Londoner Studenten gegen hohe Mieten "Wir zahlen nicht!"

Londoner Studenten wollen die steigenden Mieten für ihre Zimmer nicht länger hinnehmen. Sie weigern sich, das Geld zu zahlen - auch wenn sie damit ein Risiko eingehen.

Londoner Studenten rufen zum Protest gehen Mietpreise auf: "Zahlt nicht"
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Londoner Studenten rufen zum Protest gehen Mietpreise auf: "Zahlt nicht"


Sie riskieren bewusst den Rauswurf. Mehr als 1000 Studenten in London wollen die Mieten für ihre Zimmer nicht überweisen, berichtet die Zeitung "The Guardian". Die Studenten protestieren damit gegen immer höhere Mietpreise in den Wohnheimen ihrer Hochschulen und gegen die gleichzeitige Kürzung von Stipendien.

Die einbehaltenen Mieten beliefen sich auf eine Million Pfund, heißt es in dem Bericht. Diese Summe könnte noch steigen, wenn sich weitere Kommilitonen an dem Zahlungsstreik beteiligen. Studenten des University College London (UCL) haben dazu eine Kampagne gestartet. "Zahlt nicht!" steht auf einem der Plakate. "Wenn ihre eure Miete noch nicht gezahlt habt, bedenkt, welchen Einfluss ihr habt, wenn ihr damit wartet."

Am UCL läuft die Zahlungsfrist an diesem Freitag ab. Hier wollen sich rund 700 Studenten weigern, die Miete zu begleichen. Am Goldsmiths beteiligen sich rund 300 Studenten an dem Protest. Außerdem machen Dutzende Studenten von Roehampton und dem Courtauld Institute mit.

Sie kritisieren, dass über die hohen Mietpreise eine "soziale Säuberung" der Hochschulen erfolge. Ärmere Studenten würden damit ausgeschlossen. Die Mietpreise für die verschiedenen Unterkünfte des UCL bewegen sich laut der Website der Hochschule zwischen rund 120 und 260 Pfund pro Woche. Das wären umgerechnet rund 500 bis 1300 Euro pro Monat.

"Die Mieten sind einfach zu hoch, das schreckt immer mehr Studenten von einem Studium in London ab", sagte Joe, ein Student bei Goldsmiths, dem "Guardian". "Wir glauben: Universitäten haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass Bildung nicht am Geld scheitert."

"Zu erschöpft um zu studieren"

Ein Dozent bei Goldsmiths, der seinen Namen nicht nennen will, warnte vor einem dramatischen Einfluss der Wohnungspreise auf das Studium: "Einige Studenten haben zwei oder drei Jobs, um sich die Mieten leisten zu können. Sie kommen nicht zu den Vorlesungen, vor allem morgens. Einige arbeiten bis fünf Uhr morgens und sind einfach zu erschöpft, um noch zu studieren."

Ein UCL-Sprecher gab zu, dass die Mieten an der Hochschule seit 2010 um 40 Prozent gestiegen seien. Die Mehreinnahmen habe man aber verwendet, um die Unterkünfte zu verbessern. Die Mieten auf dem Campus seien außerdem weniger gestiegen als auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt der Hauptstadt.

In London sind Mieten nach einer Erhebung der internationalen Immobilienberatungsfirma CBRE weltweit am höchsten. Für eine Zweizimmerwohnung zahlt man demnach auf dem freien Markt im Schnitt mehr als 2000 Pfund, also mehr als 2500 Euro.

"Die Lebenshaltungskosten in London sind im Ganzen eine Herausforderung für die Universität", sagte der UCL-Sprecher. Die Forderung, die Mieten in den Wohnheimen um 40 Prozent zu kürzen, wies er zurück. Dies würde es der Hochschule unmöglich machen, Wohnraum bereitzustellen. Rund ein Drittel der Mieten habe man aber leicht gesenkt oder auf dem derzeitigen Stand für 2016/17 eingefroren.

Deutschland: Knapp jeder Zehnte findet Wohnheimplatz

Auch in Deutschland klagen Studenten häufig über hohe Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt. Ein Zimmer im Studentenwohnheim könnte eine günstige Alternative sein, aber hier fehle es an Kapazitäten, kritisiert das Deutsche Studentenwerk (DSW).

Die Zahl der Studenten sei seit 2005 um rund 40 Prozent auf fast 2,8 Millionen gestiegen. "Im selben Zeitraum sind die öffentlich geförderten Wohnheimkapazitäten aber nur um fünf Prozent gewachsen", sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Deshalb kam in Studentenwohnheimen zuletzt nur noch knapp jeder zehnte Student unter. Im Jahr 2005 waren es noch zwölf Prozent. Vor allem in beliebten Uni-Städten und Ballungsgebieten werde der Wohnungsmangel immer schlimmer, sagt Meyer auf der Heyde.

Notwendig seien deshalb zusätzlich mindestens 25.000 günstige, staatlich geförderte Wohnheimplätze. Meyer auf der Heyde: "Man kann ja nun nicht die Marktprobleme, die seit Jahren zu erwarten waren, den Studenten anlasten."

fok/dpa



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