Studentenboom Kultusminister korrigieren Studienanfängerzahl erneut nach oben

Kein Ende in Sicht: Auch in Zukunft werden wohl eine halbe Million Erstsemester pro Jahr an die Unis strömen, sagt die Kultusministerkonferenz jetzt voraus. Sie korrigiert damit frühere Prognosen deutlich nach oben.

Ganz schön voll (Archiv): Erst 2025 werden wohl allmählich weniger junge Menschen ein Studium aufnehmen
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Ganz schön voll (Archiv): Erst 2025 werden wohl allmählich weniger junge Menschen ein Studium aufnehmen


Es bleibt eng an Deutschlands Hochschulen: Zuletzt haben in Deutschland so viele junge Menschen ein Studium aufgenommen wie nie zuvor - daran wird sich wohl auch in den kommenden Jahren wenig ändern, teilte die Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag in Bonn mit.

Alle paar Jahre berechnen die Kultusminister, wie viele junge Menschen ein Studium aufnehmen werden. Naturgemäß lässt sich das nicht exakt vorhersagen. Doch ihre Zahlen sind eine Grundlage dafür, wie viel Geld an die Hochschulen fließt. Jetzt hat die KMK eine neue Prognose für die Jahre 2014 bis 2025 erstellt.

Im Jahr 2013 gab es laut KMK rund 507.000 Erstsemester in Deutschland, bis zum Jahr 2019 rechnen die Minister weiter mit rund 500.000 neuen Studenten jährlich. Erst danach sei ein allmählicher Rückgang auf 465.000 Studienanfänger im Jahr 2025 zu erwarten. Damit hat sich die KMK im Jahr 2009 deutlich verschätzt: Damals rechnete sie mit rund 374.000 Studenten im Jahr 2020.

Zuletzt nahmen so viele junge Menschen wie nie zuvor ein Studium auf, weil die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und in vielen Bundesländern zwei Jahrgänge gleichzeitig ihr Abitur geschrieben haben. Jetzt erklärt die KMK die anhaltend hohen Anfängerzahlen damit, dass viele ausländische Studenten in Deutschland lernen; die Zahl sei auf rund 84.000 pro Jahr angestiegen. Zudem würden in Deutschland immer mehr Schüler Abitur machen.

Die Frage ist nun: Wie wird diese aktuelle Prognose den Hochschulpakt beeinflussen? Donnerstagnacht wird der Bundestag laut Tagesordnung über einen Antrag der Grünen-Fraktion beraten. Sie fordert die Regierung auf, den Hochschulpakt fortzusetzen und aufzustocken.

Vor einem Jahr hatten die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern beschlossen, die Finanzhilfen für die Hochschulen wegen der anhaltend hohen Studienanfängerzahlen bis 2015 um rund 4,4 Milliarden Euro aufstocken. Den Grünen reicht das nicht: "Der Studierendenboom hält an", teilte deren bildungspolitischer Sprecher Kai Gehring mit, "er darf nicht ausgebremst, sondern muss in Bildungschancen umgemünzt werden."

Typologie der Uni-Neulinge

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beamter_aus_leidenschaft 08.05.2014
1.
Zitat von sysopDPAKein Ende in Sicht: Auch in Zukunft werden wohl eine halbe Million Erstsemester pro Jahr an die Unis strömen, sagt die Kultusministerkonferenz jetzt voraus. Sie korrigiert damit frühere Prognosen deutlich nach oben. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/prognose-der-kmk-zahl-der-studienanfaenger-bleibt-hoch-a-968390.html
Hmm ... was bleibt auch den Leuten übrig, da alles andere als ein Studium fast langfristigen guten Jobaussichten bringt? Problem ist, nur dass die Stellen für Akademiker nicht mehr geworden sind, sondern nur umverteilt. Heute stehen promovierte Chemiker im Labor als besserer Laborant, aber immerhin stehen sie da - Berufseinstieg. Man braucht sich natürlicherweise nicht mehr über das Niveau der Unis wundern - ganz normal. Heute werden die Praktika und Seminar vom Semester eins drüber geschmissen ... der Prof muss den Drittmitteln hinterjagen oder wird ständig von den geistigen Tieffliegern aufgehalten, die früher einfach nie auf einer Uni aufgeschlagen wären. Alles verschult bis ins Detail - kaum noch Eigenständigkeit gefordert, Lernkontrollen etc... Ich habe das noch mitgemacht und jedes Jahr wurde es schlimmer - immer dann wenn ein erfahrener akademischer Rat aus dem Mittelbau in Rente oder Pension gegangen ist. Dann kam da niemand oder es kam dann doch jmd., der das lausige Gehalt akzeptieren musste, weil er fachlich (und oft auch menschlich) von der Wirtschaft zuvor aussortiert worden war. Ich wäre gerne an der Uni als Dozent geblieben oder die Professur angestrebt, aber zu den Bedingungen? Verdiente nach einem Jahr soviel wie mein Doktorvater mit 35 Jahren Forschungsexpertise und 30 Mitarbeiter am Institut - unfassbar eigentlich.
tschierva 08.05.2014
2. Leidtragende ...
sind nicht zuletzt die Professoren, die die stark angestiegenen Studentenzahlen mit Lehre versorgen müssen. Kurse müssen zwei-/mehrfach gehalten werden, aber werden z.T. nur einfach auf das Lehrdeputat angerechnet (!). Die Lehrverpflichtung von 8-10 Std. ist häufig längst markant überschritten. Oder Lehre wird an Doktoranden, Postdocs, externe Privatdozenten mit kümmerlicher Bezahlung "ausgelagert". Zum Nachteil der Ersatzlehrenden und der Studenten. Hinzu kommt eine Evaluation nach der anderen, viele Verwaltungsaufgaben und natürlich - plus exzellente Weltklasse-Forschung mit laufenden Publikationen sowie hohe Drittmitteleinwerbung. Das alles mit im internationalen Vergleich geringen W3-Gehältern. Wenn überhaupt - apl. Profs mit TVL, W1, W2 etc. ganz aussen vor gelassen. Ich habe das deutsche Univ.-System von 1996 bis 2009 als Dozent, C2 etc. erlebt. Seit Anfang der 2000er Jahre verlor der Universitätsbereich an vielen Standorten sukzessive ihre Attraktivität. Verbleibender Vorteil (falls man das so verstehen wollte): wer eine feste Stelle ergattert, ist unkündbar. Einige haben sich dann je nach Temperament zu Lasten der "Kollegen" innerlich zurückgezogen oder haben ihre Egos ausgelebt. Nach dem Motto: big fish, small pond. Andere haben sich mit viel Engagement in der Arbeit verloren, letztlich häufig zum eigenen Schaden und der der Familie. Heute kann froh sein, wer den Absprung geschafft hat und in die Industrie bzw. industrielle Forschung wechseln konnte. Auch dort gibt es Vor- und Nachteile. Aber das Gesamtpaket aus Verdienst, Work-Life-Balance, Arbeitsatmosphäre und Forschungsmöglichkeiten ist in vielen Firmen weit stimmiger als im Universitätsbereich.
kuschl 08.05.2014
3. Ohne Gesamtkonzept
Da haben unsere Bildungslandesfürsten alle Klimmzüge gemacht, die Abiturientenzahlen nach oben zu treiben und durch G8 ein billigeres Abitur hinzukriegen und nun wundert man sich über den Ansturm auf die Unis. NC, wo man hinschaut und Wohnverhältnisse, die man keinem Asylanten zumuten würde. Wie man sieht, alles bestens geplant durch unsere Föderalen. Da kommt noch eine schön frustrierte low budget Generation auf uns zu!
spiegel-kommentar 08.05.2014
4. Qualität?
Mittlerweile bekommt jeder mittelmäßig begabte Hauptschüler die "Hochschulreife" nachgeworfen, sobald er die Ausbildung abgeschlossen hat und fühlt sich dann natürlich in der Lage, zu studieren. Es wird Zeit, dass die Qualität mal wieder in den Vordergrund rückt.
Supertramp 08.05.2014
5. für nicht EU Studenten sollten Gebühren eingeführt werden
Besonders bei Chinesischen Studenten ist die Deutsch Lernbereitschaft relativ gering. Sie machen hier die begehrten Master Studiengänge ohne Studiengebühren zu zahlen. Der Großteil der asiatischen Studenten geht danach direkt wieder zurück ins Heimatland ohne wirklich deutsche Steuern gezahlt zu haben.
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