Rat vom WG-Psychologen Wie koordiniere ich elf Mitbewohner?

In Katharinas Riesen-WG klappt gar nichts mehr. Das Plenum tagt inzwischen unregelmäßig. Und die Bier-Spenden als Strafe für Putzplan-Versäumnisse lassen sich nur noch schwer eintreiben. Ein Fall für WG-Psychologen Büter.

Wer nicht putzt, muss Bier spendieren: Zu idealistisch?
Corbis

Wer nicht putzt, muss Bier spendieren: Zu idealistisch?


WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag. Der Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Katharina, 23, schreibt:

Hallo Herr Büter,

ich wende mich heute stellvertretend für meine gesamte WG an Sie. Wir sind elf Personen zwischen 18 und 40 Jahren und bewohnen ein großes altes Haus. Studenten, Akademiker, Arbeiter, Hartz-IV-ler - alles ist bei uns vertreten. Im Grunde betrachten wir uns als eine Art große Familie. Wie in jeder Familie gibt es Probleme. Nur scheinen die im Moment einfach unlösbar zu sein.

Zum Beispiel unsere WG-Besprechung, die eigentlich einmal pro Woche stattfinden sollte. Leider ist die in letzter Zeit eingeschlafen, da einige nicht zur Teilnahme gezwungen werden wollen. Sie beschweren sich dann aber, wenn die Mehrheit Beschlüsse fasst, die ihnen nicht passen.

Oder der Putzplan. Dort hat jeder pro Woche einen Zuständigkeitsbereich. Wer nicht pünktlich putzt, muss der WG einen Kasten Bier spendieren. Einige entziehen sich jedoch komplett dem System. Da das Geld bei vielen knapp ist, sammeln sich Bier-Schulden an, die nur noch sehr selten beglichen werden.

Wir überlegen, ob das ganze System so noch einen Sinn hat und ob es für die Putzfaulen nicht andere Sanktionen geben sollte. Wie bekommen wir es wieder hin, dass sich alle an die Regeln halten?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Katharina!

Sie möchten Ihre WG möglichst bunt gestalten; dieses Leitmotiv ist sehr idealistisch und verdient Respekt. Dennoch empfehle ich es nicht als Vorbild.

Was eine Familie immer von Ihrer WG unterscheiden wird, ist die Hierarchie, die zwischen Eltern und Kindern besteht. Eltern können über das Familienleben befinden und sie können Sanktionen verhängen, wenn sich einzelne den Regeln entziehen. Es gibt große WGs, die das Problem lösen, indem sie einen "Ältesten" wählen, der kontrollieren und einfordern darf und dessen Autorität der elterlichen noch am nächsten kommt. WGs dieser Art leben aber stets von der Bereitschaft der Mitbewohner, Regeln und Übereinkünfte zu respektieren und Absprachen einzuhalten.

Wer sich mit einem solchem Regelwerk nicht einverstanden erklären kann, sollte sich einer WG auch nicht anschließen oder Konsequenzen ziehen. Stufen Sie in den nächsten Besprechungen Ihr Vorgehen ab.

Teilen Sie den Betreffenden zunächst Ihre Entschlossenheit mit, Konsequenzen einzuleiten, falls die Verweigerung andauert.

Teilen Sie ihnen mit, welche Frist Sie setzen und wie Sie Pflichterfüllung kontrollieren wollen. Halten Sie sich dabei lieber nicht mit Bierkästen auf.

Wollen die Angesprochenen keine Einsicht zeigen oder sind sie nicht in der Lage, Versprochenes umzusetzen, dürfen Sie das "ganze System" auch für gescheitert erklären. Für diesen Fall empfehle ich Ihnen, neue Mitbewohner zu finden, welche mehr Sinn und Verständnis für WG-Leben glaubhaft machen können.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
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WG-Typen: Willst du mit mir wohn'?

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happybine 04.05.2015
1. Putzfrau?
Warum kann man bei 11(!) Mitbewohnern nicht dazu kommen eine Putzfrau zu finanzieren? Mehr als einen Kasten Bier pro Mann kostet die auch nicht....
GPTip.com 04.05.2015
2.
Tja, die Kommunenromantik scheitert leider allzu oft an der Realität und dem doch recht egoistischen Wesen der meisten Menschen. Die entscheidende Frage wurde nicht erörtert: wer ist Eigentümer/Mieter der Immobilie? Nur derjenige hat das Sagen, und derjenige sollte den Untermietvertrag bei mißliebigen Mietern kündigen. Auf lange Diskussionsrunden sollte man dabei verzichten.
João Welson 04.05.2015
3. Ist doch ganz einfach
Stimme dem ersten Kommentator da zu, ihr solltet unbedingt eine Putzkraft einstellen, die einmal die Woche die Wohnung saubermacht. Alternativ könnte das auch jemand von euch machen. Einer von den Leuten in der WG, die finanziell notorisch knapp bei Kasse sind, wird sich sicherlich gerne paar Euro dazuverdienen. Und der zweite Punkt ist noch einfacher. Wer bei der wöchentlichen WG-Besprechung nicht dabei ist, hat auch kein Stimmrecht. Wer nicht will, dass über seinen/ihren Kopf hinweg entschieden wird, sollte sich die 20 Minuten ( viel länger sollte das nicht dauern, ist ja ein wöchentlicher Termin ) Zeit nehmen.
ironbutt 04.05.2015
4. Die Bierkiste ist der grundfalsche Weg
letzthin geht es doch nicht darum, eine Kiste Bier zu bezahlen oder zu trinken, sondern um ein sauberes Haus. Vom Bier wird die Arbeit ja nicht gemacht. Wer sich also komplett asozial verhält und seine Aufgaben für die Gemeinschaft nicht erfüllt, der kann nicht Teil der Gemeinschaft sein. Raus. Punkt.
bernd.stromberg 04.05.2015
5.
Zitat von João WelsonStimme dem ersten Kommentator da zu, ihr solltet unbedingt eine Putzkraft einstellen, die einmal die Woche die Wohnung saubermacht. Alternativ könnte das auch jemand von euch machen. Einer von den Leuten in der WG, die finanziell notorisch knapp bei Kasse sind, wird sich sicherlich gerne paar Euro dazuverdienen. Und der zweite Punkt ist noch einfacher. Wer bei der wöchentlichen WG-Besprechung nicht dabei ist, hat auch kein Stimmrecht. Wer nicht will, dass über seinen/ihren Kopf hinweg entschieden wird, sollte sich die 20 Minuten ( viel länger sollte das nicht dauern, ist ja ein wöchentlicher Termin ) Zeit nehmen.
Das war auch meine erste Idee. 11 Leute, jeder zahlt 10€ / Woche für eine Putzkraft. Mit 110€ in der Woche für eine Putzkraft lässt sich dann schon einiges wegputzen (bei fairer Bezahlung wohlgemerkt!).
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