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19. Juni 2012, 13:00 Uhr

Plagiatsaffäre

Rumäniens Regierungschef soll bei Doktorarbeit getrickst haben

Rumäniens Regierung schlittert in die nächste Plagiatsaffäre: Der Ministerpräsident Victor Ponta soll in seiner Doktorarbeit massiv abgeschrieben haben. Er weist die Vorwürfe zurück - er habe höchstens nicht ganz korrekt zitiert, sagt er.

Vor wenigen Wochen erst trat Rumäniens Bildungsminister Ioan Mang wegen Plagiatsvorwürfen zurück, jetzt gerät der Regierungschef Victor Ponta in Bedrängnis: Er soll mehr als die Hälfte seiner Doktorarbeit aus anderen Quellen abgeschrieben haben, berichtet das renommierte Wissenschaftsmagazin "Nature".

Ein anonymer Informant hatte dem Magazin Dokumente zukommen lassen. Demnach soll Ponta ganze Textpassagen aus englischen Publikationen wortwörtlich ins Rumänische übersetzt haben, berichtet "Nature". "Die Beweise für ein Plagiat sind überwältigend", sagte Marius Andruh, Präsident vom rumänischen Rat zur Anerkennung von Universitätsdiplomen. Wenn sich die Vorwürfe bestätigten, müsse in Rumänien und im Ausland ernsthaft darüber diskutiert werden, wie so etwas in Zukunft verhindert werden könne.

Victor Ponta hatte seine Dissertation "Curtea Penala Internationala" 2003 an der Universität von Bukarest eingereicht, sie umfasst 432 Seiten und handelt vom Internationalen Strafgerichtshof. Als Ponta an seiner Doktorarbeit schrieb, arbeitete er als Staatssekretär für die rumänische Regierung von Adrian Nastase - Letzterer war zugleich sein Doktorvater, berichtet "Nature".

Ponta verdächtigt seinen politischen Rivalen

Ponta wies die Vorwürfe in der Nacht zum Dienstag zurück: Er habe nicht alle Autoren am Ende jeder Seite aufgelistet, sondern nur im Literaturverzeichnis vermerkt, sagte er. "Wenn das ein Fehler war, bin ich bereit dafür zu bezahlen." Er werde sich jeder Überprüfung stellen. Ponta sprach von einem "politischen Manöver" seiner Gegner und machte unter anderem seinen politischen Hauptrivalen, Präsident Traian Basescu, für die Vorwürfe verantwortlich. Zudem nannte es der Regierungschef "ein bisschen komisch", dass sich eine auf Wissenschafts- und Medizinthemen spezialisierte Zeitschrift für seine Doktorarbeit in internationalem Recht interessiere.

Pontas Mitte-links-Regierung war erst am 7. Mai vereidigt worden. Der Bildungsminister Mang trat schon eine Woche später zurück. Und vor der Regierungsbildung war die ursprünglich vorgesehene Kandidatin für das Bildungsministerium gescheitert. Sie hatte in ihrem Lebenslauf geschrieben, an der renommierten Stanford University studiert zu haben, berichtet der Deutschlandfunk. Doch ein Anruf bei der Uni ergab: Ihr Name taucht in den Absolventenlisten nicht auf.

fln/AFP/AP

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