Prominenter Studienabbrecher Teufel kommt raus

Fünf Semester lang hielt er durch, jetzt sagt Erwin Teufel, 68, leise Servus: Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident beendet sein Philosophiestudium in München. Er sieht sich selbst aber nicht als Studienabbrecher.


Einer der prominentesten deutschen Studenten kam schon als Erstsemester ins Straucheln: "Ich habe manches versäumt", gestand Erwin Teufel, kurz nachdem er sich zum Wintersemester 2005 an der Münchner Hochschule für Philosophie eingeschrieben hatte. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident pendelte auch während des Semesters zwischen Hörsaal und Landtag, denn er war bis zur Landtagswahl 2006 noch Abgeordneter.

Erwin Teufel (beim Studienstart 2005): "Gereut hat's mich keine Stunde"
DPA

Erwin Teufel (beim Studienstart 2005): "Gereut hat's mich keine Stunde"

Als jetzt der Deutsche Ethikrat anklopfte und Teufel als Gremiumsmitglied gewinnen wollte, passten Vorlesungen und Ehrenämter wohl beim besten Willen nicht mehr in seinen Kalender. Fürs Grundstudium hatte Teufel fünf Semester gebraucht - normale Vollzeitstudenten ohne Regierungsvergangenheit schaffen das meist in vier Semestern.

Teufel zieht einen Schlussstrich und kehrt dem Hörsaal den Rücken. "Ich breche nicht ab, denn ich habe immer gesagt, dass ich keinen Abschluss anstrebe", sagte er am Montag in Stuttgart. Die Berufung in den Ethikrat sei ein wesentlicher Grund für den Abschied von der Münchner Hochschule der Jesuiten. "Gereut hat's mich keine Stunde", so Teufel zu seinem späten Studentenleben. Im fünften Semester habe er festgestellt, dass sich einige Studieninhalte wiederholen; dies habe sich beim Lesen des Vorlesungsverzeichnisses für das sechste Semester bestätigt. Mehr wollte Teufel zu seinem Studium nicht sagen: "Das gehört zu meinen privaten Dingen."

"Jahrzehnte fast nur für die Politik gelebt"

Teufel hatte noch während seiner letzten Monate als Ministerpräsident durchblicken lassen, dass das Philosophiestudium sein großer Traum sei. Im Oktober 2005 besuchte der Erstsemester Teufel die ersten Vorlesungen an der Jesuitenhochschule - unter Beobachtung von Fotografen und Fernsehteams, die ihn mit Notizblock und Bleistift in den Reihen vier Jahrzehnte jüngerer Studenten aufnahmen.

Für Furore sorgen wollte Teufel keineswegs, sondern sich einfach nur weiterbilden: "Ich habe bisher zeitlich gesehen über Jahrzehnte fast nur für die Politik gelebt", bekannte Teufel auf die Frage, warum er mit 66 Jahren noch ein Studium beginnen wolle. In München bezog er sogar eine richtige Studentenbude in einem Wohnheim und stellte "einen schönen Schreibtisch, einen runden Tisch mit Sitzgruppe und Bilder aus der Heimat" hinein, so die "Bild"-Zeitung.

Die mahnenden Begrüßungsworte von Hochschulrektor Michael Bordt an alle 130 Erstsemester musste Erwin Teufel bereits im ersten Semester persönlich nehmen - Bordt hatte nämlich prophezeit, dass die Studenten während ihres Studiums früher oder später in eine Krise geraten würden. Bei Teufel war es eine Zeitkrise: Die Stiftungsämter und Beiratstätigkeiten, die er bereits während seiner Zeit als Regierungschef angenommen hatte, belasteten den studentischen Spätzünder.

Wenig später wurde bekannt, dass er es gar nicht auf einen Magisterabschluss abgesehen hatte, sondern nur das Grundstudium beenden wollte. Und Teufel will auch nach der Exmatrikulation weiterlernen: "Das Studium endet nicht, es endet nur die Vorlesung in München."

wie/dpa

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