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01. April 2014, 12:22 Uhr

Examen gegen Geld

Richter soll Prüfungsinhalte verkauft haben

Ein Richter in Niedersachsen soll regelmäßig Examensaufgaben an Jurastudenten verkauft haben. Als er aufflog, setzte er sich nach Italien ab. Nun wurde er in Mailand mit viel Bargeld und Pistole erwischt.

Hannover - Ein niedersächsischer Richter soll mit Daten für das zweite juristische Staatsexamen gehandelt haben. Er soll über Jahre Themen an niedersächsische Examenskandidaten verkauft und dafür von jedem einige tausend Euro kassiert haben.

Weil das Justizministerium Unregelmäßigkeiten festgestellt habe, wurde gegen den Referatsleiter ermittelt. Der 48-Jährige stehe unter Korruptionsverdacht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden.

Der Richter sei nach Italien geflüchtet, am Montag wurde er in Mailand mit internationalem Haftbefehl festgenommen. Er hatte in Begleitung einer jungen Frau in einem Hotel an der Porta Romana eingecheckt, berichtete die Tageszeitung "Welt". Demnach hat er 30.000 Euro und eine Pistole bei sich gehabt. Die Auslieferung sei beantragt.

Auch gegen Referendare werde nun ermittelt. Nachdem sich der Anfangsverdacht erhärtet habe, seien am vergangenen Mittwoch drei Büros und Wohnungen durchsucht worden, sagte der niedersächsische Staatsanwalt Lutz Gaebel. Darunter war auch das Büro des an das Landesjustizprüfungsamt in Celle abgeordneten Richters. Offenbar habe er sich daraufhin nach Italien abgesetzt.

Nach der Durchsuchung wurde dem Richter ein Hausverbot erteilt, er wurde vorläufig seines Amtes enthoben.

Unklar ist bisher laut Zeitungsbericht, wie viele in Niedersachsen abgelegte Staatsexamen nachträglich für ungültig erklärt werden müssen.

cpa/dpa

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