Rekordvorlesung Wach bleiben fürs Guinness-Buch

So viel Fleiß war nie. Nach genau 52 Stunden endete an der FH Trier die längste Vorlesung der Welt. 24 Studenten, die fast ununterbrochen zugehört hatten, wankten aus dem Hörsaal und wollten nur noch eins: endlich schlafen.

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Durchhalten: Studenten beim Rekordversuch

Durchhalten: Studenten beim Rekordversuch

Birkenfeld - Mindestens 20 Studierende, so hatte es die Redaktion des Guinness-Buchs der Rekorde vorher festgelegt, müssten ständig der Vorlesung folgen, damit der Weltrekordversuch gültig ist. "Schlafen im Hösaal geht also nicht", erklärt Kai-Uwe Kirschen, Maschinenbaustudent im dritten Semester und zusammen mit seinem Kommilitonen Jan Hülsemann Initiator des Spektakels. Kirschen selbst gehörte zwar nicht zu den Dauerhörern, kümmerte sich aber um Verpflegung und Besucher, Rot-Kreuz-Sanitäter und Ruheräume. Oberstes Ziel: Werbung für den Standort Birkenfeld der FH Trier zu machen - und zwar mit der längsten Vorlesung der Welt.

Per Videokamera wurden ständig die Hörsaalbänke im Gebäude 9918 gefilmt, um später jeden Zweifel an der körperlichen und geistigen Anwesenheit der Zuhörer ausräumen zu können. Damit den Studenten während der Dauervorlesung nicht die Sitzmuskulatur verkrampfte, hatte Kirschen unter anderem Gymnastik-Sitzbälle und ein Trimm-Fahrrad organisiert. Für Raucher gab es auf der Wiese vor dem Hörsaalfenste ein Zelt, das zur Gewährleistung des unenterbrochenen Hörgenusses ebenfalls beschallt war.

Um sicher zu stellen, dass auch wirklich alle durchhielten, kümmerte sich ein Service-Team um die Versorgung der Kommilitonen. "Wir verteilen Bananen und Saft und schauen so ein bisschen, dass niemand schlapp macht", beschrieb Service-Frau Lisa Barbrock ihre Aufgabe.

Trotz der Fürsorge mussten zwei Studenten aufgeben. Eine junge Frau hatte Kreislaufprobleme bekommen, ihr Freund folgte ihr nach draußen.

Vorne am Katheder ging es derweil um das große Thema Technik und Gesellschaft. "Ich habe den Verdacht, dass manche Studenten hier mehr lernen als in den normalen Vorlesungen", schmunzelte Informatik-Professor Michael Eulenstein, der einen launigen Ausflug in die Geschichte der Programmiersprachen machte. Die Dauervorlesung sei zwar keine Aktion der Hochschule selbst, "aber wir finden das natürlich toll, wenn die Studierenden so ein Engagement mitbringen", so Eulenstein. Mit seiner Mitwirkung beim Vorlesungsreigen wollte er das unterstützen.

Als nach 52 Stunden die Sektkorken knallten, wollte trotz des Erfolgs zumindest bei den direkt Beteiligten keine richtige Partystimmung aufkommen. "Zwei Nächte durchgemacht, das reicht erstmal für die nächsten Wochen", murmelte eine Studentin mit verquollenen Augen: "Die anderen können jetzt für uns feiern, es sei ihnen gegönnt." Und mit einem herzhaften Gähnen verschwand sie zielstrebig Richtung Bett.



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