Plagiatsvorwurf Staatssekretär Dippel verliert Doktortitel

Erneut verliert ein Politiker seinen Doktorgrad: Die Uni Kassel hat Wolfgang Dippel, Staatssekretär für Soziales und Integration in Hessen, den Titel entzogen - er soll plagiiert haben. Der CDU-Politiker kündigte Einspruch an.

Wolfgang Dippel, CDU-Staatssekretär im hessischen Sozialministerium (Archivbild): Einspruch angekündigt
DPA

Wolfgang Dippel, CDU-Staatssekretär im hessischen Sozialministerium (Archivbild): Einspruch angekündigt


20 Jahre ist es her, dass Wolfgang Dippel an der Universität Kassel, die damals noch Gesamthochschule Kassel hieß, promoviert wurde. Jetzt entzieht die Uni dem hessischen Staatssekretär den Doktortitel - der CDU-Politiker soll in seiner Dissertation getäuscht haben.

"Der Promotionsausschuss begründet diese Entscheidung damit, dass nach sorgfältiger Ermittlung der Aktenlage unter Berücksichtigung der Anhörungen - schriftlich und mündlich - der Vorwurf des Plagiats vom Promotionsausschuss als gerechtfertigt zu bezeichnen sei", teilt die Uni mit.

Der Entscheidung sei ein mehrstufiges Prüfverfahren vorausgegangen, das Dippel offenbar selbst angestoßen hat. Nach anonymen Hinweisen im März 2014 habe er die Universität Kassel um die Überprüfung seiner Dissertation "Kommunalpolitik in einer Gemeinde. Eine Untersuchung am Beispiel von Breuna" gebeten.

Die darauf folgende Prüfung dauerte knapp ein Jahr, dazu zählte: die Prüfung der Dissertation durch den Promotionsausschuss des Fachbereichs, ein externes Gutachten, die schriftliche und mündliche Stellungnahme des Promovenden sowie eine Einschätzung der Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Universität Kassel.

Laut Dippel gab es Verfahrensfehler

Dippel will das Ergebnis der Überprüfung jedoch nicht akzeptieren: "Ich werde den Bescheid und die Begründung abwarten und - Stand heute - Einspruch einlegen. Ich werfe mir nicht vor, vorsätzlich etwas gemacht zu haben", sagte er der dpa. Von 198 Seiten würden nur zwei oder drei bemängelt. Zudem sei nicht rechtens gewesen, wie verfahren worden sei. Es habe Verfahrensfehler der damaligen Hochschule gegeben, so Dippel.

Dippel, Jahrgang 1954, studierte Sozialwesen, politische Wissenschaften und Erziehungswissenschaften in Kassel. Er promovierte neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines hessischen CDU-Bezirksverbands. Bis 2014 war er zehn Jahre lang Bürgermeister von Fulda, seit Januar 2014 ist er Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration - kurz danach gab es die anonymen Hinweise.

Die SPD-Fraktion fordert laut "FAZ" nun personelle Konsequenzen. Der bestätigte Plagiatsvorwurf sei so schwerwiegend, "dass Herr Dippel zu einer Belastung für die Landesregierung würde", teilte die hessische SPD in Richtung Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit.

lgr



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insgesamt 30 Beiträge
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coyote38 17.02.2015
1. Wie niedlich ...
198 Seiten über "Kommunalpolitik in Breuna" ...? Und DAFÜR bekommt man in Deutschland einen Doktortitel ...? Ist ja putzig. Ich schicke Herrn Statssekretär Dippel mal bei Gelegenheit meine Diplomarbeit zu ... da wird ihm vermutlich wegen intellektueller Überforderung der Schädel explodieren ...^^
PowlPoods 17.02.2015
2. Nun
wenn man ehrlich ist, kein Mensch wundert sich doch über solche Meldungen. Man traut doch keinem der CDU/ CSU Politiker zu, einen Doktortitel rechtmässig zu erlangen. Alles Hilfsschüler.
Motorkopf 17.02.2015
3. Und mal wieder ein Konservativer!
Und solche Gestalten wollen unser Land würdiger und finanziell stabiler regieren als Parteien von links oder rechts außen? Da wundern sich viele, dass ein drittel der Bevölkerung nicht wählen geht...(alle politikverdrossen ;-))
wehwehwehdievernunft 17.02.2015
4. nicht nur Politiker
man sollte mal bei den Medizinern nachforschen, ich kenne da einige, die beschissen haben.
zuagroaster 17.02.2015
5. Mal ernsthaft...
Wenn man etwas finden möchte, findet man etwas. Fehler auf 2-3 Seiten? bei 200 Seiten Umfang? Glückwunsch, ist doch eine saubere Doktorarbeit. Was soll dieses willkürliche Aberkennen von Titeln, die man selbst von 20 Jahren vergeben hat? Dann haben doch damals die Prüfer lausig gearbeitet. Ich finde das unangemessen.
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