Rappender Professor Yo, Yo, Jurist

Gebt das Mic dem MC Berger: Ein Kölner Juraprofessor rappt Studenten einen Paragrafen vor, damit schwierige Lektionen besser haften. Die Idee brachte Klaus Peter Berger aus den USA mit. Studenten vertonten das "Rap-a-titorium" flink - und produzierten sogar ein Video.


Jura gilt nicht gerade als das unterhaltsamste Studienfach, eher als ausgesprochen staubiges Gelände. Wir können auch anders, sagte sich ein Kölner Rechtswissenschaftler und verpackte einen Paragrafen in einen Raptext. "823 ist ein leichter Paragraph, ich kenne die Voraussetzungen alle schon im Schlaf", dichtet Klaus Peter Berger, 47, im Hörsaal über die Schadensersatzpflicht. Und lässt weitere neun kurze Strophen folgen.

Juraprofessor Klaus Peter Berger: Freund des Reims
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Juraprofessor Klaus Peter Berger: Freund des Reims

Ein Juraprofessor, der für seine Studenten rappt? Die Idee dazu stammt aus Bergers Studienzeit in New York. Da kam er mal zufällig an einem Seminarsaal vorbei, in dem ein Dozent seine Vorlesungen per Videokonferenz in Rapform abhielt.

"Wichtig ist mir die Message", sagt Berger: singen statt büffeln. Er will den Studenten in der Veranstaltung "Lerntechniken für Juristen" beibringen, wie man Paragrafen kreativer lernen kann. Schließlich ist Jura eins der büffelintensivsten Fächer, wenige Studenten kommen ohne teure Repetitorien durch die Prüfungen - Wiederholungs-Pauk-Kurse, die fast alle Examenskandidaten belegen.

Rap-a-titorium statt Repetitorium

Die Idee, dass schwierige Lektionen durch ungewöhnliche Lernmethoden länger haften bleiben, ist nicht neu. Manche Anbieter privater Lateinkurse zum Beispiel setzen beim Vokabel- und Grammatikpauken auf ein Zusammenspiel von Musik, Tanz und klassischem Unterricht - so wollen sie andere Hirnareale aktivieren und das Gedächtnis zu neuen Leistungen anspornen.

Bei der ungeheuren Stofffülle des Jurastudiums scheint das einleuchtend. Der "Zeit" sagte Berger, er sei weder Gansta-Rapper, noch wolle er als singender Prof durch die Gazetten geistern - aber ein Beispiel für kreative Methoden geben. Seine Studenten sollen "auch die linke Gehirnhälfte benutzen. kreativ lernen, assoziativ, mit Emotionen und Musik". An seiner Fakultät hat er ein Zentrum gegründet, an dem die Studenten neue Lernformen üben, Rhetorikkurse belegen und ihr Verhandlungsgeschick trainieren können.

Zum HipHopper wurde Berger, der in Köln bürgerliches Recht und Bankrecht lehrt, auf dem zweiten Bildungsweg, seine Studenten sind von der Idee begeistert. Der Musikstudent Niklas Remmen vertonte den "823-Rap" kurzerhand und machte daraus ein hübsches Soundfile (siehe zweiter Teil). Und am Mittwoch wurde der Rap auch noch als Video uraufgeführt.

In den USA haben Popmusik und die akademische Welt längst Freundschaft geschlossen: Auch dort rappen einige Professoren in ihrer Vorlesung, um den Studenten das Memorieren zu erleichtern. Aus Athens im Bundesstaat Georgia, Heimat der Band R.E.M., kommt mit "Mikey Mel and the JD's" die "landesweit erste Jura Rock Band der USA".

Bald ist Paragraf 929 fällig

Auch in Deutschland gibt es weitere hübsche Experimente. Auf seinem Blog Stexdose.de präsentiert der Mediziner Matthias einen gerappten "Orthotest". Ein Auszug der Einheit zur Wirbelsäule:

Wirbelsäule Schober fünfter LWK, zehn kranial
weniger als vier ist ungesund, das merke Dir.
Wirbelsäule Ott siebenter HWK, dreißig caudal
weniger als zwo ist ungesund. Ach so?

Rap als didaktisches Experiment, das gibt es nicht nur an der Uni: In Berlin rappt das Duo "Rapucation" (für Rap und Education) vor Grundschülern, zum Beispiel über Klimawandel und europäische Geschichte. "Du atmest ein, und was du einatmest, atmen die Bäume aus. Du atmest aus, und was du ausatmest, atmen die Bäume ein", texten Robin Haefs alias Mad Maks und Vincent Stein alias Beatzarre über den Stoffwechsel. Ihre Songs sind sorgfältig produziert und können sich hören lassen. Einen anderen Weg geht der Rapper Doppel-U, der Klassiker von Schiller und Goethe auf HipHop-Beats reimt - "Old School" auf ganz eigene Art.

Das Video des Kölner Juraprofessors haben die Uni-Mitarbeiter Daniel Behrends und Peter Butterly zusammen mit ihren Studenten produziert. Allerdings hatten nur die Teilnehmer von Bergers Vorlesung "Sachenrecht" das Vergnügen, die Premiere live zu erleben.

Was sagen die Kollegen zu einer so unkonventionellen Lehrmethode? "Sie teilen mein Anliegen, neue Möglichkeiten des Lernens zu vermitteln", sagt Berger. Der "823-Rap" ist bislang sein einziger. Aber das soll nicht so bleiben: Er könnte sich vorstellen, bald einmal den Paragrafen 929 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) in Strophenform umzutexten. Da geht es um Sachenrecht, das passt zu seiner Vorlesungsreihe.



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