Pubertätsbeichten "Liebes Tagebuch, ich bin verliebt. Endgültig!"

Als Teenies schützten sie ihr Tagebuch mit einem Schloss, jetzt lesen sie als Studenten vor Publikum daraus vor. Drei Mutige berichten vom ersten Zungenkuss, der ersten Periode und Jungs, die so überhaupt nicht tanzen können. Mit Hörproben!

Von Kathrin Breer


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Teenie-Tagebücher - vorgelesen: Liebe, Küsse, Katastrophen
"Am 16.08.1996 habe ich mit Max meinen ersten Zungenkuss gemacht. Am Abend, als Max fertig war mit Kotzen und sich geduscht hatte", liest Katharina Fellinger. Das Publikum schreit vor Lachen. Im Teilchen & Beschleuniger, einem Studentencafé in Münster, ist kein Platz mehr frei. Katharina steht vor einem Mikrofon, in der Hand ihr Tagebuch, in dem sie vor 15 Jahren ihre ersten Liebesabenteuer mit Max festgehalten hat.

Pinkfarbene Kussmundstempel übersäen die Seiten, die sorgfältig mit Mädchenhandschrift und Kuller-i-Punkten gefüllt sind. Mit "Liebe Fiffi!" fängt jeder Eintrag an, so nennt die damals zwölfjährige Katharina ihr Tagebuch. Zu Fiffi kommen heute Dutzende fremde Zuhörer. "Am Anfang hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, vor so vielen Leuten meine Jugendsorgen auszubreiten. Aber nach zwei Gläsern Weißwein geht es ganz gut", sagt Katharina.

Der 26-jährige Stefan Jansen, Germanistik-Student und Besitzer des Cafés, erfuhr durch einen Gast von den Tagebuchlesungen: Der erzählte ihm von dem Trend aus London, wo peinliche Pubertätsbeichten in Pubs zurzeit angesagt sind. Das wollte er auch für sein Café. Leicht war es nicht, lesewillige Autoren zu gewinnen. Schließlich sind die meisten Tagebücher nicht umsonst mit einem Schlösschen verriegelt.

Warum stellen sich einige Mutige dann Jahre später sogar vor Publikum und tragen ihre Geheimnisse von damals vor? "Wenn man älter wird, entsteht eine kritische Distanz zur eigenen Jugend, und man entwickelt eine gewisse Selbstironie", sagt Jansen. Das lässt das Publikum in kollektiven Erinnerungen schwelgen. "Jeder hat ähnliche Erfahrungen gemacht, die aus heutiger Perspektive total lustig sind", sagt Katharina.

Erfahrene Tagebuchschreiber erkennen auch die typisch pubertäre Denk- und Schreibweise wieder: Von einem Thema stolpern die Autoren ohne Überleitung ins nächste. Die schlechte Note in der Französisch-Arbeit, das letzte Treffen mit dem Traumboy und die zickigen Mitschülerinnen werden in einem Absatz abgehandelt. Die große Liebe wechselt täglich von Mitschüler Max über Leonardo DiCaprio zu Prinz William und wieder zurück.

Für den UniSPIEGEL öffnen Katharina und zwei weitere Vorleser noch einmal die Tagebücher und präsentieren die witzigsten Pubertätsgeschichten - hören Sie rein...



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
manta 19.12.2011
1. (.)(.)
Zitat von sysopAls Teenies schützten sie ihr Tagebuch mit einem Schloss, jetzt lesen sie als Studenten vor Publikum daraus vor. Drei Mutige berichten vom ersten Zungenkuss, der ersten Periode und Jungs, die so überhaupt nicht tanzen können. Mit Hörproben! http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,798483,00.html
Ach Spiegel...*seufz* Da komme ich her um anspruchsvolle Nachrichten und interessante Meinungen zu lesen und muss aber immer öfter Artikel wie solche lesen. Solche Sachen die jeder im Leben mal durchgemacht hat, warum sollte ich interesse haben mir soetwas durchzulesen oder gar anzuhören ? "Das Publikum schreit vor Lachen" - Ist es so einfach ein Publikum zum lachen zu bringen ? Wow. Naja, man setzt ja oft eine zu hohe Erwartungshaltung an seine Mitmenschen. Dem Spiegel würden ein paar bessere Artikel gut tun. Weg vom RTL-Nachmittagsprogramm. Es muss ja nicht um Riemannsche Flächen gehen, aber ein gewisser Anspruch wäre erwünscht. Ist nur gut gemeint, ich lese auch woanders sehr gerne.
Periastron 19.12.2011
2. Mutig also
Ich lese ja noch nicht mal mein eigenes Tagebuch gerne, was interessiert mich das Zeug der vergangenen Zeit? Dieser Narzismuss heutzutage kommt mir vor wie in einem netten Dorf, in dem niemand die Tür abschließt. Aber nicht, weil es nichts ausmacht, wenn Fremde einfach ins Wohnzimmer latschen, sondern weil letzteres keiner macht. Aus Anstand. Und wie immer meine Frage, warum man überhaupt Privatsphäre braucht... Ich denke, ohne sie löst sich das Individuum auf, alles wird eins, beliebig, gleich.
der_Pixelschubser 19.12.2011
3. Ach manta... *seufz*
Zitat von mantaAch Spiegel...*seufz* Da komme ich her um anspruchsvolle Nachrichten und interessante Meinungen zu lesen und muss aber immer öfter Artikel wie solche lesen. Solche Sachen die jeder im Leben mal durchgemacht hat, warum sollte ich interesse haben mir soetwas durchzulesen oder gar anzuhören ? "Das Publikum schreit vor Lachen" - Ist es so einfach ein Publikum zum lachen zu bringen ? Wow. Naja, man setzt ja oft eine zu hohe Erwartungshaltung an seine Mitmenschen. Dem Spiegel würden ein paar bessere Artikel gut tun. Weg vom RTL-Nachmittagsprogramm. Es muss ja nicht um Riemannsche Flächen gehen, aber ein gewisser Anspruch wäre erwünscht. Ist nur gut gemeint, ich lese auch woanders sehr gerne.
Ach manta *seufz*... Hast Du noch nicht mitbekommen, dass Kultur durchaus auch zum Thema Bildung gehört? Und dass solche DiarySlams durchaus etwas mit Kultur zu tun haben? Du unterstellst hier dem SPIEGEL B**D-Niveau (welch Widerspruch ins sich...), meinst es laut eigenem Bekunden sogar gut - aber es entgeht Dir völlig, dass ein Magazin wie SPON eben nicht nur ein Nachrichtenticker ist, sondern zur etwas breiter gefächerten Bildung und zur Vermittlung kultureller Werte beiträgt. Wenn Du nur die News of the day suchst, solltest Du Dir tatsächlich eher die Seiten von Reuters oder dpa ansehen. Dem SPIEGEL würden ein paar bessere Artikel guttun? Glaubst Du nach Deinem Posting hier derjenige zu sein, der das beurteilen kann? Ich habe da so meine wohlangebrachten Zweifel! Wenn Du mit Deiner eigenen kulturellen Kurzsichtigkeit glücklich bist, ist das schön für Dich - alle anderen werden solche Artikel gerne weiterhin lesen. So, und nun zieh den Ellenbogen ein, da kommt Gegenverkehr.
Tsardian 19.12.2011
4. ...
Zitat von mantaAch Spiegel...*seufz* Da komme ich her um anspruchsvolle Nachrichten und interessante Meinungen zu lesen und muss aber immer öfter Artikel wie solche lesen. Solche Sachen die jeder im Leben mal durchgemacht hat, warum sollte ich interesse haben mir soetwas durchzulesen oder gar anzuhören ? "Das Publikum schreit vor Lachen" - Ist es so einfach ein Publikum zum lachen zu bringen ? Wow. Naja, man setzt ja oft eine zu hohe Erwartungshaltung an seine Mitmenschen. Dem Spiegel würden ein paar bessere Artikel gut tun. Weg vom RTL-Nachmittagsprogramm. Es muss ja nicht um Riemannsche Flächen gehen, aber ein gewisser Anspruch wäre erwünscht. Ist nur gut gemeint, ich lese auch woanders sehr gerne.
Dafür das sie dieser Artikel und das Thema nicht interessiert haben sie ihn aber ganz schön aufmerksam gelesen.
verwunderterzeitungsleser 19.12.2011
5.
Zitat von PeriastronIch lese ja noch nicht mal mein eigenes Tagebuch gerne, was interessiert mich das Zeug der vergangenen Zeit? Dieser Narzismuss heutzutage kommt mir vor wie in einem netten Dorf, in dem niemand die Tür abschließt. Aber nicht, weil es nichts ausmacht, wenn Fremde einfach ins Wohnzimmer latschen, sondern weil letzteres keiner macht. Aus Anstand. Und wie immer meine Frage, warum man überhaupt Privatsphäre braucht... Ich denke, ohne sie löst sich das Individuum auf, alles wird eins, beliebig, gleich.
Ich befürchte eher, dass diese literarischen Geister uns bald mit einem Buch beglücken werden und das Bisherige nur ein Testballon war, ob`s verkaufbar sein könnte. Heute schreibt ja jeder Horni "sein" Buch. Dann dauert es auch nicht lange, bis man in einer der zahlreichen Volksverblödungssendungen im Fernsehen, genannt Talk-Shows, auftreten und sein Buch in die Kamera halten darf. Als wir alles das noch nicht hatten, hießen Schriftsteller Thomas und Heinrich Mann, Balzac, Christa Wolf, George Orwell, Majakowski, Tolstoi, ...alles Ge_chichte. Armes Europa!
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