Schauspieler Otto Sander "Ich nehme Rache und werde Eintritt verlangen"

Der Berliner Charakterdarsteller Otto Sander studierte in den sechziger Jahren an der Münchner Universität und zugleich an der Schauspielschule. Vor Studenten erzählte er jetzt von Kneipen-Streifzügen und seinem Rauswurf von der Schule - einen Monat vor der Abschlussprüfung.


Otto Sander: Als "Spefuchs" nur Zaungast bei Burschenschaften
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Otto Sander: Als "Spefuchs" nur Zaungast bei Burschenschaften

Otto Sander gilt als einer der Großen seines Fachs. Der Ziehvater von Ben und Meret Becker hat einmal amüsiert bemerkt: "Niemand sagt sich bewusst: Weil ich rote Haare und Sommersprossen habe, werde ich Schauspieler. Aber es erzählt sich gut als Anekdote. Ich nehme Rache und werde Eintritt verlangen." Weil das eine gute Pointe ist, erzählt der umtriebige Bühnenkünstler sie gern und oft - ob sie stimmt, ist eine andere Frage. "Die Mischung muss stimmen, die Mischung zwischen Showeffekt und Inhalt", weiß er.

Von 1962 bis 1967 studierte Otto Sander Theater- und Literaturwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ein typischer Student war er nicht gerade, wie er im Gespräch für die Sendung "Campus & Karriere" im Deutschlandfunk erzählte. Und die Prüfung an der Otto-Falckenberg-Schule konnte er nur noch als Externer machen, nachdem er 1966 wegen Nichteinhaltung von Terminen verwiesen wurde.

Herr Sander, was war das eigentlich für eine Zeit, als Sie in München studiert haben?

Otto Sander: Da war ich auch noch Statist am Theater, Komparse in den Kammerspielen und in dem Residenztheater. Und einmal war eine Vorstellung doppelt: In einem Theater war "Hamlet", im anderem Theater war "Frühlingserwachen" von Wedekind. Da habe ich eine Münze geworfen und gedacht, wo gehe ich denn jetzt hin. "Hamlet" ist wichtiger, weil ich da einen Sarg zu tragen hatte, und bei "Frühlingserwachen" stand ich auf dem Schulhof mit mehreren Kindern rum. Da hab ich gedacht, das fällt doch nicht auf, wenn da einer fehlt.

Aber der Direktor der Schauspielschule hatte das inszeniert. Ihm wurde gemeldet, dass ich nicht da war, und dann flog ich von der Schauspielschule - einen Monat, bevor der Abschluss war. Dann war ich sehr traurig und bin zu Herrn Everding - Gott hab ihn selig - gegangen, und habe ihm gesagt: Geben Sie mir doch eine anständige Strafe, dass ich Bühne putze, Garderobe sauber mache oder was weiß ich, aber nicht einfach von der Schule schmeißen. Aber nein, das war gnadenlos. Denn Disziplin, sagte er, ist das Wichtigste im Theater.

Gab es überhaupt so etwas wie ein Studentenleben?

Sander: Das spielte sich meistens in den Kneipen ab, also in den wunderbaren Bierkneipen in München. Na ja, und dann schlagende Verbindungen, da war man immer als "Spefuchs" unterwegs. Die wollten ja, dass man in die Verbindung eintritt. Bis man da durch war, war ja schon ein Jahr rum. Wenn man einmal Spefuchs war, gab es umsonst Essen und Trinken. Und dann war ich überall mal Spefuchs, bin aber in keine Verbindung eingetreten. Auch im AStA war ich nicht, also insofern ein Studentenleben außerhalb der Uni.

Sie spielen in Filmen, stehen auf der Bühne, machen Lesungen und Hörspiele - sind Sie besessen von Ihrem Beruf?

Sander: Nein, solange es einem Spaß macht. Wenn man das macht und denkt, ich muss jetzt da wieder hin, Ogottogott, dann muss man es lassen. Aber solange es einem Spaß macht, muss man immer dranbleiben. Mehr ist es eigentlich nicht, es ist eigentlich in jedem Beruf so.

Campus & Karriere / Deutschlandfunk



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