Boom der Privaten 137.800 Studenten lernen an Bezahlhochschulen

Immer mehr junge Leute suchen ihr akademisches Glück an einer privaten Hochschule: Innerhalb eines Jahres stiegen die Zahlen um zehn Prozent - und damit doppelt so stark wie die Anzahl an Studenten insgesamt.

Absolventen der Jacobs University Bremen (Archivbild): Immer mehr Studierende an privaten Hochschulen
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Absolventen der Jacobs University Bremen (Archivbild): Immer mehr Studierende an privaten Hochschulen


Private Hochschulen werden immer beliebter. Im Wintersemester 2012/13 waren knapp 137.800 Studierende an privaten Hochschulen eingeschrieben, zehn Prozent mehr als im Wintersemester davor. Die Zahl der Studenten insgesamt stieg in diesem Zeitraum hingegen nur um fünf Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit.

Seit dem Wintersemester 2000/2001 habe sich demnach die Zahl der Privathochschulstudenten knapp versechsfacht, sagte eine Mitarbeiterin des Amtes in Wiesbaden. Besonders stark legten die privaten Fachhochschulen zu: 85 Prozent der Privathochschulstudenten besuchten eine FH. Bei den Fächergruppen dominieren klar die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: 63 Prozent der Studenten an privaten Hochschulen sind in einem dieser Bereiche eingeschrieben.

Private Hochschulen locken gern mit attraktiven Abschlüssen, einer guten Lernatmosphäre und einer engen Anbindung an die Wirtschaft. Eine bessere Betreuungsrelation kann jedoch nicht die Ursache für den großen Zuspruch sein: Rechnerisch kommen bei den privaten Hochschulen sogar mehr Studenten auf eine Lehrkraft als bei den öffentlichen.

Bei den privaten war 2012/13 eine Lehrkraft für 26 Studenten zuständig, an öffentlichen nur für 16 Studenten. Das liegt allerdings auch am unterschiedlichen Verhältnis von Forschung und Lehre.

Doch der Zuspruch von zahlenden Studenten ist kein Erfolgsgarant: Privat-Unis bekommen immer wieder Geldprobleme. Erst kürzlich musste die Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin Insolvenz anmelden. Auch die private Jacobs University in Bremen überlebte bislang nur dank großzügiger Gaben von Staat und Stiftern. Und an der Privathochschule European Business School rückten kürzlich Ermittler aus, weil mindestens 1,6 Millionen Euro verschwunden sein sollen.

lgr/AFP/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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horst1109 06.05.2014
1. Da kann was nicht stimmen!
Ich habe Maschinenbau an einer öffentlichen Hochschule (Uni) studiert und da haben wir regelmäßig mit 300-400 Studenten bei einem Mathe-, Physik-, Mechanik- Professor gesessen. Wenn jetzt von einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 16 an öffentlichen Hochschulen gesprochen wird, dann frag ich mich wo?
Johannes62 06.05.2014
2. Kleider mögen Leute machen...
... aber noch lange keine Akademiker. Akademiker ist jemand, der an einer UNIVERSITÄT studiert hat - so ein Faschingskostüm braucht kein Mensch dazu, da mag die Schule noch so "hoch" sein.
prefec2 06.05.2014
3.
Zitat von horst1109Ich habe Maschinenbau an einer öffentlichen Hochschule (Uni) studiert und da haben wir regelmäßig mit 300-400 Studenten bei einem Mathe-, Physik-, Mechanik- Professor gesessen. Wenn jetzt von einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 16 an öffentlichen Hochschulen gesprochen wird, dann frag ich mich wo?
Bei großen Unis ist der Betreuungsschlüssel immer etwas schlechter, weil dort mehr Studierende pro Veranstaltung sind. Davon abgesehen gibt es neben den Profs auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter auf Landesstellen und andere Tutoren, welche die sich z.B. um Tutorien oder Praktika kümmern. Zudem nach den ersten 2-4 Semestern sind von den 400 Studierenden noch 200 übrig. IMHO wird bei der Berechnung des Betreuungsschlüssel die Studierendenzahl durch die Zahl der für die Lehre zuständigen Mitarbeiter und Professoren geteilt. Bei uns in Betriebsysteme saßen manchmal nur 12 Leute und das bei einem Prof und einer Mitarbeiter für das Modul. BTW: Wenn man nach Berechung betreuungsschlüsse universität such liefert Google "Der Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen 2013" ;-)
prefec2 06.05.2014
4.
Zitat von Johannes62... aber noch lange keine Akademiker. Akademiker ist jemand, der an einer UNIVERSITÄT studiert hat - so ein Faschingskostüm braucht kein Mensch dazu, da mag die Schule noch so "hoch" sein.
Ich habe an noch keiner Uni bei Absolventenfeiern Leute in solchen Roben gesehen. Nur Doktoranden bekommen nach ihrer Verteidigung so einen Hut, allerdings mit spezieller Dekoration drauf. Die Kutte ist nur reaktionär aber eben nicht akademisch.
opinion13 06.05.2014
5. Alberne Hüte!
Zitat von sysopDPAImmer mehr junge Leute suchen ihr akademisches Glück an einer privaten Hochschule: Innerhalb eines Jahres stiegen die Zahlen um zehn Prozent - und damit doppelt so stark wie die Anzahl an Studenten insgesamt. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/privatunis-deutlich-mehr-studenten-studieren-an-privaten-hochschulen-a-967864.html
Der Boom an Bezahlhochschulen beweist nur, dass es in Deutschland mehr Geld als Hirn gibt. Man kann eben mittlerweile auch Uni-Abschlüsse kaufen. Es lebe der freie Markt. Bildiung für alle und Sozialstaat sind tot.
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