Porträt Bernd Zeller Der Vorzeige-Ossi von Harald Schmidt

In Jena pflegt Bernd Zeller seinen etwas bizarren Humor. Bekannt ist der 35-Jährige als "Unser Ossi" aus der "Harald Schmidt Show", für die er auch Gags schreibt - und als Autor des Buches "101 Gründe, nicht zu studieren" über das Tollhaus Universität und seine Insassen.

Von Christian Fuchs


Zeller mit charmantem Ossi-Akzent bei Harald Schmidt
SAT.1 / BONITO

Zeller mit charmantem Ossi-Akzent bei Harald Schmidt

Über einer deutschen Großstadt reckt sich deren einziger Wolkenkratzer gen Himmel. Ein Flugzeug rast knapp vorbei. Darunter ist zu lesen: Daneben! Die dümmsten Terroristen der Welt. Das ist Bernd-Zeller-Humor. Zeller ist Gagschreiber und Humorist, Autor und Karikaturist. Seit seinen Auftritten als "Unser Ossi" in der "Harald Schmidt Show" wird er bundesweit erkannt. Daneben ist der 35-jährige Thüringer auch ein absoluter Kenner der Studentenszene. "Zehn Jahre habe ich recherchiert und in sechs Wochen alles aufgeschrieben", erklärt er die Entstehung seines ersten Buches "101 Gründe, nicht zu studieren".

Nach zehn Jahren Medizin-, Jura- und Kunststudium konnte Zeller aus dem Vollen schöpfen und beschreibt die Uni als Käfig voller Narren. In diesem Mikrokosmos gedeiht jede Art von Macken, Neurosen und Psychosen prächtig. Und genüsslich lästert Zeller über den "Befummel-Prof", die "Quotenfrau" oder den Burschenschafter.

Jeder bekommt sein Fett weg

Demnach entsprechen nicht alle Burschenschafter dem Klischee, dick, dumm und hässlich zu sein - schließlich gibt es immer wieder welche, die erst neu dabei sind. Jeder bekommt sein Fett weg, und dabei hätte Zeller noch viel mehr Gründe gewusst für seine Art von "Lebenshilfe".

Noch erfolgreicher war aber sein zweites Buch. Mit "101 Gründe, kein Ossi zu sein" landete er seinen ersten Bestseller. Von diesem Erfolg ist der Satiriker mehr als überrascht. Seine Begründung für fast zehntausend verkaufte Bücher lautet: "Von den ganzen Ost-West-Büchern ist dies das erste, bei dem sich Ossis und Wessis beide ärgern dürfen."

In den letzten Wochen erschienen seine beiden neuen Bücher "Quiz-life live" und Reality-Show" im Rake-Verlag. Neben den Buchprojekten zeichnet der Vorzeige-Ossi unter anderem für "Titanic", "Eulenspiegel", "Zitty", "Freitag", aber auch für die "Süddeutsche Zeitung". Meist sind es kleine Alltagssituationen, die ihren Witz erst beim zweiten Hinschauen offenbaren, aber auf den Punkt treffen. Rundliche, fast zu realistische Figuren mit Persönlichkeit schlängeln sich bei Zeller durch die Absurditäten des Alltags.

Erst die Wende, dann die "Titanic"

Kritiker sagen über seine Zeichnungen, dass sie "Traditional Jazz und Dixieland" glichen oder "gute akademische Ware" seien. Logo, bei einem Künstler, der fast das juristische Staatsexamen in der Tasche hatte und extra vier Jahre als Hilfskrankenpfleger in der DDR jobbte, um seinem Traum, Medizin studieren zu können, näher zu kommen. Aber alles kam anders: erst die Wende, dann die "Titanic". Denn die entdeckte Zellers in Eigenregie herausgegebenes Unterhaltungsmagazin "Heinz - für die schweigende Mehrheit".

Heinz: Für die schweigende Mehrheit

Heinz: Für die schweigende Mehrheit

Die Frankfurter Berufskomiker schwärmten von "Heinz". Und prompt bekam Zeller ein Angebot von Deutschlands erster Late-Night-Show mit Thomas Koschwitz. Er nahm an, schrieb Witze am Fließband und wechselte mit dem Start der "Harald Schmidt Show" nach Köln zu Sat.1.

Mittlerweile textet er seine Gags von zu Hause aus. Die Themen schickt die Redaktion "noch vor dem Aufstehen" nach Jena. Zeller überlegt kurz und schreibt dann die legendären One-Liner, die Schmidt am Anfang jeder Sendung abfeuert.

Für ihn gibt es nichts Schöneres, als am Ende eines Arbeitstages seine Ideen von Dirty Harry vorgetragen zu bekommen. Zeller hat auch kein Problem damit, dass ein anderer mit seinen Späßen den Applaus einheimst. Bei Benjamin von Stuckrad-Barre soll das anders gewesen sein, als der noch bei Harald Schmidt war, munkelt Zeller.

Viele der Jokes, die es nicht in die Show schaffen, verarbeitet der ehemalige Langzeitstudent im jährlich erscheinenden "Heinz" und zudem alle zwei Wochen in der Studentenzeitung "Akrützel", die er 1990 auch mitbegründete und deren erster Chefredakteur er war. Seine "Letzte Seite" ist Kult unter den Jenaer Studis. Nicht ohne Stolz erwähnt der Ex-Studentenvertreter, dass seine Seite erhalten werden sollte, als die Zeitung einmal kurz vor dem Aus stand.

Aber auch in der Uni-Mensa hat Zeller seine Spuren hinterlassen: Ein monumentales Fresko, auf dem eine landwirtschaftliche Szene in realsozialistischem Stil zu sehen ist. Trotzdem unverkennbar Bernd Zeller. Und weil seine Art Humor eben so unverwechselbar ist, scheint auch seine größte Angst, "dass jeder Witz mein letzter sein könnte", vollkommen unbegründet.





© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.