Ratgeber-Website Reich werden mit Mutti

Wie wird eine Kartoffel richtig lecker? Beim Kochen blödelten zwei Studenten herum - wenig später hatten sie ein Website-Imperium geschaffen. Inhalt: Haushaltstipps von Müttern und Vätern. Jetzt haben die beiden ein "Sparbuch" veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE verrät die kuriosesten Tipps im Quiz.

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Der Legende nach, wie Bernhard Finkbeiner sie gern erzählt, kam das mit Frag-mutti.de so: Er und sein ehemaliger Jungscharführer im Pfadfinderstamm beim CVJM Renningen wohnten anno 2003 im gleichen Haus in Ludwigsburg. Beim gemeinsamen Kochen saßen sie vor geschälten Erdäpfeln und wollten diese in dampfende, durchgegarte, bissfeste Salzkartoffeln verwandeln. Aber wie?

Kein Problem, sagte Kumpel Hans-Jörg Brekle, griff zum Telefon und wählte die Nummer seiner Mutter Irmgard. Dann war klar: Kartoffeln ins kalte Wasser, Salz dazu, gut 25 Minuten köcheln lassen. Brekle legte auf und kalauerte: "We-we-we, frag Mutti De-eh". Fertig war die Idee - und wenig später die gleichnamige Internet-Seite.

Der Gründungsmythos passt schon

Das klingt wie einer jener Geschichten, die sich Start-up-Gründer stets zurechtlegen, wenn sie ihre auf Gewinn oder Ruhm ausgerichtete Geschäftsidee im Nachhinein plausibel, nett und medienfreundlich präsentieren wollen.

Doch dem Medieninformatik-Studenten und Ratgeberautor Finkbeiner glaubt man seinen munteren Gründungsmythos - weil der so gut zu ihm passt. Die Schwesterseiten frag-mutti.de und frag-vati.de für Heimwerkerratschläge laufen gut und werfen auch Geld ab. Bernhard Finkbeiner macht weiter alles selbst: Seit fünf Jahren pflegt er mehrmals pro Woche die Seite, nimmt neue Haushaltstipps auf und schaltet Kommentare frei.

Sein Freund Hans-Jörg Brekle aus Ludwigsburger Tagen, ein Sozialpädagoge mit Zimmermannslehre, ist weiter am Projekt beteiligt. Drei Ratgeberbücher gingen aus den Web-Seiten hervor, der jüngste Schwabenstreich heißt "Frag Mutti - das Sparbuch" und enthält Finanztipps für die knappe Studentenkasse.

Bauchtypen ohne Masterplan

Entstanden ist ein kleines, munteres Ratgeber-Imperium. Student Finkbeiner ist die schwäbische Bodenständigkeit in Person: Vor zwei Jahren heiratete er nach neun Jahren Beziehung seine Freundin aus Schultagen. Mit ihr ist der Frag-Mutti-Macher vor einem Jahr nach Kanada gezogen. "Meine Frau wollte unbedingt ins Ausland", sagt der 25-Jährige. Also gehorchte er und suchte sich einen Studienplatz in Kanada.

Alles bei Finkbeiner klingt nach Bauchentscheidung, er hat keinen Masterplan. Es scheint, als sei der Erfolg zufällig gekommen. Und wo er jetzt schon mal da ist - bitte sehr, warum nicht davon profitieren?

Sie hätten nie für sich geworben, behauptet der junge Schwabe steif und fest. Erst kam eine Zeitung zu ihnen, dann kamen die Radiosender, am Ende waren Bernhard und Hans-Jörg zweimal zu Gast bei Günther Jauchs "Stern TV". Sie standen in Fernsehstudios am Herd und sollten gegen den Hausmann des Jahres kochen. Mit jedem Medienauftritt stiegen die Klickraten.

Beim Geld hört diese Freundschaft nicht auf

Finkbeiner und sein Kumpel Hans-Jörg Brekle teilen sich weiter den bescheidenen Gewinn, den die Internetseiten abwerfen. "Natürlich kriege ich etwas mehr, wegen all der Arbeit", sagt Finkbeiner. Die rund 100.000 verkauften Ratgeberbücher wie auch die Internet-Seiten helfen beiden Gründern über die Runden - dem Ideengeber im Holzfällerhemd genauso wie dem Informatikstudenten in Kanada.

Zwei Angebote habe es mal gegeben, die Seiten zu verkaufen, erinnert sich Finkbeiner. "Aber die Offerten hätten viel, viel höher sein müssen", damit er weich geworden wäre, denn "Frag Mutti ist schon mein Lieblingsprojekt". Aha. Was läuft denn da noch? "Na, das Studium", erwidert Finkbeiner leicht irritiert. Keine großen neuen Pläne, kein neues Superding im Internet. Über die Ratgeberbücher sagt er: "Das sind einfach die Tipps von den Web-Seiten plus ein paar Anekdoten." Einer habe ihm mal gesagt, das Frag-Mutti-Buch sei "seine liebste Klolektüre". Finkbeiner hat das gefallen.

Wie es nach dem Studium weitergeht, weiß er schon: ganz ruhig nämlich. "Meine Frau und ich nehmen dann ein Jahr Auszeit", sagt Finkbeiner. Vielleicht will er danach noch mal an die Uni und einen Doktor obendrauf satteln. Nach verbissenem Ehrgeiz für eine akademische Karriere klingt es bei ihm nicht - es wäre halt ganz schön. Auch da bleibt Bernhard Finkbeiner ganz gelassen.

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