Skandal an US-Uni Verbindungsstudenten grölen rassistisches Lied

"Niemals wird ein Nigger Teil unserer Verbindung sein": In Oklahoma skandieren Verbindungsstudenten rassistische Parolen. Ein Video dokumentiert die Entgleisung. Der Uni-Rektor kritisiert die Studenten scharf.

 Sigma Alpha Epsilon Verbindung: Schwere Vorwürfe gegen Studenten
REUTERS

Sigma Alpha Epsilon Verbindung: Schwere Vorwürfe gegen Studenten


Es ist nur eine kurze Sequenz, aufgenommen in einem Reisebus, doch sie wirft ein Schlaglicht auf den Rassismus an amerikanischen Universitäten.

Auf einer Busfahrt grölen Studenten, die Mitglieder der Verbindung Sigma Alpha Epsilon (SAE) sein sollen, lauthals rassistische Zeilen. "There will never be a nigger in SAE", rufen sie, womöglich angetrunken, sie klatschen dazu begeistert: Niemals werde ein Nigger Teil der Verbindung sein. Sogar zum Lynchen wird in dem Film indirekt aufgerufen: "You can hang him from a tree..." Du kannst ihn an einen Baum aufhängen...

Öffentlich gemacht hatte den Mitschnitt die Organisation "Unheard", die sich für die Rechte schwarzer Studenten einsetzt. Seither sorgt das Video für Empörung, mehrere US-Medien berichten über die rassistischen Ausfälle.

Unter dem Hashtag #NeverBeaNiggerInSEA teilen Studenten bei Twitter ihre Erfahrungen. Die Ausfälle der Verbindungsstudenten wiesen auf einen unterschwelligen Rassismus in den amerikanischen Eliten hin, deutet ein Tweet an. Die Sänger seien schließlich potenzielle künftige Anwälte oder Richter.

Ereignisse wie diese zeigten, dass Schwarze an der Universität noch immer nicht wirklich willkommen seien, twittert ein ehemaliger Student der Oklahoma University.

Kurz nachdem das Video im Netz auftauchte, wurde das Verbindungshaus von SAE an der Oklahoma University zum Ziel von Protesten und Vandalen. "Reißt es ab", hatte ein Sprayer an eine Wand des Gebäudes geschrieben, berichtet der lokale Fernsehsender KFOR-TV auf seinem Nachrichtenkanal.

Der Dachverband der Verbindung hat die Vorfälle untersucht und bestätigt, dass es sich um SAE-Mitglieder handelt.

"Ich war nicht nur schockiert und enttäuscht, sondern abgestoßen vom unverblümten Rassismus, den das Video zeigt", sagte Brad Cohen, der Chef der Verbindung, die nach eigenen Angaben in den USA rund 15.000 Mitglieder hat. Die betreffenden Mitglieder seien ausgeschlossen worden, der örtliche Verband an der Oklahoma University sei geschlossen worden, heißt es in einer Mitteilung von SAE.

Bei einer Kundgebung auf dem Campus hat sich Universitätspräsident David Boren entsetzt gezeigt: "Ihr seid schändlich", sagte er vor Studenten an die Adresse der beteiligten Verbindungsstudenten gerichtet. Ein Mitschnitt der Ansprach kursiert ebenfalls bei Twitter.

Boren hatte sich bereits unmittelbar nach Veröffentlichung des Videos geäußert. Das Verhalten der Studenten stehe im Widerspruch zu den Werten seiner Hochschule, teilte er über Twitter mit.

Korrektur: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, das Verbindungshaus von Sigma Alpha Epsilon befinde sich an der Oklahoma State University. Es befindet sich allerdings an der Oklahoma University.

bkr



insgesamt 19 Beiträge
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markus.k 09.03.2015
1.
Ich denke in den USA geht sowas inn Ordnung, da kennt man das nicht anders. Political Corectness gibts nur in den grösseren Ballungszentren. Das gehört teilweise auch zum guten Ton dort. Für die deutsche Politik ist das auch OK, solange es sowas nicht auch in Russland gibt, dann wäre das Geschrei umso grösser.
neanderspezi 09.03.2015
2. Studentische Verbindungen zeigen gelegentlich unbeschwert rassistische Anwandlungen
Es ist sicher ein Gutteil rassistische Voreinstellung, die diese studentische Verbindungshorde bei ihrer gemeinsamen Busfahrt grölender Weise aus sich herausholt und nicht in erster Linie ein feucht-fröhlicher Ausrutscher, der sich hier grad mal spontan in rassistisch aufkeimender Laune kundtut. Auch wenn der Präsident dieser Oklahoma State University seinen Studenten in einer unmittelbar danach erfolgten Ansprache etwas von schändlichem Verhalten entgegenhält, so ist kaum anzunehmen, dass er von solchen rassistischen Ausflügen noch nichts mitbekommen hat. So etwas ist ein fortwährend gehegtes Programm in einer solchen studentischen Verbindung und dringt durch alle Ritzen eines so ehrwürdigen Universitätsgebäudes. Es würde sehr wundernehmen, wenn nicht genau dieser Programmpunkt bei Aufnahmeritualen in diese Verbindung eine bedeutsame Rolle spielen würde und so was lässt sich nicht geheim halten. Dabei wird sehr genau darauf geachtet, dass mit großem Respekt interne Gepflogenheiten, Ansichten und rassistischer Dünkel unreflektiert und folgsam vom Neumitglied adaptiert werden.
dalejd 10.03.2015
3. Solche Einstellung ist meiner Meinung nach nicht aus weder christlichen noch humanistischen Lehren nachvollziehbar.
Selbst die darwinistische Evolutionstheorie redet von, in mehroderweniger meinen Worten, physischen Änderungen welche als Adaption zu Lebensbedingungen geschehen, d.h. im Falle von Menschen und Haut das Bedürfnis des Körpers nach Sonne (und argumentativ sogar nach Tarnung im Schnee) und Sonnenstrahlen in nördlichen Teilen des Planeten (wo sich mehr Landmasse befindet als bei selben Breitengraden im Süden) sind nun mal im gewissen Sinne schwächer. Daher wundert es schon woher sie den Stuss haben. Aber natürlich ist auch bewusst das ja fast wie komplette Freiheit in den USA, von Kirche aber auch von Wissenschaft etc. Welches meiner Auffassung nach aber überhaupt nicht in Ordnung wenn wir mal davon reden wofür die USA eigentlich stehen, d.h. im Sinne von Rechtssystem und Werten bzw. Idealen. Und mit solcher Einstellung ist man nicht mit in der USA-Menge (im mathematischen Sinne), d.h. sozusagen Abtrünnig, aber solches überhaupt nicht im romantischen Sinne. Natürlich kommt zumindest bei "uns" schnell zur Sprache ob es wirklich Sinn macht in einem solchem Falle gleich zur Verstoßung überzutreten, insbesondere in Bezug zur Verhärtung deren Einstellung. Klar, im gewissen Sinne argumentativ eine Schande für Gesellschaft in welcher weder Eltern noch Schule in der Lage waren den damals noch Kindern die eigentlichen Grundwerte zu vermitteln, und dass nunmal die Nazis nicht Publizität genießen weil sie so toll waren, aber es auch so was wie Dämonenkunde gibt welche man als "Kunde des Bösen" betrachten könnte. Und daher ist die "Distanzierung" nachvollziehbar. Aber mit der "Distanzierung" wie beschrieben ist anscheinend keine wirkliche Klarstellung bzw. Aufklärung vorhanden, und solches sollte meiner Meinung nach auch Teil eines Verbannungsurteils sein (wenn oder wo es zu Verbannungen kommen kann).
Malshandir 10.03.2015
4. Probleme im System
Nun die Studentenverbindungen sind die Burschenschaften der USA. Daneben muss man verstehen, wo dieser Rassismus herkommt. Zum einen aus Tradition, zum anderen aber auhc aus der Vorzugsbehandlung. Solange Personen bevorzugt Studienplaetze bekommen wegen Ihrer Hautfarbe, dann erzeugt dies Hass. Genau da muss angesetzt werden.
Malshandir 10.03.2015
5. Probleme im System
Nun die Studentenverbindungen sind die Burschenschaften der USA. Daneben muss man verstehen, wo dieser Rassismus herkommt. Zum einen aus Tradition, zum anderen aber auhc aus der Vorzugsbehandlung. Solange Personen bevorzugt Studienplaetze bekommen wegen Ihrer Hautfarbe, dann erzeugt dies Hass. Genau da muss angesetzt werden.
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