Plagiatsverdacht Uni Bochum prüft Doktorarbeit von Lammert

Die Ruhr-Universität Bochum hat wegen der Plagiatsvorwürfe gegen Norbert Lammert ein Prüfungsverfahren in Gang gesetzt. Der Bundestagspräsident hatte die Hochschule selbst informiert und darum gebeten.

DPA

Seit Montag überprüft die Ruhr-Uni Bochum die Doktorarbeit von Norbert Lammert. Wegen der Plagiatsvorwürfe hat die Uni bereits ein Prüfungsverfahren in Gang gesetzt, teilte die Hochschule mit. Anlass sei der Anruf von Lammert gewesen. Der CDU-Politiker und Bundestagspräsident habe am Montag bei Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, angerufen um eine Überprüfung seiner 1974 eingereichten Doktorarbeit gebeten. "Bis zu diesem Anruf hat die Uni nichts von den Vorwürfen gewusst", sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Daraufhin sei unverzüglich das Verfahren in Gang gesetzt worden, um die Doktorarbeit zu überprüfen.

Zuvor hatte ein anonymer Plagiatsjäger, der sich Robert Schmidt nennt, Plagiatsvorwürfe gegen Lammert erhoben. Schmidt, der unter demselben Pseudonym des Plagiatsjägers der zurückgetretenen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) agiert, wirft Lammert vor, in seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben.

Er habe auf 42 Seiten von Lammerts Dissertation Passagen aus 21 Quellen gefunden, die Unregelmäßigkeiten aufwiesen, schreibt er auf der Webseite lammertplag.wordpress.com. Lammert habe "einen erheblichen Teil" der in der Doktorarbeit als verwendet angegebenen Literatur "ganz offenbar nicht gelesen". Dies werde "insbesondere anhand der Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur deutlich".

SPD-Politiker: "Lammert macht genau das Richtige"

Schmidt bejahte die Frage der "Welt", ob er damit ausdrücklich den schweren Vorwurf verbinde, Lammert habe plagiiert. Der Plagiatsjäger schreibt, er habe die Untersuchung nach gut einem Drittel des Hauptteils abgebrochen. Eine vollständige Dokumentation sei wegen des hohen Zeitaufwands nicht möglich. Zweck der Internetveröffentlichung sei es, sowohl die Universität Bochum als auch die Öffentlichkeit zu informieren.

Trotz Lammerts Selbstanzeige, von der die Ruhr-Universität Bochum nun berichtet, ist sich der Bundestagspräsident offenbar keines Fehlers bewusst: "Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt", ließ er mitteilen. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, mahnte zur Zurückhaltung: "Herr Lammert macht genau das Richtige: Er lässt die Vorwürfe durch die Universität Bochum prüfen. Bis das Ergebnis vorliegt, sollten sich alle Beteiligten mit Kommentaren zurückhalten", sagte er dem "Kölner Stadtanzeiger". Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück warnte vor Vorverurteilungen. "Herr Lammert genießt meinen vollen Respekt", sagte Steinbrück am Dienstag in Berlin. "Es gilt die Unschuldsvermutung. Ich warne davor, wieder in eine Kommentarlage zu verfallen, die die Reputation und Integrität des Bundestagspräsidenten beschädigen kann."

Der CDU-Politiker Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet" im Jahr 1974 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum eingereicht, 1976 wurde sie veröffentlicht. Lammert wurde 1975 zum Dr. rer. soc. promoviert.

Plagiatsvorwürfe haben bereits eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht. Zu den bekanntesten zählen der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Schavan. Allen wurde der Doktortitel entzogen. Während Koch-Mehrins Klage dagegen erfolglos blieb, ist Schavans Verfahren noch nicht entschieden.


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lgr/dpa

insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
Ze4 30.07.2013
1. Das Lügen und Betrügen
scheint zumindest bei Dissertationen ja fast ausschließlich in schwarzen und gelben Kreisen verbreitet zu sein. Was sagt uns das? Nix vermutlich, man wählt sie einfach wieder.
janne2109 30.07.2013
2. .....
Zitat von Ze4scheint zumindest bei Dissertationen ja fast ausschließlich in schwarzen und gelben Kreisen verbreitet zu sein. Was sagt uns das? Nix vermutlich, man wählt sie einfach wieder.
nu mal immer sachte, die Arbeit ist 1974 geschrieben worden, da gab es keinen PC oder ähnliches. Es ist lächerlich wenn man mal genau auf die Seite der Vorwürfe schaut. Sie müssen nicht diese Parteien wählen, aber lassen Sie solche Vorwürfe wenn Sie null Ahnung haben. Dazu äußern sollten sich nur Menschen die Dissertationen abgegeben haben und das bitte dann auch unter den Gegebenheiten von 1974. Vermutlich haben Sie da noch nicht einmal gelebt.
Ze4 30.07.2013
3. Olala
Zitat von janne2109nu mal immer sachte, die Arbeit ist 1974 geschrieben worden, da gab es keinen PC oder ähnliches. Es ist lächerlich wenn man mal genau auf die Seite der Vorwürfe schaut. Sie müssen nicht diese Parteien wählen, aber lassen Sie solche Vorwürfe wenn Sie null Ahnung haben. Dazu äußern sollten sich nur Menschen die Dissertationen abgegeben haben und das bitte dann auch unter den Gegebenheiten von 1974. Vermutlich haben Sie da noch nicht einmal gelebt.
Weil die Vorwürfe so lächerlich sind, werden sie ja auch geprüft, nicht wahr? 1974 war ich 20, also muss ich jetzt wohl schweigen, da ich zu diesem Zeitpunkt leider leider noch keine Dissertation hatte. Zum Thema "null Ahnung": Ich habe nichts anderes getan, als die Sachlage zu beschreiben. Wenn Sie die Schwarzgelb-Lastigkeit des Problems leugnen, bitte ich um Nachweise. Aber sparen Sie sich das Suchen, daran sind schon andere verzweifelt.
dasbeau 30.07.2013
4. Was uns das sagt?
Zitat von Ze4scheint zumindest bei Dissertationen ja fast ausschließlich in schwarzen und gelben Kreisen verbreitet zu sein. Was sagt uns das? Nix vermutlich, man wählt sie einfach wieder.
Ganz einfach: Die sog. "Plagiatsjäger" picken sich nur Leute aus dem schwarz-gelben Lager heraus. Ich bin mir sicher, auch im "anderen Lager" und auch bei gänzlich unpolitischen Leuten ließen sich "kritische Stellen" finden. Nur sucht dort niemand aktiv danach. Diese ganze Plagiatssuche ist parteipolitisch motiviert.
Ze4 30.07.2013
5. Nö
Zitat von dasbeauGanz einfach: Die sog. "Plagiatsjäger" picken sich nur Leute aus dem schwarz-gelben Lager heraus. Ich bin mir sicher, auch im "anderen Lager" und auch bei gänzlich unpolitischen Leuten ließen sich "kritische Stellen" finden. Nur sucht dort niemand aktiv danach. Diese ganze Plagiatssuche ist parteipolitisch motiviert.
Das stimmt definitiv nicht und wenn Sie sich schon mal für dieses Thema interessiert haben, würden Sie es wissen. Was meinen sie, wie viele rachsüchtige CDU- und FDP-ler sich einen Wolf gesucht haben? Es gibt einfach so gut wie nichts, das müssen Sie schon schlucken.
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