Betreuung an Universitäten Ein Professor für 99 Studenten

Wie viele Studenten ein Professor betreut, unterscheidet sich von Land zu Land: In Mecklenburg-Vorpommern sind es 50, in Nordrhein-Westfalen doppelt so viele. Hier erfahren Sie, wie Ihr Land abschneidet.

Vorlesung in Bochum (Archivbild)
DPA

Vorlesung in Bochum (Archivbild)


Die Zahl der Studenten klettert seit Jahren nach oben. Im laufenden Wintersemester sind 2,8 Millionen Studenten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben. Das ist eine große Herausforderung, denn nicht überall gibt es genügend Hörsäle, Wohnheimplätze - und Professoren.

Bundesweit hat sich der Betreuungsschlüssel an den Universitäten in den vergangenen zehn Jahren deutlich verschlechtert: Kamen 2005 noch 62 Studenten auf einen Professor, waren es 2015 schon knapp 73 Studenten. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor.

Die Statistiker arbeiten dabei mit Vollzeitäquivalenten. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel zwei Professoren, die beide nur eine halbe Stelle haben, zu einer vollen Professorenstelle zusammenzählen. Lehrpersonal, das aus Drittmitteln finanziert wird, ist nicht mit eingerechnet.

Auffällig ist, dass die Bundesländer sehr unterschiedlich abschneiden, was die Betreuungssituation betrifft. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 52 Studenten pro Professor. Schlusslicht ist - mit großem Abstand - Nordrhein-Westfalen, wo fast hundert Studenten auf eine volle Professorenstelle kommen.

Klicken Sie auf die Karte, um die Betreuungsrelation für einzelne Bundesländer zu sehen:



Die Personallage an den Hochschulen ist schon lange angespannt. Viele Wissenschaftler hangeln sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag. Es sei unhaltbar, dass immer mehr Lehraufgaben von befristet beschäftigtem Personal erbracht würden, kritisierte jüngst der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler. Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert eine "Entfristungsoffensive".

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war vom Betreuungsschlüssel an Hochschulen die Rede. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts beziehen sich jedoch ausschließlich auf Universitäten und ihnen gleichgestellte Hochschulen, einschließlich der Kunsthochschulen. Fachhochschulen sind somit von der Statistik ausgenommen.

lov

insgesamt 22 Beiträge
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thequickeningishappening 03.01.2017
1. Bei Hundert Studenten kann der Professor
die Vorlesung auch als CD veröffentlichen! Zwölf waeren optimal für's Feedback!
hlschorsch 03.01.2017
2. verfälschte Statistik
Wer auch immer diese Statistik gemacht hat, hat keine Ahnung vom aktuellen Zustand der Hochschulen: die Hauptarbeit der Betreuung wird von Personal unterhalb der professoralen Ebene erbracht. Ebenso an der Realität vorbei geht es, wenn Drittmittel-Personal *nicht* berücksichtigt wird.
Leser161 03.01.2017
3. Ja und?
Der Professor ist doch nur der Typ der da vorne steht, solange der Hörsaal gross genug ist und das Lautsprechersystem in Ordnung ist, wo ist das Problem? Oder soll der Professsor jetzt andauernd Kleingruppengespräche mit den Studis führen? Ich mein ich weiss ja das sich da einiges geändert hat im Studium, aber ein Universitätsabschluss ist deshalb ein Qualifikationszeichen weil er zeigt, das man sozial, organisatorisch und intelektuell klarkommst, ohne das man andauernd betreut wird. Wichtige Eigenschaft in der Wirtschaft. Was nützen mehr und schnellere Absolventen, wenn deren Leistungsniveau Mitte zwanzig weiterhin auf Abiturhöhe liegt? Da lügt man sich doch in die Tasche.
diderot_2013 03.01.2017
4.
"Schlusslicht ist - mit großem Abstand - Nordrhein-Westfalen, wo fast hundert Studenten auf eine volle Professorenstelle kommen." In NRW befindet sich auch die größte staatliche Universität Deutschland, die Fernuniversität Hagen. Dass die Professoren einer Fernuniversität sehr viel mehr Studierende betreuen können als die Professoren einer Präsenzuniversität, liegt in der Natur der Sache. Um die Statistik nicht verfälschend zu interpretieren, müsste man also die Fernuniversität herausnehmen. Und wie schon ein anderer bemerkte: außerdem müssten nicht nur Professoren gezählt werden, sondern alle wissenschaftlichen Lehrkräfte.
gumbofroehn 03.01.2017
5. @hischorsch
Absolut richtig, die Kennzahl Studierende pro Professor ist überhaupt nicht aussagekräftig. Das gilt für die Universitäten, an denen die Hauptlast in der Lehre durch den Mittelbau getragen wird und auch für die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (den Älteren noch als Fachhochschulen bekannt), an denen erhebliche Anteile der Lehre durch Lehrbeauftragte erbracht werden. Es ist aus fiskalischer Sicht auch vollkommen nachvollziehbar, dass die Länder jetzt nicht mehr auf Teufel komm raus Beamtenstellen für Professoren schaffen wollen. Schließlich (und dieses Mal lässt der Geburtenrückgang definitiv nichts anderes mehr zu) werden in den kommenden Jahren die Erstsemesterzahlen deutlich zurückgehen. Dass im Bildungssystem nicht ausreichend investiert wird, ist unbestritten. Die größten (und volkswirtschaftlich teuersten) Missstände findet man allerdings nicht bei den Universitäten und Hochschulen, sondern bei den Grundschulen und Kindergärten. Dass die HRK das naturgemäß anders sieht, verwundert nicht.
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