Pro & Kontra Sind Hochschulrankings für den Wettbewerb unverzichtbar?

Oft stöhnen Wissenschaftler über den Aufwand, der mit Rankings verbunden ist - und bezweifeln den Wert des großen Wiegens und Messens. Die Vor- und Nachteile beleuchten Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Oldenburger Soziologe Michael Daxner.


Pro Rankings

Dr. Volker Meyer-Guckel, Stellv. Generalsekretär, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft:

Hochschulen schwanken im Umgang mit Rankings nicht selten zwischen akademischer Verachtung eines solchen "hochschulunwürdigen" Instruments und einer unausgesprochenen Angst vor "Risiken und Nebenwirkungen" bei demonstrativer Nichtbeachtung. Dabei ist empirisch längst bewiesen: Rankings spielen für Studienentscheidungen mittlerweile eine bedeutende Rolle. Das ist gut fürs Hochschulsystem. Sie schaffen für Studierende Transparenz über die Qualität der vielen Angebote. Sie ermöglichen qualifizierte Studienentscheidungen.

Von Rankings profitieren besonders Studierende aus nichtakademischen Elternhäusern, die nicht schon am Küchentisch erfahren, welche Hochschulen als die besten eingeschätzt werden. Auch wenn nicht alle Rankings methodisch perfekt sind, so haben sie sich doch in den letzten Jahren stark verbessert.

Wer ihnen die Aussagefähigkeit abspricht, sollte sich fragen, weshalb in ganz unterschiedlichen Rankings fast immer die gleichen Hochschulen vorne (und hinten) sind. Und gerade für Hochschulen auf den hinteren Rängen sind Rankings wertvoll: Einen wirksameren Anstoß für Qualitätsdebatten und verbesserungen gibt es nicht.


Kontra Rankings

Prof. Dr. Michael Daxner, Konflikt- und Hochschulsoziologe an der Universität Oldenburg:

Vergleichbare Institutionen werden seit jeher verglichen, sortiert. Die Entscheidungen für eine Hochschule sind ein recht gut erforschtes Gemisch: Gerede über die Hochschule, lebensweltliche, traditionelle Ansichten über sie, Fakten über ihr urbanes Umfeld, Erlebniswert, Sozialeinrichtungen, soziale und kulturelle Erwartung. Und vielleicht auch Informationen aus Marketing, Studienführern, Erfahrungsberichten und Legenden.

Für die Wahl des Studienortes sind demografische, sozialstrukturelle und milieuabhängige Fakten zusätzlich wichtig; für eine Bewerbung zählt der Ruf der Hochschule weniger als Stellenqualität, Arbeitsumfeld, soziale Sicherung. Erst wenn das Ranking offiziösen Charakter bekommt, das heißt objektiviert wird und sich über quantitative Parameter und plausible, nicht empirische Werturteile als veröffentlichte Meinung geriert, wird es manipulativ.

Wer die Kriterien auswählt, gewinnt Macht über den nächsten Entwicklungszyklus der beteiligten Hochschulen, auch über die, die gar nicht mitgemacht haben. Rankings behindern illegitim die Ausdifferenzierung der Institutionen nach den Kriterien von Wissenschaft, staatlicher Lizenzierung und Öffentlichkeit.



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