Psychologie Wenn 40-Jährige von Abi-Prüfungen träumen

Sie träumen ständig davon, Klausuren schreiben zu müssen? Obwohl Sie seit Jahren berufstätig sind? Ein Traumforscher verrät, was dahintersteckt - und wie Sie aus der Endlosschleife rauskommen.

Abiturprüfung
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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Herr Schredl, ich arbeite seit mehreren Jahren als Journalistin, träume aber immer wieder davon, dass ich mein Abi noch einmal machen muss oder den Uni-Abschluss. Geht es nur mir so?

Michael Schredl: Je höher der Bildungsgrad einer Person, desto eher träumt sie davon, durch eine Prüfung zu fallen. Vor allem diejenigen, die viele Prüfungen erfolgreich bestanden haben, haben diese Prüfungsträume. Das ist ungefähr bei zwölf Prozent der Deutschen der Fall, wie eine repräsentative Umfrage ergab. Selbst Sigmund Freud erging es schon so.

Zur Person
  • Privat
    Michael Schredl, 55, studierte erst Elektrotechnik, dann Psychologie. Schredl hat sich auf die Traumforschung spezialisiert und untersucht unter anderem, warum Menschen träumen, was sie träumen. Er leitet das Schlaflabor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

SPIEGEL ONLINE: Warum träumt man, durch Prüfungen zu fallen?

Schredl: Solche Träume hat man, wenn man denkt, auf der Arbeit könnte etwas schiefgehen oder der Vorgesetzte könnte die eigene Leistung negativ bewerten, obwohl man seine Sache gut macht.

SPIEGEL ONLINE: Treten die Träume vermehrt auf, wenn man Stress im Job hat?

Schredl: Dazu gibt es leider keine Studien, aber das wäre zu vermuten. Je mehr Stress man hat, umso mehr Albträume bekommt man zumindest. Studenten träumen häufiger von Prüfungen, aber sie stehen ja ohnehin die meiste Zeit unter Prüfungsstress.

SPIEGEL ONLINE: Was kann man tun, damit diese Träume nicht wiederkehren?

Schredl: Solche Träume enden meist mit einem unangenehmen Gefühl. Um das zu vermeiden, versetzt man sich tagsüber gedanklich noch einmal in den Traum, in die erlebte Traumsituation und versucht, den Konflikt zu lösen. Dann schreibt man sich den Traum und ein gutes Ende dafür auf.

SPIEGEL ONLINE: Wie genau funktioniert das?

Schredl: Zunächst sollte sich der Träumer fragen, was an dem Traum unangenehm ist und wieso es so schwer fällt, angemessen darauf zu reagieren. Wichtig ist es dann, eine Lösung zu finden. Entweder er sagt sich, dass er die Prüfung bestehen wird, weil er genug gelernt hat, oder dass er die Nachholklausur schreiben wird, weil er nicht genug gelernt hat.

SPIEGEL ONLINE: Und das funktioniert?

Schredl: Wenn man aufwacht und deshalb aus der Situation geht, ohne sie zu lösen, wird die Angst noch größer. Deswegen spielt es eine so große Rolle, ein positives Ende für den Traum zu finden. Wenn man das einmal am Tag zwei Wochen lang für fünf bis zehn Minuten übt, werden die negative Prüfungsträume nicht wiederkommen. Stattdessen werden die Träume einen guten Ausgang nehmen, weil man im Traum konstruktiver mit den auftauchenden Problemen umgeht.



insgesamt 43 Beiträge
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chrisho 06.11.2017
1. Klartaraum
Eine wirksame Alternative mit Albträumen fertig zu werden sind sogennate Klarträume, bei denen man im Traum das Bewusstsein erlangt, gleichzeitig der Traum aber nicht endet. Mit etwas Übung lässt sich dieser Zustand aktikv herbeiführen. Man kann sich direkt im Traum damit auseinandersetzen und die unangenehme Situation effektiv auflösen. Hatte selbst guten Erfolg damit.
harald441 06.11.2017
2. Noch jahrzehntelang nach meinem
Diplomabschluß an der Technischen Universität hatte ich immer wieder denselben Traum: Ich ging durch die Abteilungen und Institute, um mir bestätigen zu lassen, daß ich von dort keine Bücher mehr entliehen hatte und anderes mehr. Und dann sagte mir der Assistent in seinem Bürozimmer am Institur für Mathematk: "Tut mir leid, Herr ....., wir können Ihnen Ihr Diplom nicht geben, es fehlt noch eine Klausur, die sie damals nicht bestanden hatten...!" Diesen Traum hatte ich mehrmals innerhalb von vielleicht dreißig Berufsjahren mit genau demselben Ablauf geträumt.
3-plus-1 06.11.2017
3.
Ich träume ab und zu davon, dass nachträglich festgestellt wurde, dass im Prüfungsrahmen ein Fehler vorlag. Selber bin ich dabei nicht durch die Endprüfung gefallen, aber es lag ein Fehler in der Prüfungsordnung vor: Die Urkunde (Abi, Diplom, usw.) wurde vergeben, obwohl ein erforderlicher Kurs nicht belegt war. In meinem Traum müssen dann alle betroffenen des Jahrgangs eben diesen Kurs nachholen, andernfalls würde der Abschluss rückwirkend aberkannt. Weil aber der Fehler auf Seiten der Prüfungskomission erfolgt ist, handhabt man die Erfüllung dieses Nachholkurses relativ entgegenkommend und bietet Abendkurse, in etwa wie bei der Volkshochschule an. Den Kurs regelmäßig zu besuchen erscheint mir dann zwar lästig aber unvermeidbar. Es ist aber nicht angstgetrieben sondern eher ein bischen spannend, lange nicht mehr gesehene Mitschüler wieder zu treffen und auch die Schule/Uni wieder zu sehen und zu entdecken was sich dort verändert hat (die Kurse finden dort abends nach dem regulären Unterricht statt). Im Gegensatz zu echten Albträumen (die ich nur bei hohem Fieber habe) brauche ich hierbei nach dem Aufwachen richtig lange, um zu realisieren, dass das nicht real war. Das Ganze ist nicht skuril, wie Träume sonst, sondern wirkt auch in frisch aufgewachtem Zustand durchaus plausibel. Wenn ich dann realisiere, dass das nur ein Traum war, empfinde ich so eine komische Mischung aus Erleichterung und ein bischen Bedauern.
twistedbrain 06.11.2017
4. Na,
das war ja mal ein kurzes Interview. und der Spiegel Verlag hat ihr ihre Traumdeutung bezahlt :D
harryhorst 06.11.2017
5. Es gibt auch andere Möglichkeiten
Bei mir hilft es, derartig angstbesetzte Träume einfach zu vermeiden, indem ich dafür sorge, gar nicht erst in den Schlaf zu fallen. Bis jetzt hat das gut funktioniert.
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