Rauchverbot an Unis Keine Kippe auf dem Campus

Nur noch die Köpfe sollen an der Uni rauchen. Das fordern ein Gesundheits-Arbeitskreis und Krebsforscher, die Hochschulen zur nikotinfreien Zone machen wollen. Die ersten Unis haben den blauen Dunst bereits vom Campus verbannt - aber Examenskandidaten werden ihnen was husten.


Wenn das große Heulen und Zähneklappern naht, fingern viele Prüflinge hektisch in der Zigarettenschachtel: Kippe raus, Kippe an, und schon flattern die Nerven, naja, etwas weniger. Für Examenskandidaten und andere Stressraucher könnten ungemütliche Zeiten anbrechen: Der "Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen" hat ein vollständiges Rauchverbot an allen Hochschulen gefordert. Und die ersten Unis arbeiten bereits daran.

Dicke Luft: Raucher sollen künftig draußen bleiben
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Dicke Luft: Raucher sollen künftig draußen bleiben

Bundesweit gehören der Vereinigung über 50 Hochschulen an. Beistand findet sie beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Bei einer Tagung in Frankfurt mit dem etwas pompösen Titel "Nichtrauchen an Hochschulen - Modelle und Perspektiven für einen Kulturwandel" machte der Verband sich letzte Woche dafür stark, Zigaretten vom Campus zu verbannen, keinen Tabak mehr in den Gebäuden zu verkaufen und mehr Aufklärung zur Tabakentwöhnung anzubieten. Außerdem soll die Tabakindustrie weder Projekte noch Forschungspreise an Hochschulen finanzieren.

Für diese Anliegen will der Gesundheits-Arbeitskreis in einem offenen Brief bei allen deutschen Hochschulen, der Bundesregierung und bei den Regierungen der Länder werben. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg beteiligte sich an der Frankfurter Tagung. "Rauchen ist und bleibt das größte Gesundheitsrisiko für Krankheit und frühen Tod - das gilt für Raucher wie Passivraucher", sagt Annette Bornhäuser. Nach Angaben der Mitarbeiterin des Zentrums sterben in Deutschland jährlich 111.000 Menschen am Tabakkonsum. "Tabak ist der bedeutendste Luft-Schadstoff in Innenräumen, nur ein abgeschlossener Raucherbereich kann Nichtraucher schützen", so Bornhäuser.

Sie hält Maßnahmen gegen den "Mitrauchzwang" für längst überfällig - immerhin studieren und arbeiten an Deutschlands Hochschulen rund 2,5 Millionen Menschen. Bornhäuser distanziert sich allerdings von "Verbotsrhetorik" und plädiert vor allem für "räumlich klar abgetrennte Raucherbereiche". Denn in von Rauchern und Nichtrauchern gemeinsam genutzten Innenräumen brauche man einen "tornadoartigen Luftaustausch", um die Schadstoffe zu reduzieren. "Die Sektoren dürfen nicht direkt ineinander übergehen", betont sie, "sonst ist das wie ein Schild an einem Swimming Pool, bei dem man in die eine Hälfte urinieren darf - das nützt ja niemandem."

Die Luft für Raucher wird dünner

Mit Aufklärungskampagnen könne man Rauchern helfen, sie von ihrer Sucht zu befreien. Eine Umfrage unter Studenten an der FH Frankfurt beispielsweise habe gezeigt, dass die Hälfte von der Zigarette weg wolle. Annette Bornhäuser hält allerdings "praktikable Lösungen" für nötig. Dem Professor im eigenen Büro etwa könne man das Rauchen kaum untersagen, und für Examenskandidaten hat sie ebenfalls Verständnis: Ausgerechnet der Prüfungszeitraum sei ein "sicher ungünstiger Zeitpunkt für die Nikotinentwöhnung".

Zum Gruseln: Solche Kampagnen sollen die Folgen des Rauchens symbolisieren
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Zum Gruseln: Solche Kampagnen sollen die Folgen des Rauchens symbolisieren

Die ersten Hochschulen haben bereits begonnen, Raucher an die frische Luft zu setzen. So hat die Universität Bonn zum Sommersemester ein Rauchverbot eingeführt, das in Hörsälen, Seminarräumen, Fluren und Treppenhäusern gilt. Der Uni geht es dabei nicht nur um die Gesundheit der Nichtraucher, sondern auch um Sauberkeit und Brandschutz. Im Arkadenhof des Bonner Hauptgebäudes, in Büros und einem Teil der Cafeteria wird der Qualm weiterhin geduldet.

Mitte Juli hat auch die Friedrich-Schiller-Universität Jena ein generelles Rauchverbot beschlossen. Nur außerhalb der Gebäude darf man noch zur Zigarette greifen, innerhalb sollen Raucherzonen im Einzelfall vereinbart werden können - und in den naturwissenschaftlichen Fakultäten gar nicht, wegen der Feuergefährdung.

Soeben nachgezogen hat die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: striktes Rauchverbot in allen gemeinschaftlich genutzten Räumen, darunter Flure, Hörsäle und Treppenhäuser, auch Toiletten und Teeküchen. Ob und wo die Institute Raucherecken einrichten, entscheiden die Fakultäten selbst. Mit einer Plakatkampgane will die Uni auf die neuen Regeln hinweisen - und das Verbot "nicht ideologisch, sondern pragmatisch umsetzen", wie es in einem Rundschreiben des Rektors heißt.

Jochen Leffers




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