Reformpläne für Bachelor Weniger Notendruck, mehr Freiheiten

Zu vollgepackt sei das Studium, heißt es oft, und zu verschult. Nun soll der Bachelor besser an die Bedürfnisse der Studenten angepasst werden.

Erstsemester-Studenten in Koblenz
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Erstsemester-Studenten in Koblenz


Wenn die Sommerferien vorbei sind, beginnen wieder Zehntausende Menschen mit einem Bachelor-Studium. Und dabei wird es oft nicht bleiben: Viele Studenten streben danach noch einen Master an.

Denn der Bachelor hat auch zehn Jahre nach seiner Einführung noch einen schlechten Ruf. Kritiker finden ihn zu verschult, zu eng getaktet und auf dem Arbeitsmarkt wird er häufig nicht als vollwertiger Abschluss gesehen.

Nun haben sich die Hochschulen und die Bundesländer auf Reformpläne geeinigt. Nach monatelangen Beratungen legten die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am Freitag ihre Vorschläge vor.

Was soll anders werden im Studienverlauf?

Studenten sollen mehr Freiräume bekommen. Hochschulen sollen Studienverläufe individueller gestalten dürfen. Die "Übersättigung mit Inhalten" im knapp bemessenen Bachelor-Studium müsse aufhören, sagt HRK-Vize Holger Burckhart. Teilzeit-, Fern- oder berufsbegleitendes Studium sowie Studieren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten soll leichter werden. Vorgaben zur Regelstudienzeit sollen flexibler gehandhabt werden.

Was soll sich bei den Noten ändern?

Hochschulen müssen künftig nicht mehr zwangsläufig die Noten insbesondere aus den ersten beiden Semestern auf die Endnote anrechnen. Auch "bestanden" oder "nicht bestanden" kann reichen. Das soll den Leistungsdruck mildern.

Soll ein Studium dann insgesamt länger dauern?

Das kalkulieren die Hochschulen ein. "Es sollte künftig keine starre staatliche Vorgabe für eine Gesamtstudienzeit Bachelor und Master von zehn Semestern mehr geben", sagt HRK-Chef Horst Hippler. "Ein Bachelor in Physik ist nie im Leben ein Physiker", sagte der Karlsruher Physik-Professor einmal.

Wie sind die Jobaussichten von Bachelor-Studenten?

Die Arbeitslosenquote von FH-Absolventen liegt bei etwa drei Prozent, unter Uni-Absolventen sind es sogar nur rund zwei Prozent. Der Bildungsbericht 2016 notiert: "Zwei Drittel der Bachelors von Universitäten und drei Viertel aus Fachhochschulen, die nach dem Bachelor erwerbstätig werden, sind [...] etwa ein Jahr nach dem Studium in Positionen tätig, für die ein Hochschulabschluss erforderlich ist." Die Praxistauglichkeit des Abschlusses ist aber umstritten.

Um wie viele Studenten geht es in Deutschland?

Um sehr viele. Im Wintersemester 2014/2015 waren 88 Prozent aller Studiengänge auf Bachelor und Master ausgelegt. An den Fachhochschulen lag der Anteil laut HRK und KMK bei 99 Prozent. An Musikhochschulen betrug er 84, an Kunsthochschulen 62 Prozent. In den Fächern Lehramt, Medizin, Pharmazie und Rechtswissenschaften ist der Bachelor weniger weit verbreitet. Laut Statistischem Bundesamt studieren drei Viertel der 2,7 Millionen Studenten auf Bachelor oder Master.

Wie geht es weiter?

Im kommenden Wintersemester ändert sich im Uni-Alltag wohl noch nichts. Wie schnell die neue Vereinbarung zwischen HRK und KMK an den Hochschulen umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

lov/dpa

insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
mali123 15.07.2016
1. Lieber aussieben
es wäre ratsam lieber viele Leute auszusieben, da Stellen Mangelware geworden sind und Einige nur aus Tradition zu ihren Eltern offenbar studieren, weil diese bereits studiert haben. Das ist auch kein Wunder, da ja heute mehr Jugendliche das Abitur machen als in die Hauptschule gehen. Das kann doch nicht wahr sein... Deswegen sollten die Unis diesen Kurs korrigieren und nicht noch mehr Studenten aufnehmen, damit sie finanzielle Mittel bekommen.... Das ist ein Skandal!
lordschnee 15.07.2016
2. Überhastet
war die Einführung des Systems. ich selbst studiere Maschinenbau und bin kurz vor meinem Bachelorabschluss an einer der für Maschbau Top 3 Unis in Deutschland. was war doch früher ein deutscher Diplomingenieur angesehen. bald habe ich meinen Bachelor und denke sogar selbst: im Grunde kann ich nichts. Klar, die Grundlagen wurden gut vermittelt und ich kann ein wenig mitreden, aber nur sehr sehr oberflächlich. ohne Master und damit eine Vertiefung in mindestens einem Gebiet, brauche ich gar nicht in der Industrie ankriechen. die Einführung des Bachelor Master Systems war von der Politik total überhastet. in 6 Semestern ein Abschluss im Ingenieurswesen? was soll das. die Lehrpläne sind stramm, Fächer, die Spaß machen und wenigstens mal Praxisnah sind (bspw. Arbeiten mit CAD) werden maximal ein Semester lang gemacht. wie soll da groß was hängen bleiben? in den Prüfungen sind Durchfallquoten von 40% ganz normal und studieren in 6 Semestern "Regelstudienzeit" beinahe unmöglich, wenn man nebenher auch noch ein Leben haben möchte. die Umstellung war genauso drastisch wie von heute auf morgen alle AKWs abzuschalten, nämlich einfach unüberlegt. sicherlich war die Umstellung in manchen Studiengängen auch sinnvoll, aber wieso muss Europa in Bologna den deutschen Exportweltmeistern für Maschinen und Autos erklären, wie man ein Ingenieursstudium betreiben soll? vielleicht sollte man erst einmal das deutsche Schulwesen vereinheitlichen, anstatt direkt in großen Maßstäben anzufangen
RudiRastlos2 15.07.2016
3.
Oder anders gesagt, man möchte die Hürden des Studiums soweit senken, dass die Massen an Studienanfängern möglichst unbeschadet auch durch das Studium kommen... Wenn es im Kopf nicht reicht, muss eben die Barriere gesenkt werden. Armes Bildungsdeutschland.
lachina 15.07.2016
4.
Zitat von mali123es wäre ratsam lieber viele Leute auszusieben, da Stellen Mangelware geworden sind und Einige nur aus Tradition zu ihren Eltern offenbar studieren, weil diese bereits studiert haben. Das ist auch kein Wunder, da ja heute mehr Jugendliche das Abitur machen als in die Hauptschule gehen. Das kann doch nicht wahr sein... Deswegen sollten die Unis diesen Kurs korrigieren und nicht noch mehr Studenten aufnehmen, damit sie finanzielle Mittel bekommen.... Das ist ein Skandal!
Wer die Hauptschulen kennt, weiß warum das so ist: Sammelbecken für Problemfälle und die Leute, die (noch) nicht richtig Deutsch können ( sobald die Cleveren der deutschen Sprache mächtig sind, wechseln sie die Schule), deshalb gibt es in S-H keine Hauptschulen mehr. Und was ist einzuwenden gegen die Rückkehr zu den Regeln des guten alten Diploms? Ein deutscher Diplomingenieur war einst auf der ganzen Welt anerkannt, das hat er aber nicht in 6 Semestern nach einem verschulten Lehrplan geschafft. Eigenverantwortung und eigene Stundenpläne schreiben und den eigenen Interessen nachgehen , machen das Studium schwieriger, nicht einfacher., aber eventuell interessanter.
hinkypunk 15.07.2016
5.
Zitat von RudiRastlos2Oder anders gesagt, man möchte die Hürden des Studiums soweit senken, dass die Massen an Studienanfängern möglichst unbeschadet auch durch das Studium kommen... Wenn es im Kopf nicht reicht, muss eben die Barriere gesenkt werden. Armes Bildungsdeutschland.
Ich weiß leider nicht, wo sie angesichts des Versprechens von „mehr Freiräumen“ und „mehr Flexibilität“ eine Absenkung des Leistungsniveaus wahrnehmen. Sollen wohl mal wieder „die Studenten von heute“ sein ...
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