht der Universität Bayreuth veröffentlicht wird, seine Anwälte argumentieren mit dem Persönlichkeitsrecht ihres Mandanten. Die Universität setzt dem entgegen, dass die Menschen eine umfassende Information über die Untersuchung erwarten könnten. Sie will die Untersuchung notfalls auch gegen den Willen von Guttenberg veröffentlichen.

Die Prüfungskommission der Uni Bayreuth, die die Plagiatsvorwürfe intern untersucht, kam offensichtlich zu der Einschätzung, dass der Ex-Minister bei seiner Dissertation bewusst getäuscht haben müsse.

Führende Wissenschaftsvertreter unterstützen die Universität Bayreuth

Führende Vertreter der Wissenschaft fordern die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts. "Wer in der Öffentlichkeit Ruhm erfahren hat, muss damit umgehen, dass auch sein Fehlverhalten öffentlich wird", sagte Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands, SPIEGEL ONLINE. Guttenberg müsse sich bewusst sein, dass er seine eigene Universität brüskiere, wenn er gegen die Veröffentlichung vorgeht. "Die Universität muss eine Möglichkeit erhalten, öffentlich darzustellen, wie sie mit diesem Fall umgeht."

Auch Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, sprach sich für die Veröffentlichung aus. "Die Universität Bayreuth sieht sich zu Recht verpflichtet, nachvollziehbar darzulegen, dass und wie sie mit großer Gewissenhaftigkeit in diesem Fall aufklärt", sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Ebenso der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner: "Das Thema hat eine solche öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, dass ich davon ausgehe, dass die Ergebnisse der Kommission der Universität Bayreuth auch veröffentlicht werden", sagte Kleiner der "Rheinischen Post".

Zwischenbilanz der Staatsanwaltschaft frühestens im Sommer

Nach Angaben von Uni-Sprecher Frank Schmälzle hat die fünfköpfige Selbstkontrollkommission ihre Arbeit am 7. April abgeschlossen. Derzeit würden Ergänzungen aus den Reihen der Mitglieder in den Bericht eingearbeitet. Die Empfehlungen der fünfköpfigen Kommission sollen Ende April der Hochschulleitung übergeben werden.

Die juristische Aufarbeitung der Plagiatsaffäre wird erheblich länger dauern. Frühestens im Sommer oder Anfang Herbst sei mit einer Zwischenbilanz der wegen des Vorwurfs der Urheberrechtsverletzung eingeleiteten Ermittlungen gegen Guttenberg zu rechnen, sagte der Hofer Oberstaatsanwalt Reiner Laib am Montag. Ein genaues Ende der Ermittlungen lasse sich seriös nicht voraussagen.

Derzeit prüfe die Staatsanwaltschaft in Hof den Sachverhalt. So werde die umstrittene juristische Dissertation Guttenbergs von den Ermittlern genauestens untersucht und auf nicht erwähnte Quellen überprüft. Dabei würden "alle verfügbaren Quellen" einbezogen. Die Arbeit der Justiz sei aber nicht davon abhängig, ob der Abschlussbericht der Universität Bayreuth veröffentlicht werde oder nicht. Falls ja, werde auch diese Quelle genutzt, sagte Laib.

Sollte eine Strafbarkeit erkannt werden, müsse dann festgestellt werden, ob ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung vorliege.

Das könnte entscheidend sein, da zwar über 80 Anzeigen eingegangen sind, aber bislang keine von betroffenen Autoren. Die Staatsanwaltschaft müsste ein besonderes öffentliches Interesse erkennen, nur dann käme es zur Strafverfolgung.

bim/dpa/dapd



insgesamt 111 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
terminate_her, 11.04.2011
1. Mutti will Mehr
Zitat von sysopKarl-Theodor zu Guttenberg bringt erneut Wissenschaftler gegen sich auf: Sein Versuch, die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu seiner Doktorarbeit zu verhindern, wird harsch kritisiert. Selbst Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich nun mit einer*Botschaft an ihren Ex-Minister ein. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756280,00.html
Das nun ausgerechnet Frau Merkel sich um Aufklärung um die Plagiatsaffäre bemüht wundert doch sehr! SIE war es doch, die diesen unsäglich dämlichen (und überdies verlogenen) Vergleich zwischen einem Minister und einem "wissenschaftlichen Assistenten" ins Spiel brachte. Aber mit Loyalität kann und darf bei Frau Merkel niemand rechnen. Sie wird ihr Fähnleinn immer ganz opportunistisch nach dem Wind ausrichten und jede Chance nutzen sich dadurch an der Macht zu halten. Die Liste ihrer Opfer wird länger: Kohl, Schäuble, Merz, Guttenberg... Überhaupt orientieren sich Merkels Handlungsmuster sehr eng an den in der DDR praktizierten Prinzipien: Wegducken, abwarten, beobachten, Klappe halten, die Mehrheit orten (Werte sind dabei x-beliebig), hintenherum mauscheln, zuschlagen. Habermas hat Recht! Nie hatten wir eine derart schlechte Regierung, nie hatten wir eine derart schlechte Kanzler/in.
doc 123 11.04.2011
2. Merkel in Höchstform!
Zitat von sysopKarl-Theodor zu Guttenberg bringt erneut Wissenschaftler gegen sich auf: Sein Versuch, die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu seiner Doktorarbeit zu verhindern, wird harsch kritisiert. Selbst Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich nun mit einer*Botschaft an ihren Ex-Minister ein. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756280,00.html
Erst stützt Merkel kurzfristig zu Guttenberg und als er nicht mehr auf Grund des öffentlichen Druckes mehr zu halten war, musste er zurücktreten und jetzt gibt sie ihm den Todesstoss. ---------- Erbärmlich allenfalls die Staatsanwaltschaft in Hof. Erst werden die Quellen über Monate geprüft und dann über das öffentliche Interesse entscheiden. Ja geht eigentlich noch, wieso prüft man denn nicht zunächst das öffentliche Interesse? Alles nur Verzögerungstaktik? Im Falle Mappus konnten doch gleich zwei verschiedene Strafsachen in wenigen Wochen geprüft werden. - Aber da waren ja auch Wahlen und der Mann musste eine weiße Weste behalten. Bei zu Guttenberg hofft man vermutlich darauf, dass in einem halben Jahr die ganze Angelegenheit eh vergessen ist. - An ein unabhängiges Justizsystem glaubt eh niemand mehr.
wibo2 11.04.2011
3. Untersuchungsbericht der Uni Bayreuth ......
Zitat von sysopKarl-Theodor zu Guttenberg bringt erneut Wissenschaftler gegen sich auf: Sein Versuch, die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu seiner Doktorarbeit zu verhindern, wird harsch kritisiert. Selbst Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich nun mit einer*Botschaft an ihren Ex-Minister ein. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756280,00.html
Der Untersuchungsbericht der Uni Bayreuth wird sicherlich durch eine Indiskretion öffentlich gemacht werden. Das können die gar nicht geheim halten! Guttenberg ist nun Privatmann, als KTG Mitwirkung bei der Aufklärung versprach, wollte er noch Minister bleiben. Jetzt ist er zurückgetreten und die Voraussetzungen für sein Versprechen sind nicht mehr gegeben. Mich persönlich geht dieser Untersuchungsbericht gar nichts an. Ich will es gar nicht so genau wissen wie Bayreuth "einem Betrüger aufgesessen ist". Der Bericht ist die Privatsache von Herrn KT Guttenberg und nichts anderes! "Ich kann allem widerstehen - außer der Versuchung." "Selbstlosigkeit ist ausgereifter Egoismus." "Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." Oscar Wilde
Günter Stalinski 11.04.2011
4. Nie etwas zugeben, denn ...
dann wäre man ein Lump und in gewissen Kreisen nicht mehr gesellschaftfähig. Wieviele Beweise benötigt man noch, um das Ganze zu untermauern? Herr Guttenberg hat einige prominente Vorbilder, z.B. Uwe Barschel ... oder den bayrischen CSU-MdL, der von seinem Landtagstelefon 0190-er-Nummern angerufen hat, von den angerufenen Damen an der Stimme erkannt, verurteilt wurde, das Urteil annahm und bei Verlassen des Gericht seine Unschuld beteuerte. oder einen Ludwughaferin FDP-Stadtvorsitzenden, zufälligerweise Wohnnachbar von Helmut Kohl in Oggersheim, überfällt das Juweliergeschäft seines Vertrauens, wird von den beiden Verkäuferinnen natürlich erkannt, wird verurteilt und wenn er nicht gestorben ist, dann bestreitet er alles bis heute.
sappelkopp 11.04.2011
5. Hat sie das...
...nicht schon einmal gefordert? Und hat der freche Bengel nicht drauf gehört? Da wird es wohl keinen Nachtisch heute geben! Die Guttenberg-Geschichte wird immer lächerlicher. Was für ein armes Würstchen ist das eigentlich?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.