Studienfach im Überblick Alle Fakten rund ums Psychologie-Studium

Wie kommt man an einen der umkämpften Studienplätze in Psychologie, wie läuft das Studium ab und welche Alternativen gibt es? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Psychologie-Abteilung einer Buchhandlung
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Psychologie-Abteilung einer Buchhandlung

Von Sylvia Lundschien


Menschliches Verhalten verstehen und erklären - Psychologie ist eines der beliebtesten Fächer an deutschen Unis. Knapp über 70.000 Studenten zählte das Statistische Bundesamt im Wintersemester 2016/17. Berüchtigt ist der Studiengang vor allem für seinen strengen Numerus clausus. Wie schafft man es, einen der begehrten Plätze zu ergattern? Welche Berufschancen gibt es nach Ende des Studiums? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wo kann ich in Deutschland Psychologie studieren?

Psychologie wird deutschlandweit an vielen Universitäten angeboten - entweder als Vollfach oder als Teilgebiet wie Wirtschaftspsychologie oder Sportpsychologie. In den meisten Fällen wird der Studiengang in Vollzeit studiert, kann aber auch als Teil- oder Begleitfach belegt werden.

Ein duales Studium der Psychologie gibt es bisher nicht in Deutschland, Bachelor und Master sind die gängigen Abschlüsse. Ebenso lässt sich Psychologie im Fernstudium oder berufsbegleitend studieren - so zum Beispiel an der FernUni Hagen.

Die Inhalte der Studiengänge unterscheiden sich teilweise erheblich, ebenso die Zugangsvoraussetzungen. Achtung: Nicht alle Studiengänge sind von den Berufsverbänden anerkannt. Eine Übersichtsliste der vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) anerkannten Studiengänge gibt es hier als pdf. Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie bietet eine Übersicht über anerkannte Studiengänge.

Was sind die Voraussetzungen, um Psychologie zu studieren?

Psychologie ist berüchtigt für seinen harten Numerus Clausus. Unibewerber brauchen im Abitur in der Regel eine Eins vor dem Komma, um beispielsweise an der Freien Universität Berlin sowie der Universität Köln angenommen zu werden. In den meisten Fällen müssen angehende Studenten auch mit zweistelligen Wartesemestern rechnen, wenn sie den NC nicht erreichen.

Psychologie ohne NC zu studieren ist nicht einfach, aber möglich. Neben staatlichen Hochschulen kann man auch an Privatunis - gegen entsprechende Kosten - studieren. Bei den privaten Hochschulen oder Berufsakademien entfällt oft der NC, die Bewerbungsverfahren können sich jedoch stark voneinander unterscheiden.

DGPS-Präsident Dr. Conny Antoni empfiehlt Interessenten, sich im Vorfeld sehr gründlich zu informieren, ob die Abschlüsse zum beruflichen Ziel passen und mit welchen Siegeln für die Ausbildung geworben wird. Zudem lohnt der Qualitäts-Check vor dem Studienbeginn: Sind die Professoren auch praktizierende Psychologen? Sind sie wissenschaftlich tätig? Verfügt die Institution über ausreichende Ressourcen wie Labore und Bibliotheken?

Wer in Deutschland nicht fündig wird, kann auch im EU-Ausland Psychologie ohne NC studieren, allerdings gibt es auch hier Aufnahmeprüfungen und die Unterrichtssprache ist die Landessprache oder Englisch. Wichtig: Für die Arbeit als Psychologe oder Psychotherapeut in Deutschland müssen die Abschlüsse in Deutschland anerkannt sein.

Wie ist das Psychologiestudium aufgebaut?

Für den Bachelor Psychologie sind im Schnitt sechs Semester Regelstudienzeit vorgesehen. Vermittelt werden dabei Grundlagen in Datenerhebung, Statistik, Mathematik und Einführung in qualitative Methoden. Hinzukommen können Module wie Sozialpsychologie, biologische Psychologie oder Persönlichkeitspsychologie. An manchen Unis ist auch ein Praktikum verpflichtend.

Um als Psychologe oder Psychotherapeut zu arbeiten, reicht ein Bachelor in Psychologie aber nicht aus. Hier ist der Master der Standardabschluss, der im Schnitt vier Semester Regelstudienzeit umfasst. Doch die Nachfrage ist auch hier größer als das Angebot: Masterplätze in Psychologie werden über Wartelisten vergeben.

Welche persönlichen Anforderungen gibt es, um Psychologie zu studieren?

Um Psychologie zu studieren, sollten Studierende ein hohes Interesse am Umgang mit Menschen sowie gute mündliche wie schriftliche Ausdrucksfähigkeiten mitbringen. Neben Einfühlungsvermögen brauchen Psychologen und Psychotherapeuten zudem logisch-abstraktes Denkvermögen, Mathe- und sehr gute Englischkenntnisse sind zentral für ein erfolgreiches Studium. Denn zu ihren Aufgaben gehören außer der Begleitung von Menschen auch Datenerhebung und -analyse, Statistik und Umgang mit Computersoftware.

Welche Berufschancen habe ich mit einem Psychologiestudium?

Die Berufschancen für Psychologen stehen gut - ob nun in Angewandter Psychologie, Klinischer Psychologie, als Kinderpsychologe oder Gutachter vor Gericht. Von der DGPS wird ein Masterstudium sehr empfohlen, da der Bachelor in Psychologie nur für sehr wenige Stellenbeschreibungen ausreiche.

Ein Psychologiestudium kann zudem berufliche Grundlage für Neuropsychologen, Marktforscher, Kommunikation- und Verhaltenstrainer, Lerntherapeuten oder Personaler sein. Wer als Psychologischer Psychotherapeut arbeiten möchte, muss nach dem Abschluss in Psychologie noch mit einer drei- bis fünfjährigen Ausbildung rechnen, die in der Regel selbst bezahlt wird. Dadurch verzögert sich der Berufseinstieg und damit auch das erste volle Gehalt. Schulden aus Studienkrediten sind für viele Psychologie-Absolventen daher nicht unüblich.

Die Verdienstspanne von ausgebildeten Psychologen und Psychotherapeuten ist sehr breit gefächert - zwischen rund 2800 Euro brutto monatlichem Einstiegsgehalt und mehr als 6000 Euro brutto Monatsgehalt für erfahrene Kräfte. Die Bezahlung hängt auch vom Arbeitsplatz ab: ob nun im öffentlichen Dienst, als selbstständiger Psychotherapeut, als Psychologe in einem Krankenhaus oder in einem großen Wirtschaftsunternehmen. In der Regel steigt auch hier das Gehalt mit der beruflichen Erfahrung.

Selbsttest

Wer testen möchte, ob das Psychologie-Studium etwas für ihn ist, kann einen der Online-Selbsttests deutscher Hochschulen machen. Vielleicht muss es auch gar nicht immer Psychologie sein - auch Fächer wie Kommunikations- und Politikwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre (BWL) oder Soziale Arbeit enthalten Psychologie-Anteile.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
le.toubib 26.06.2018
1. Lëtzebuerg
Meine letzte Freundin studierte ob des NCs Psychologie mit Masterabschluss an der Université du Luxembourg. Da sie sich nie über Studiengebühren beschwerte, dürften diese nicht allzu hoch sein. Praktisch ist, sein obligates Auslandssemester kann man im nahegelegenen Trier absolvieren und muss nicht umziehen. Die Pferdefüsse allerdings sind, Universtätssprachen sind Englisch, Französisch und Deutsch, je nach Dozent! Zudem ist Wohnen in Lëtzebuerg ungemein teuer ...
BobE 26.06.2018
2. Berufsverband BDP kann nicht entscheiden
Berufsverbände wie der BDP können nicht entscheiden wer sich Psychologe nennen darf. Die Anerkennung eines Studiengangs durch den BDP ist zwar Voraussetzung, um dort Vollmitglied zu werden. Es handelt sich aber lediglich um eine Interessenvertretung der beruftstätigen Psychologen. Man darf sich natürlich auch Psychologe nennen, wenn man Psychologie studiert hat und nicht Mitglied im BDP ist. Die Website des BDP ist hier teilweise irreführend. Ende 2017 verlor der BDP ein Gerichtsverfahren, in dem es darum ging, wer sich Wirtschaftspsychologe nennen darf.
8ung 27.06.2018
3. Schlecht recherchiert
Sehr geehrte Frau Lundschien, was sollen bitte Artikel wie diese? Er bietet wirklich keinerlei Mehrwert für niemanden. Es wirkt als hätten sie einfach von einer Seite wie studycheck.de abgeschrieben, man merkt, dass sie dazu nicht mehr als zwei Minuten recherchiert haben. Ansonsten hätten sie beispielsweise die Alternative erwähnt in Österreich zu studieren. Das kann man nämlich ohne Englisch, Niederländisch und Französisch perfekt zu beherrschen. Außerdem gibt es dort überhaupt keine (0€!! Allerdings mit der neuen Regierung wohl nicht mehr lange) Studiengebühren. Es ist erwartbar, dass ein Artikel über diese wichtigsten Fragen und Alternativen das mindestens erwähnt. Des Weiteren beträgt die Regelstudienzeit in Deutschland nicht überall 6 Semester (3 Jahre), sondern es gibt viele Unis (Beispielsweise Koblenz) die einen 8-semestrigen Bachelor anbieten. "Berüchtigt ist der Studiengang vor allem für seinen strengen Numerus clausus." Vier Zeilen weiter unten: "Psychologie ist berüchtigt für seinen harten Numerus Clausus." Das zeigt auch einfach, dass Ihr Artikel Artikel mehr mit Floskeln als Informationen bestückt ist und offensichtlich weder Sie noch jemand anderes drüber gelesen hat. Ich bin richtig enttäuscht, sollte ich weiter solche "Artikel" bei SPON lesen müssen, steige ich lieber auf die Zeit um. Da werden wenigstens nicht mit nutzlosen oberflächlichen Informationen Klicks produziert.
olddixie 27.06.2018
4. Murks-Beitrag
lassen Sie sich Ihr Lehrgeld wieder geben, Frau Lundschien, dass hat mit Qualitätsjournalismus nix zu tun, das ist einfach nur schlecht recherchiert (und ist der CvD im Urlaub?). Die Behauptung der Lufthoheit des BDP ist eine Frechheit - und wie der Kommentator oben schon sagte, längst gerichtlich zulasten des BDP geklärt. Das hätten Sie leicht herausfinden können, schließlich sollte man auch immer die andere Seite zu Wort kommen lassen, also bspw. die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie (GWPs): https://www.gwps-ev.de Und warum führen Sie nichts zum Sektor der privaten Hochschulen und deren Angebot aus? Das ist doch auch komplett einseitig berichtet. Das Angebot dort ist erstklassig und die Jobchancen für Wirtschaftspsychologen super. Also: Hausaufgaben machen - und eine Richtigstellung nachschieben! Dann klappt's auch mit der Leserschaft ;-)
mathiasrooch 27.06.2018
5.
Sind das wirklich "alle" Fakten zu einem Psychologiestudium?
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