Plötzlich sind wir drei Wenn Jungs schwanger werden

Geht es um ungeplante Babys, dreht sich immer alles um die Mutter. Wieso eigentlich? Und was passiert mit Männern, die früh kalt erwischt werden - schon mit Anfang zwanzig? Franz, Max und Jan sind junge Väter. Hier erzählen sie, wie ihr Leben jetzt aussieht.

Von Meredith Haaf und Peter Wagner


Die ungeplante Schwangerschaft hat in der Ausrüstungskiste der kulturellen und gesellschaftlichen Debatten ihren festen Platz: Eine der berühmtesten Figuren der Literatur ist das Gretchen mit ihrem Kindsmord; kaum ein Recht ist so umstritten wie das auf Abtreibung; die Frage "Was tu’ ich, wenn ich schwanger werde?" stellt sich jedes Mädchen, sobald sie in Erwägung zieht, Sex zu haben.

Katharina Blitzl

Und der Film Juno über eine 16-Jährige, die von ihrem Kumpel schwanger wird und beschließt, das Baby auszutragen und einem älteren Ehepaar zur Adoption zu geben, ist so etwas wie eine Kinosensation.

Was nun auffällt: Geht es um Babys, zumal ungeplante, dreht sich alles um die Mütter. Ihr Umgang mit der Schwangerschaft und ihre Entscheidungen stehen im Mittelpunkt der Diskussionen. Sowieso wird in Deutschland viel über Mütter gesprochen und geschrieben: über junge Mütter, über Karrieremütter, über Leihmütter, über alleinerziehende Mütter.

Seit bald zwei Jahren gibt es eine Debatte darüber, wie viele Kinderkrippen es braucht, wenn man die demografische Entwicklung korrigieren und nebenbei die Gleichberechtigung der Geschlechter gewährleisten will. So gibt es jetzt immerhin zwei Vätermonate und Elterngeld und ein vages Versprechen für mehr Betreuungsplätze, doch trotzdem richtet sich die Diskussion immer noch und vor allem an der Rolle der Mutter aus. Erst vor kurzem betitelte der SPIEGEL eine Geschichte über die Entwicklung von Kleinkindern so: "Wie viel Mutter braucht das Kind?"

Aber was passiert eigentlich mit einem Jungen, der ein Kind gezeugt hat?

Nur selten wird, bei aller Rede von "Elterngeld" und "Vaterzeit", die Rolle der Väter beleuchtet. Vor allem vielen jungen Vätern hängt ein tendenziell schlechter Ruf an, schließlich kennt fast jeder eine alleinerziehende Mutter, die vom Erzeuger ihres Kindes sitzen gelassen wurde. Junge Männer stehen deshalb häufig im Ruch, kein Interesse an einer eigenen Familie zu haben und ihre Liebe zur Freiheit der Liebe zur Frau vorzuziehen.

Dabei weiß man zum Beispiel bei der Schwangeren-Konfliktberatung von Pro Familia in München Positives über die werdenden Väter zu erzählt. "Wir erleben die jungen Männer hier als sehr kooperativ und interessiert", sagt eine Beraterin. Nach ihren Angaben kommen etwa 20 Prozent der Jungen gemeinsam mit den Schwangeren zur Beratung. "Alleine kommen die wenigsten Jungs bei uns vorbei. Und wenn, dann nur bei sehr zerrütteten Beziehungen, wenn es um die Frage geht: Ist das Kind von mir? Oder: Wie schaffe ich es, mein Kind noch zu sehen, obwohl ich kein Sorgerecht habe?"

Generell reagierten die jungen Männer "mit einer Mischung aus Angst vor den Eltern und einem Gefühl der finanziellen Insuffizienz" auf den Nachwuchs. Und mit ein bisschen Distanz: "Für Frauen ist eine Schwangerschaft eben ein Ganzkörperereignis. Für Jungs ist das weit weg, bis das Kind dann kommt."

Wie ergeht es jungen Männern, die plötzlich Vater werden? Drei Erfahrungen:



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