Hilfe vom WG-Psychologen Mein Mitbewohner will mir die Knochen brechen

Das ist mal ein unheimlicher Zimmernachbar: Jans WG-Genosse sammelt Waffen, macht Kampfsport und droht bei jeder Kleinigkeit mit Prügel. Kann man so zusammenleben? Ein Fall für den WG-Psychologen.

Vorsicht, Samuraischwert!
Corbis

Vorsicht, Samuraischwert!


Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Jan, 24, schreibt:

Hallo Herr Büter,

unser neuer Mitbewohner hat sich leider zum Problemfall entwickelt. Er zahlt zwar immer pünktlich die Miete und hält sich an die Haushaltsaufgaben, aber man muss ganz offen sagen, dass er einen Schuss weg hat.

Er macht Kampfsport und hat in seinem Zimmer überall Wurfsterne und zwei Samuraischwerter liegen. Meines Wissens ist das illegal - oder nicht?

Bei jeder kleinen Diskussion kassiert man von ihm krasse Gegensprüche mit klaren Gewaltandrohungen. Sein Death-Metal-Zeug dröhnt manchmal bis nachts aus den Boxen. Wenn man ihn bittet, Kopfhörer zu benutzen, zeigt er den Mittelfinger. Oder droht damit, einem die Arme zu brechen. Er wurde bis jetzt zwar noch nicht handgreiflich, aber ich für meinen Teil halte mittlerweile den Mund.

Und leere Drohungen sind das wohl nicht. Ich weiß von einem Bekannten, dass unser Mitbewohner kürzlich am Wochenende abends in der Altstadt mit jemandem Krach hatte. Er hat diese Person gegen eine Hauswand geschleudert und dann in den Magen geboxt.

Mein anderer Mitbewohner hat leider nicht so viel Verständnis für meine Sorgen. Er meint, ich würde mich zu sehr aufregen. Es gäbe schlimmere Arten von WG-Leuten.

Am besten wäre es sicher, wenn man mal ganz sachlich ins Gespräch kommen könnte. Ich sehe nur nicht, wie das klappen sollte. Wie würden Sie vorgehen?

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Lieber Jan!

Ihr Mitbewohner hat mit seinen soziopathischen Zügen und Ausfällen in einer Wohngemeinschaft nichts zu suchen. Rechtlich gesehen ist der Besitz der Schwerter und Wurfsterne ohne Bedeutung und damit kein Ansatzpunkt, um gegen den Mitbewohner vorzugehen. Ob das ebenso für die Gewaltandrohungen gilt, sollten Sie unbedingt mit einem Rechtsexperten klären.

Der Sachverhalt hängt ab von der Art der Drohung, den Anlässen und dem Zweck, den ihr Mitbewohner verfolgt. Diese Situation kann nur ein juristischer Berater bewerten. Aus psychologischer Sicht handelt ihr Mitbewohner gegen alles, was eine Wohngemeinschaft ausmacht. Die Toleranz Ihres zweiten Mitbewohners ist bemerkenswert, sollte Sie aber nicht entmutigen.

Protokollieren Sie die Ausfälle des Nachbarn mit Zeitpunkt, Inhalt und Anlass. Bitten Sie beide Nachbarn um ein terminiertes WG-Gespräch, in dem Sie sein Verhalten thematisieren, das heißt, seine Art, sich Freiraum mit Drohungen zu verschaffen.

Wahrscheinlich ist er dumm und impulsiv genug, die Fortsetzung solcher Mittel zur Durchsetzung seiner Interessen in Aussicht zu stellen. Das wäre eine gute Grundlage für alles, was aus der Rechtsberatung folgen könnte.

Lehnt er das Gespräch ab, drückt er auch so seine Absicht aus, weiterzumachen wie bisher, weil er gar kein Problem sieht - außer in Ihnen. Führen Sie den Dialog mit ihm nicht ohne Ihren anderen Mitbewohner, und fordern Sie ihn auch gemeinsam zu einem Gespräch auf.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
exHotelmanager 21.12.2015
1. Schön, dass wir darüber gesprochen haben.
Im Ernst, dieser Ratschlag ist rein theoretischen Wertes. Ein Gespräch mit dieser Person wird nach meiner eigenen Erfahrung nur zu einer Gewalttat führen - diese Typen können nicht anders. Ich empfehle ein protokolliertes Gespräch der restlichen Bewohner miteinander mit dem klaren Ziel, der Person das zügige Verlassen der Gemeinschaft aufzuerlegen und alternativ das eigene Sonderkündigungsrecht zu Lasten der Gemeinschaft zu verlangen - und dann nichts wie weg von m Idioten.
taste-of-ink 21.12.2015
2. Manchmal wundert man sich...
... wie sehr hier manche WG-Situationen verharmlost werden. "Rechtlich gesehen ist der Besitz der Schwerter und Wurfsterne ohne Bedeutung.." - das sehe ich aber ganz anders. Rechtlich gesehen bedarf der Besitz von Waffen der Erlaubnis. Andernfalls liegt eine Ordnungswidrigkeit oder u.U. gar eine Straftat vor. Ob es sich bei den genannten Gegenständen um Waffen iSd Waffengesetzes handelt, ist natürlich zu prüfen. Aber nach den Schilderungen, dürfte der Verdacht wenigstens naheliegen, dass es sich um erlaubnispflichtige Waffen handelt. So etwas ist in keinster Weise zu tolerieren. Auch die Drohungen können - je nach Inhalt und Ernstlichkeit - strafrechtlich zu sanktionierenden Charakter haben. Auch kommt - wegen des Waffenbesitzes - unter Umständen eine Kündigung des Mietverhältnisses in Betracht. Leider scheint dieser Mitbewohner begriffen zu haben, dass er diese Mittel zur Durchsetzung seiner Interessen einsetzen kann, ohne Konsequenzen zu fürchten. Eine solche WG kann in meinen Augen keine Zukunft haben. Fürchtet man, den Mitbewohner nicht ohne ernsthafte Bedrohungen aus der WG zu bekommen, kann der Weg nur in einem eigenen Auszug liegen.
bert_baller 21.12.2015
3.
Wurfsterne sind schon seit Jahren verbotene Gegenstände nach dem Waffengesetz. Allerdings müssten die halt erst einmal gefunden werden - etwa wenn es eskaliert und man zum Schlichten die Polizei herbeiruft. Die frei verkäuflichen Schwerter wäre er dann wohl ebenfalls los - einkassiert und üblicherweise nach einer Klärung nicht mehr auffindbar.
Willi Wacker 21.12.2015
4.
Zitat von bert_ballerWurfsterne sind schon seit Jahren verbotene Gegenstände nach dem Waffengesetz. Allerdings müssten die halt erst einmal gefunden werden - etwa wenn es eskaliert und man zum Schlichten die Polizei herbeiruft. Die frei verkäuflichen Schwerter wäre er dann wohl ebenfalls los - einkassiert und üblicherweise nach einer Klärung nicht mehr auffindbar.
Sag ihm, dass Chuck Norris demnächst dein Schwiegervater wird. Oder zieh schnellstens aus.
superfaultier 21.12.2015
5. Bei den Waffen
bin ich mir sicher, dass falls diese nicht scharf sind dann in Deutschland legal sind, ja auch die Wurfsterne geltrn dann als Replika oder Zierde. ich persönlich würde empfehlen Sie sollten vielleicht mehr mit dem Mitbewohner reden. Deathmetal ist wahrscheinlich näher an klassischer Musik als das was Sie hören. Und aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass je mehr Kampfsport ein Mensch ernsthaft macht desto weniger spontan oder irrational ist der Gewalteinsatz. Ihr Mitbewohner macht ihnen genug Angst mit einer Drohung, weil Sie ihn so einschätzen. Wird er angegriffen kann es schnell so aussehen ald wäre er der Agressor gewesen, weil gut trainierte Menschen schnell die Oberhand haben grgen betrunkene Pöbler. Kurz gesagt: Sehen Sie mal hinter das Schaubild des Kampfsportdeathmetlers.
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