Lammerts anonymer Plagiatsjäger "Ich bin Wechselwähler"

Politiker mit Doktortitel können aufatmen, jedenfalls vorerst: Plagiatsjäger "Robert Schmidt" kündigt im SPIEGEL an, er werde nach der Dissertation von Bundestagspräsident Lammert in diesem Jahr keinen Fall mehr untersuchen. Politische Motive bestreitet er.

Bundestagspräsident Lammert (Archiv): Die Arbeit wird geprüft
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Bundestagspräsident Lammert (Archiv): Die Arbeit wird geprüft


Berlin - Der Plagiatsjäger mit dem Pseudonym "Robert Schmidt" weist den Vorwurf zurück, aus parteipolitischer Motivation zu handeln. "Ich bin Wechselwähler", teilte er dem SPIEGEL mit.

Der Aktivist, der anonym bleiben will, hatte die Dissertationen der Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan und nun des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert untersucht; beiden CDU-Politikern wirft er schwerwiegende Fehler vor. Im Fall Lammert spricht er von "Täuschung" sowie von Verstößen, die "systematisch und in ihrer Mehrheit ziemlich eindeutig" seien.

Für die Suche nach solchen Stellen habe er rund 250 Stunden aufgewendet, Helfer oder Mitarbeiter habe er nicht gehabt: "Die Arbeit habe ich zu hundert Prozent alleine geleistet." Ihn treibe "ein gewisser sportlicher Ehrgeiz", so der Plagiatsjäger im SPIEGEL, "und es sollte möglichst niemand einen nicht redlich erworbenen akademischen Grad führen".

Jetzt plant er aber eine Auszeit. Zumindest in den nächsten Monaten werde er keine weiteren Dissertationen untersuchen: "In diesem Jahr war es in jedem Fall der letzte Fall, den ich bearbeitet habe."

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Doktorarbeit des Bundestagspräsidenten: Das wird Lammert vorgeworfen
Lammert hatte Ende Juli durch die Anfrage eins Journalisten von dem Verdacht erfahren und beteuert, "nach bestem Wissen und Gewissen" gearbeitet zu haben. Er ließ umgehend eine PDF-Version seiner Doktorarbeit auf seiner Website veröffentlichen und bat die Ruhr-Universität Bochum um Überprüfung seiner Dissertation. Der Uni-Rektor sagte unterdessen SPIEGEL ONLINE, er erwarte ein offizielles Plagiatsverfahren.

Lammert hatte seine Arbeit in den siebziger Jahren an der sozialwissenschaftlichen Abteilung der Uni Bochum eingereicht. Das Thema: "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet".

Andere Plagiatsjäger aus dem Netzwerk VroniPlag beschreiben den Plagiatsjäger "Schmidt" als jemanden, der "sauber, akribisch und sehr sachlich" arbeite. "Bei Robert Schmidt kann ich keinen Eifer und keinen Zorn erkennen", sagt ein Aktivist. Seine wahre Identität kennen weder Politiker noch Aktivisten, "Schmidt" schützt sie besonders konsequent. Selbst bei VroniPlag taucht er nur auf, nachdem er seine IP-Adresse über das Tor-Netzwerk hat verschleiern lassen - er surft also mit technischer Tarnkappe.

Der SPIEGEL hat ihm Fragen per Mail über eine Kontaktperson zukommen lassen. Beantwortet hat sie "Schmidt" per Fax. Lesen Sie das gesamte Interview im neuen SPIEGEL.

otr

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Seite 1
sp-forum-kommentare 04.08.2013
1. mob
Letztens las ich einen strohdummen Kommentar eines Lesers, der verlangte, dass sich "Robert Schmidt" outen muesse. "Robert Schmidt" waere schoen bloede, wenn er sich dem Internetmob aussetzen wuerde. Mit Sicherheit gaebe es dann Leute, die ihm mit aller Gewalt eins auswischen wuerden - natuerlich ohne Hemmungen. Es ist gut so, dass diese geschenkten Doktortitel (bzw. die sogenannten Dissertationen) untersucht werden. Und wenn man schon dabei ist, sollte man auch die in 3 Monaten abgeschlossenen Medizinerdoktorarbeiten ansehen; die oft vor dem Examen in einer Art Praktikum erstelllt werden und nach dem Examen als Arbeit anerkannt werden. Ist "Kluengel" das richtige Wort dafuer?
dongerdo 04.08.2013
2.
Zitat von sysopDPAPolitiker mit Doktortitel können aufatmen, jedenfalls vorerst: Plagiatsjäger "Robert Schmidt" kündigt im SPIEGEL an, er werde nach der Dissertation von Bundestagspräsident Lammert in diesem Jahr keinen Fall mehr untersuchen. Politische Motive bestreitet er. Plagiatsverdacht gegen Lammert: Robert Schmidt plant Auszeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsverdacht-gegen-lammert-robert-schmidt-plant-auszeit-a-914587.html)
Wen interessieren politische Motive?! Selbst WENN er aus Boshaftigkeit heraus rein politisch motiviert handeln würde spielt dies bei der Frage nach nach einem Plagiat keine Rolle - die Arbeit steht für sich selbst und spricht für sich selbst. Und offensichtlich tat die Arbeit dieses für Lammert. Ich habe nie verstanden warum hier immer wieder die Motivation als quasi Entscheidend hervorgehoben wird (auch bei Snowden, Assange, VroniPlag, etc) - Fakten sprechen für sich selbst....
frankmerkel 04.08.2013
3. die Motive
von sogn. Plagiatsjägern sind mir ziemlich schnuppe. Interessant ist doch nur ob Plagiatsvorwürfe zutreffend sind. Bei Lammerst scheint mir offensichtlich das er zumindest G Lukacs nicht gelesen hat und ihn nur aus der Sekundärliteratur kennt. Wahrscheinlich wäre er auch mit dem Verstehen derselben Intellektuell überfordert gewesen.
mikahi 04.08.2013
4.
Dass Schavan und Lammert CDU - Politiker sind, ist natürlich ZUFALL ...
UnitedEurope 04.08.2013
5. Titellos
Selbst wenn er gezielt in einer bestimmten Partei suchen würde, wären die Dissertationen trotzdem noch mangelhaft. Dennnoch ist es erwähnenswert, das es bisher vor allem CDU/CSU/FDP-Politiker erwischt hat.
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